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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

DFB-Pokal 2013/2014, 1. Runde
[Sonntag, 04.08.2013] SV Sandhausen – 1.FC Nürnberg 4:3 (0:1, 1:1, 1:1) i.E.

Es ist also wieder Leidenszeit… oder sagen wir es so: Die Leidenszeit hat sich mit dem Pokalspiel des Clubs in Sandhausen verlängert. Wochenlang darbt man durch eine elend lange Sommerpause dahin, zählt die Tage, bis der Club endlich wieder spielt, kriegt sich die Tage vor dem Spiel vor Vorfreude kaum ein und dann das! Zum zweiten Mal in Folge ist der DFB-Pokal für den 1. FC Nürnberg bereits nach nur einem Spiel Geschichte. Zum zweiten Mal in Folge unterliegt man einem unterklassigen Gegner und die zweite Saison in Folge wird man als Clubfan das weitere Geschehen im kürzesten Weg nach Europa nur als – wenn überhaupt – interessierter Zuschauer verfolgen. Max Morlock, Heiner Stuhlfauth und viele andere verdiente Clubspieler drehen sich wahrscheinlich gerade unruhig in ihrem Grab hin und her…
Dabei fing das Spiel in Sandhausen – ähnlich wie das vor Jahresfrist in Havelse – gar nicht so schlecht an. Nach einer ersten Sturm und Drang-Phase der Gastgeber bekam der FCN Spiel und Gegner unter Kontrolle. Die Mannschaft von Michael Wiesinger hatte mehr Ballbesitz, gewann mehr Zweikämpfe und war auch bei der Passgenauigkeit das bessere Team. Was indes fehlte waren Ideen, den nun sehr tief stehenden Sportverein aus Sandhausen in echte Bedrängnis zu bringen. Torchancen waren im Hardtwaldstadion dementsprechend Mangelware und im Grunde sprach es für den Club, dass er gleich die erste große Torchance zum 1:0 nutzte. Robert Mak hatte die Idee, auf die man so lange hatte warten müssen, spielte den Ball steil durch die Schnittstelle der SVS-Abwehr und bediente damit Daniel Ginczek mustergültig. Der Neuzugang aus St. Pauli, der neben Emanuel Pogatetz der einzige Neue in der Startelf war, behielt im 1:1-Duell gegen Sandhausens Manuel Riemann die Nerven und schob dem Keeper in der 27. Minute den Ball durch die Beine.
Sandhausen hatte mit dem Rückstand nun durchaus zu kämpfen und wirkte angeschlagen – wer jedoch darauf wartete, dass der Club die Gunst der Stunde nutzte und den Sack zumacht, der wartete vergeblich. Im Gegenteil: Die einzige Großchance vor der Pause musste auf Nürnberger Seite Raphael Schäfer parieren, indem er in der 44. Minute einen langgezogenen Freistoß von Timo Achenbach gerade noch über die Latte bugsierte.
Nach der Pause entwickelte sich dann ein offener Schlagabtausch. Der noch sieglose Zweitligist hatte zurück in die Partie gefunden und erarbeitete sich durch Marco Thiede und Ranisav Jovanovic in der 51. bzw. 52. Minute gleich zwei gute Chancen. Auf der anderen Seite kam Markus Feulner in der 56. Minute noch zum Abschluss, ehe es dann wieder vor dem Clubtor Aufregung gab. Timothy Chandler hatte sich nach einem Freistoß, der hoch in den Nürnberger Strafraum kam, selten blöd angestellt und seinen Gegenspieler Julian Schauerte im Stile eines Ringers zu Boden gebracht, obwohl das Spielgerät meilenweit entfernt war. Schiedsrichter Norbert Grudzinski blieb gar keine andere Wahl: Er pfiff Elfmeter für die Gastgeber. Schauerte trat selbst an und hatte in der 58. Minute kein Problem, den Ball zum Ausgleich im Nürnberger Gehäuse unterzubringen.
