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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 28. Spieltag
[Sonntag, 07.04.2013] 1.FC Nürnberg – FSV Mainz 05 2:1 (0:0)

Ok, der Kalauer muss jetzt einfach sein: Alter Schwede! Da macht unser Innenverteidiger aus dem Norden gleich zwei Mal kurzen Prozess mit den Nullfünfern und setzt sich ganz nebenbei noch an die Spitze der FCN-internen Torschützenliste 2012/2013. Per Nilsson sorgt mit seinen beiden Treffern für das neunte Spiel in Serie ohne Niederlage und dafür, dass man nun auch bei den Club-Verantwortlichen langsam nicht mehr verleugnen kann, dass ein Europacup-Platz im Schneckenrennen der Saison noch möglich ist. Ok, natürlich wird von offizieller Seite auch nach dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 weiterhin nur davon gesprochen, zunächst einmal die 40 Punkte erreichen zu wollen, doch wer sich in der Rückrundentabelle nach elf Spielen auf einem vierten Platz inmitten solch illustrer Namen wie Schalke 04, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen findet, darf den Blick nun auch einmal nach oben wenden.
Dass die Clubspieler dies intern und unter Ausschluss der Öffentlichkeit schon das ein oder andere Mal getan haben, konnte man im Spiel am Sonntag in der ersten Halbzeit durchaus vermuten. Der Club spielte, als bekäme ihm der Rückenwind in Richtung höhere Gefilde nicht – als wäre da so etwas wie die Angst vor der eigenen Courage. Die Gäste aus Mainz wirkten frischer und sicherer in ihren Aktionen, ließen Ball und Gegner laufen – jedoch ohne wirklich zwingende Aktionen in Richtung Clubtor. Der letzte Riegel in der Abwehr beim Club wackelte zwar das ein oder andere Mal bedenklich, fiel jedoch zunächst nicht. In einem – wie es so schön heißt – taktisch geprägtem Spiel dominierten zunächst zwei starke Abwehrreihen, die auf beiden Seiten nur wenig zuließen. Der Club stand tief wie bei einem Auswärtsspiel und ließ die Rheinhessen zunächst das Spiel gestalten. Man selbst hoffte auf Kontersituationen, die sich jedoch nicht einstellen wollten, da auch die Mainzer keineswegs bereit waren, bedingungslos zu stürmen.
Es dauerte also letztlich 25 Minuten, bis im Max-Morlock-Stadion überhaupt einmal was passierte und die Gäste aus Mainz zeigten, dass ihnen ein 0:0-Unentschieden dann doch zu wenig wäre. Adam Szalai zog aus 18 Metern ab, zwang Raphael Schäfer zu einer Parade und nur drei Minuten später sollte sich zeigen, dass dies nichts Anderes als ein Warnschuss gewesen ist. In der 28. Minute sorgte Nicolai Müller im Nürnberger Strafraum für heilloses Durcheinander, ehe Javier Pinola schließlich in unnachahmlicher Art kurzen Prozess machte und den Ex-F****** einfach umrannte. Beim fälligen Strafstoß zeigte Szalai dann endgültig, dass er seine Füsse an diesem Sonntag nicht richtig justiert hatte – musste FCN-Keeper Schäfer beim Schuss des Ungar in der 25. Minute noch eingreifen, flog der Ball vom Punkt gleich meterweit neben das Tor – keine Chance für Schäfer, da noch an den Ball zu kommen und da beiden Teams in den Folgeminuten nicht mehr viel einfiel, blieb es beim torlosen Unentschieden zur Pause.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich beim Rasenschach zwischen dem Club und Mainz nicht viel – mit dem Unterschied, dass nun Tore fielen. Nachdem das mit den Kontern gegen Mainz nicht so recht klappen wollte, besann man sich beim Club eben auf eine andere, viel trainierte Tugend: Die Standards. 54. Minute: Hiroshi Kiyotake bringt eine Freistoßflanke vor das Mainzer Tor, Per Nilsson springt am höchsten, der Ball zappelt im Netz: 1:0 für den Club! Und fünf Minuten später fast sogar das 2:0: Markus Feulner versuchte es mit einem Distanzschuss, den 05-Keeper Christian Wetklo gerade so noch über die Latte lenken konnte.
