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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 26. Spieltag
[Samstag, 16.03.2013] 1.FC Nürnberg – FC Schalke 04 3:0 (1:0)

Europa wir kommen! Der Aufwärtstrend beim 1. FC Nürnberg hat sich auch im Heimspiel gegen Schalke 04 fortgesetzt und nach nunmehr sieben Spielen ohne Niederlage darf der Blick bei Michael Wiesinger und seiner Truppe nun in der Tat mal nach oben gehen. Denn auch, wenn der Trainer weiter warnen wird, ehe das Klassenziel 40 Punkte nicht erreicht ist, zeigte doch gerade das Spiel gegen die Königsblauen, dass die Mannschaft vor allem in einer Hinsicht inzwischen einen Schritt nach vorne gemacht hat: Sie kann auch Spiele gewinnen, in denen es nicht von Anfang an rund läuft und in denen zunächst das Glück über die ein oder andere brenzlige Situation helfen muss.
Und dieses Glück brauchte der Club am Samstag gleich mehrfach. Die Gäste aus Gelsenkirchen brauchten vor rund 46.000 Zuschauern kaum Anlaufzeit und kamen durch Jefferson Farfan schon nach elf Minuten zur ersten Großchance. Der Peruaner hatte sich an der Strafraumgrenze mit einer simplen Körpertäuschung gleich gegen zwei Clubberer durchgesetzt, zog seinen Schuss aus kurzer Distanz dann jedoch knapp am Tor vorbei. Nur zwei Minuten später stand Julian Draxler dann plötzlich allein vor Raphael Schäfer, versuchte jedoch vergeblich, den Club-Keeper aus spitzem Winkel mit einem Heber zu überraschen.
In der Folge entwickelte sich im Max-Morlock-Stadion dann ein munterer Bundesliga-Kick zweier Mannschaften auf Augenhöhe – den besseren Torchancen jedoch weiterhin auf Schalker Seite. Erneut Farfan war es, der in der 21. Minute mit einem Distanzschuss nur knapp über die Latte zielte. Auch Draxler hatte seine zweite Großchance, als er in der 24. Minute in einen abgewehrten Torschuss von Farfan rutschte, den Ball jedoch nicht im leeren Tor unterbrachte, sondern den Pfosten traf.
Es hätte also gut und gerne schon zwei oder drei zu null für Schalke stehen können, als Tomas Pekhart in der 31. Minute seinen genialen Moment hatte und Markus Feulner mit einem steilen Ball auf die Reise schickte. Der Mittelfeldspieler schlug einen Haken, tanzte damit gleich beide Schalker Innenverteidiger aus und hatte schließlich keine Mühe mehr, den Ball an Timo Hildebrand vorbei im Gästegehäuse unterzubringen. Die Führung für den Club mag überraschend gekommen sein – unverdient war sie aufgrund der Effizienz der Nürnberger nicht. Im Gegensatz zu Schalke nutze man in Rot-Schwarz eben die eine, sich bietende Chance – und hätte durch Per Nilsson in der Schlussminute der ersten Halbzeit beinahe noch nachgelegt. Nachdem S04-Keeper Hildebrand eine Freistoßflanke hatte in Schäfer-Manier (-> siehe Augsburg-Spiel) fallen lassen, scheiterte der Schwede aus kürzester Distanz jedoch an den schnellen Reflexen des Gäste-Schlussmanns.
Auch nach der Pause bot sich im Max-Morlock-Stadion ein ähnliches Bild: Schalke hatte die Chancen, Nürnberg machte die Tore. Farfan setzte in der 49. Minute Benedikt Höwedes im Nürnberger Strafraum in Szene, doch der Schuss aus kürzester Distanz klatschte erneut an den Pfosten. Den Abpraller bolzte dann Chinedu Obasi aus wenigen Metern über das Tor.
Schalke-Trainer Jens Keller erhöhte daraufhin noch den Offensivdruck und brachte in der 59. Minute Raffael für den defensiveren Sead Kolasinac. Mit dem Wechsel bot der Trainer dem Club jedoch auch mehr Platz für Konter und wie man solche Konter spielt, zeigten die Gastgeber in der 66. Minute – wenn auch nicht in letzter Konsequenz. Denn nachdem der erneut bärenstarke Alexander Esswein Hiroshi Kiyotake freigespielt hatte, entschied sich der Japaner dafür, den Abschluss selbst zu suchen, statt auf den völlig frei stehenden Mike Frantz quer zu spielen. „Entscheidung vertagt, aber nicht aufgehoben“, dachte sich Alexander Esswein dann drei Minuten später. Ein kurzer Sprint, gegen die Foulversuche von Joel Matip durchgesetzt und dann mal eben trocken ins Eck gezielt: Nach 69 Minuten stand es 2:0 für den Club!
Die Gäste hatten mit dem zweiten Nackenschlag endgültig die Lust verloren und konnten am Ende froh sein, dass es nicht noch ein Nürnberger Schützenfest gab. Mike Frantz scheiterte jedoch in der 73. Minute frei stehend vor Hildebrand und auch als Hiroshi Kiyotake in der 81. Minute zum Jan-Kristiansen-Pokalfinale-Gedächtnisschuss ansetzte, fehlten leider am Ende wenige Zentimeter.
Den Schlusspunkt setzte schließlich der in der Halbzeit für Pekhart eingewechselte Mike Frantz. Nach Klassepass von Kiyotake umkurvte der Saarländer Keeper Hildebrand und schob den Ball in der 89. Minute zum 3:0-Endstand ein.
Der Club beendete damit auch sein zehntes Heimspiel in Folge ohne Niederlage und klettert in der Rückrundentabelle auf einen sehr ansehnlichen vierten Platz. In der Gesamtabrechnung hat die Mannschaft von Michael Wiesinger damit den Anschluss an die Mannschaften hergestellt, die gemeinhin mit einem Platz für die EuropaLeague in Verbindung gebracht werden. Fast könnte man traurig darüber sein, dass der Lauf des Clubs nach nun zwei siegreichen Spielen in Folge am kommenden Wochenende durch eine Länderspielpause unterbrochen wird. Dennoch dürften die Franken für das Spiel in zwei Wochen kaum zusätzliche Motivation benötigen – geht es doch in Wolfsburg an Ostersonntag gegen den eigenen Ex-Trainer und damit um die Chance, Herrn Hecking aufzuzeigen, wo im Moment die besseren sportlichen Perspektiven liegen.