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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 34. Spieltag
[Samstag, 17.05.2013] 1.FC Nürnberg – Werder Bremen 3:2 (0:1)

Es war also das berühmte Spiel um die „Goldene Ananas“, ein Spiel in dem es zwar um drei Punkte ging, diese jedoch keinerlei Auswirkung mehr auf Abstieg, Meisterschaft oder Europapokal-Qualifikation haben würden. Ein Spiel, das noch dazu bei sommerlichen Temperaturen stattfand, und das im Gegensatz zu den Partien in Dortmund, Augsburg und Hannover alles andere als im Focus der fußballbegeisterten Öffentlichkeit stand. Ein Spiel auch, an das wahrscheinlich schon um 17.20 Uhr niemand mehr gedacht hätte, wären da nicht in Bremen in der Woche vor dem Spiel gewisse Entscheidungen getroffen worden, die den letzten Auftritt ihrer Mannschaft in der Saison 2012/2013 zumindest für die Werder-Fans zu einem ganz besonderen Spiel gemacht haben. Das 34. Spiel der Spielzeit war für die Gäste das Spiel eins nach Thomas Schaaf – das erste Spiel nach einer Ära.
Den Clubanhang interessierte diese Tatsache natürlich nur so mittelmäßig und während die Bremer Fans mit Pippi in den Augen in einer grünen Rauchwolke standen, forderte die Nordkurve nicht zu Unrecht einen versöhnlichen Saisonabschluss und drei Punkte, die den Club bei optimalem Verlauf des letzten Spieltags sogar noch hätten auf einen einstelligen Tabellenplatz katapultieren können.
Bis an diesem Sommertag in Nürnberg jedoch überhaupt von einem Verlauf gesprochen werden konnte, dauerte es dann doch (erwartungsgemäß ?) recht lang. Die Gäste aus Bremen kamen zwar besser ins Spiel, davon, dass eine Mannschaft jedoch gut im Spiel war, konnte in den ersten 30 Minuten wahrlich nicht die Rede sein. Torchancen? Mangelware! Spielfluss? Mangelware! Spannung? Nur auf den anderen Plätzen!
Das mag neben den sommerlichen Temperaturen und der Tatsache, dass es im Grunde um kaum noch etwas ging, zumindest auf Clubseite auch daran gelegen haben, dass Coach Wiesinger das eigene Team wieder hatte umstellen müssen: Per Nilsson, Niklas Stark und Marvin Plattenhardt ersetzten Berkay Dabanli, Mike Frantz und Alexander Esswein in der Startelf. Da dauerte es dann halt ein wenig, ehe die Zahnräder halbwegs ordentlich ineinander griffen.
Einzig wahrer Aktivposten auf dem Spielfeld war – wenn man davon sprechen will – in der ersten Hälfte der Bremer Kevin de Bruyne, der in Spiel eins nach Thomas Schaaf wohl seine letzte Partie im grün-weißen Trikot bestritt und der in der 27. Minute (!) den ersten Warnschuss des gesamten Spiel abgab. Raphael Schäfer konnte problemlos parieren.
Zehn Minuten später war es dann plötzlich geschehen: de Bruyne wurde freigespielt, sah, dass Schäfer aus dem Tor eilte und narrte den Keeper in der 37. Minute mit einem Heber ins Nürnberger Tor. Bremen und allen voran der junge Belgier hatten Ernst gemacht und führten zur Pause verdient.
Nach dem Seitenwechsel begannen die letzten 45 Minuten der Saison mit einem Fernschuss von Timmy Simons – dem ersten des Club an diesem Samstag. Sebastian Mielitz im Bremer Tor konnte den Ball ohne Probleme festhalten. In der 55. Minute hatte der Club dann etwas Glück als Schiedsrichter Guido Winkmann eine Attacke von Raphael Schäfer in Richtung Nils Petersen als faire Aktion wertete und nicht auf den Elfmeterpunkt zeigte. Hätte man auch anders sehen können.
Keine zwei Meinungen kann es dagegen über Per Nilsson geben. Der Innenverteidiger stand in der 61. Minute nach einem Eckball mal wieder genau da, wo ein Klassestürmer stehen muss. Klatschte sein Kopfball zunächst an den Pfosten, konnte der Schwede den Abpraller problemlos im Bremer Tor unterbringen. Mit sechs Treffern ist der Klassestürmerinnenverteidiger damit bester Club-Torschütze der Saison 2012/2013.
Nach dem Ausgleich verflachte die Partie wieder und als Zuschauer hatte man nun endgültig den Eindruck, dass es für beide Teams um nichts mehr ging und man auf beiden Seiten mit dem Erreichten zufrieden ist. Dass dem nicht so war, zeigte der eingewechselte Sebastian Polter in der 81. Minute. Der Leihspieler vom VfL Wolfsburg, der sein letztes Spiel im Clubtrikot bestritt, köpfte den Ball nach einer Ecke ins Bremer Tor und gab damit das Startsignal für unterhaltsame zehn Minuten, die bis zum Saisonende noch blieben. Zunächst durften die Clubfans noch einmal jubeln als Tomas Pekhart in der 88. Minute nach Flanke an den langen Pfosten aus kurzer Distanz zum 3:1 einnetzen konnte. Auf der anderen Seite hatten auch die mitgereisten Fans von der Weser noch einmal Grund zur Freude. Im Gegenzug zum 1:3 traf de Bruyne ein zweites Mal und stellte in der 89. Minute den Anschluss wieder her.
Nach 90 Minuten war die Zufriedenheit auf beiden Seiten groß. Die Werder Fans waren zufrieden, dass ihre Mannschaft den Klassenerhalt trotz Sieglosigkeit in den letzten 13 Spielen doch recht klar geschafft hat und die Mannschaft von Michael Wiesinger hat mit zwei Spielen in Folge, die man noch zu einem Sieg drehen konnte, fast schon Historisches geleistet und für einen versöhnlichen Abschluss einer Saison mit Höhen und Tiefen gesorgt. Im Tableau reichte es am Ende mit guten 44 Punkten zum zehnten Platz bei elf Siegen, elf Unentschieden und zwölf Niderlagen. Man steht damit immerhin vor Mannschaften wie dem VfL Wolfsburg, dem VfB Stuttgart oder auch den immer wieder gerne hoch gelobten 05ern aus Mainz – von Werder Bremen auf Rang 14 ganz zu schweigen. Hatte es in der Hinrunde unter Dieter Hecking zu 20 Punkten und Rang 14 gereicht, holte die Mannschaft unter Michael Wiesinger in der Rückrunde 24 Punkte und steht im Klassement der 17 Spiele 2013 auf einem guten achten Platz. In der Heimtabelle steht der Club mit sieben Siegen, sechs Unentschieden und vier Niederlagen (27 Punkte) auf Platz sieben, auswärts hat es bei vier Siegen, fünf Unentschieden und acht Niederlagen mit 17 Punkten zu Platz zwölf gereicht.
Die fünfte Saison in Folge als Bundesligist beginnt für den Club am ersten Wochenende im August. Zunächst steht am Wochenende 2./3./4. August die erste Hauptrunde im DFB-Pokal auf dem Programm, ehe die 51. Saison der Fußball-Bundesliga dann am Freitag, den 9. August 2013 startet. Mehr gibt es im Grunde nicht hinzuzufügen. Freuen wir uns einfach auf die Sommerpause und genießen wir das schöne Wetter!