Wieder nur eine Minute später dann die Ernüchterung: Ein langer Ball von Jan Kirchhoff auf Nicolai Müller und obwohl der Mainzer noch von zwei Clubberern begleitet wurde, meinte Schäfer plötzlich, er müsse aus dem Tor eilen. Müller sieht dies und hat mit seinem Heber in der 60. Minute keine Mühe, den Ausgleich zu erzielen. Schäfer meinte zu der Situation nach dem Spiel zwar: „Ob das Gegentor auf meine Kappe geht, weiß ich nicht, das muss ich mir erst noch einmal ansehen.“ Doch spätestens wenn er es gesehen hat, wird der Keeper einsehen, dass er an dem Gegentreffer nicht ganz schuldlos ist.
Also musste eben dann auf der anderen Seite noch einmal eine Standardsituation her und die ergab sich in Form einer Ecke in der 69. Minute. Kiyotake bringt den Ball hoch in die Mitte, Hanno Balitsch verlängert auf den langen Pfosten, wo sich Per „Slatan Nilssonimovic“ im Gewühl durchsetzt und den Ball mit langem Bein zum 2:1 über die Torlinie drückt. Mainz 05 lag zum zweiten Mal hinten und mit zunehmender Spieldauer ging den Männern von Thomas Tuchel mehr und mehr die Ideen aus, wie sie den nun fast zementierten Nürnberger Abwehrriegel noch knacken sollten. Echte Torchancen gab es jedenfalls in den letzten zwanzig Minuten des Spiels auf keiner Seite mehr – der Club wollte nicht mehr, Mainz konnte nicht mehr und so blieb es beim verdienten Heimsieg für den Club. Und der Autor dieser Zeilen schreibt an dieser Stelle bewusst „verdient“, denn auch, wenn die Elf von Michael Wiesinger und Armin Reutershahn gegen die Rheinhessen zu keiner Zeit spielerisch so überzeugen konnte, wie zuletzt gegen Schalke oder in Wolfsburg (zumindest in der zweiten Halbzeit), zeugt es doch von einer reifen Leistung, wenn man nach solch einem Spiel, in dem zunächst nicht viel gelingen will, trotzdem drei Punkten in Händen hält. Wie oft musste man als Clubfan früher sagen: Ja, sie haben ja ganz gut gespielt – am Ende hat’s halt nicht gereicht? Wie oft musste man als Clubfan früher nach solchen Spielen wie am Sonntag den Kopf hängen lassen, weil der späte Ausgleich dann doch noch gefallen war? Diese Zeiten scheinen – zumindest im Moment – erst einmal vorbei. Auch, wenn man das Glück zuletzt ein wenig sehr stark in Anspruch nimmt – die Rede sei hier von den vergebenen Großchancen von Schalke 04, aber auch vom verschossenen Elfmeter an diesem Sonntag: Glück muss man sich erarbeiten. Nicht umsonst heißt es das „Glück des Tüchtigen“ und so darf man dann eben auch nach einem knappen Arbeitssieg durchaus mal von verdient sprechen, auch wenn der Gegner rein optisch und von der Spielanlage her überlegen schien. Es ist, wie es schon nach dem Heimspiel gegen Schalke war: Wer am Ende mehr Tore geschossen hat als der Gegner, der gewinnt das Spiel! Und in spätestens vier Wochen fragt kein Mensch mehr danach, wie das Resultat zustande kam. Der Club spielt momentan erfolgreichen Fußball und wenn ich als Clubfan die Wahl habe zwischen schönem Fußball und erfolgreichem Fußball, dann wähle ich für den FCN immer den erfolgreichen Fußball. Michael Wiesinger hat die Schalter beim Club sehr schnell auf Erfolg umstellen können und auch wenn mit Sicherheit auch wieder andere Zeiten kommen werden, wird er sich als nächstes an die Arbeit machen, um bei allem Erfolg vielleicht auch schön zu spielen…. Aber seien wir doch mal ehrlich: Kriegt das außer dem FC Barcelona überhaupt jemand hin? Und wollen wir in Nürnberg überhaupt Verhältnisse wie in Barcelona?
Dem Autor dieser Zeilen wäre es schon zu viel, wenn in Nürnberg irgendwann einmal Zustände herrschen würden, wie sie knapp 170 Kilometer südlich zur Tagesordnung gehören. Gelegenheit, seine Abneigung gegenüber den Großkopferten zu zementieren, bietet sich dem Clubfan schon am kommenden Sonntag, wenn in München ein Ereignis gefeiert wird, dass es in der Bundesliga zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison noch nie gegeben hat: Bereits sechs Spieltage vor Saisonende steht auch rechnerisch fest, dass der Club am Ende der Spielzeit in der Tabelle vor Greuther F**** stehen wird.