Nun war Sandhausen endgültig zurück im Spiel und man mag sich trefflich darüber streiten, ob sich das Spiel die letzte halbe Stunde nun auf Zweitliga- oder Erstliga-Niveau bewegte – ein Klassenunterschied zwischen beiden Teams war jedenfalls nicht mehr zu bemerken und so neutralisierten sich Gast und Gastgeber derart, dass echte Torchancen bis zur 90. Minute Mangelware waren. Es wurde auf beiden Seiten gekämpft, es wurde geackert, von schönem Spiel oder gar konstruktiven Ideen kann man jedoch nicht reden (was dann doch die These nahelegt, dass sich das Spiel auf Zweitliga-Niveau bewegte).
In der Verlängerung sorgte dann der eingewechselte Josip Drmic in der 92. Minute für ein erstes Ausrufezeichen des Bundesligisten, scheiterte jedoch mit seinem Plan SVS-Torhüter Riemann zu umkurven. In der 100. Minute hatte Mike Frantz dann die Gelegenheit die minütlich größer werdende Last von den Schultern der FCN-Kicker zu nehmen, scheiterte jedoch ebenfalls knapp. Und natürlich hatte man auch in Sandhausen von den Schwierigkeiten eines Raphael Schäfers bei Elfmetern gehört, so dass die Gastgeber mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr auf ein Shoot-Out schielten und dementsprechend den Fokus ihrer Arbeit darauf legten, ein Gegentor zu verhindern, statt auf der anderen Seite selbst noch den Torerfolg zu suchen.
Die Rechnung ging auf und so sah sich Raphael Schäfer wenig später den Schützen vom Elfmeterpunkt gegenüber. Chancenlos flogen dem FCN-Keeper die Bälle um die Ohren, während beim Club schon dem zweiten Schützen Hanno Balitsch die Nerven versagten. Wenn der Mann doch nur auf dem Platz mal so zuverlässig wäre, wie mit der Kritik an seinen Kritikern….
Nachdem letztlich vier Sandhäuser dann getroffen hatten, musste Marvin Plattenhardt als fünfter Clubschütze schon treffen, um den Club überhaupt im Spiel zu halten. Er tat es nicht! Riemann hielt seinen zweiten Elfmeter und durfte umgehend zum Jubeln abdrehen.
Der Club hingegen lieferte mit einer insgesamt nicht zufriedenstellenden Leistung Wasser auf die Mühlen aller Kritiker und Skeptiker. Der Abgang von Timmy Simons, die nach wie vor wenig kreative Spielweise, Standardsituationen, die offensichtlich auch nicht mehr funktionieren – ja, wer Anhaltspunkte für Besorgnis sucht, findet sie in Fülle. Und mit Sicherheit hat man in der Form vom Sonntagabend am nächsten Wochenende in Hoffenheim nicht den Hauch einer Chance, siegreich in die Saison zu starten. Dennoch wäre es ein Fehler, den Kopf nun gleich in den Sand zu stecken. Das Pokalspiel war und ist eine ärgerliche Momentaufnahme – genau, wie es die Erstrundenniederlage vor Jahresfrist in Havelse war. Nach dem Aus beim Viertligisten hätte sicherlich auch niemand einen Pfifferling darauf gesetzt, dass der Club das Auftaktspiel der Saison beim Hamburger SV gewinnt – und er hat es trotzdem getan. Letztes Jahr sind wir nach Verlängerung bei einem Regionalligisten rausgeflogen, in diesem Jahr hat es zumindest schon zum Elfmeterschießen bei einem Zweitligisten gereicht… wer hier Ironie findet, kann sie behalten, denn letztlich müssen und können allein die Clubspieler auf dem Feld beweisen, dass die Momentaufnahme wirklich eine solche ist und nicht der Beginn einer richtig ärgerlichen Zeitspanne.