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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 23. Spieltag
[Samstag, 23.02.2013] VfB Stuttgart – 1.FC Nürnberg 1:1 (0:0)

Emsig wie ein Eichhörnchen sammelt der 1. FC Nürnberg weiter Punkt für Punkt gegen den Abstieg. In Stuttgart einigte man sich nach 90 Minuten zum dritten Mal in Folge mit seinem Gegner auf eine Punkteteilung und zeigte somit erneut, dass es zu mehr als zur Abstiegsverhinderung am Ende wohl nicht reichen wird. Wer von Europa träumen will, muss Spiele wie das im Schwabenland für sich entscheiden – was letztlich auch für den Gastgeber aus Stuttgart gilt.
Vom Selbstbewusstsein zuletzt erfolgreicher Spiele war jedenfalls auf beiden Seiten zunächst nicht viel zu sehen. Die Stuttgarter wirkten nicht einmal 48 Stunden nach ihrem Einsatz in der EuropaLeague in den ersten 30 Minuten wie zu erwarten müde und fahrig. Das Team von Bruno Labbadia wartete zunächst ab, was der Gast aus Franken anbot  – und wartete vergeblich. Der Club hatte zwar mehr Ballbesitz und konnte auch die Zweikampf-Statistik für sich entscheiden, Zählbares in Form von Torchancen oder gar Toren kam dabei jedoch nicht heraus. Passgenauigkeit und vor allem Tempo der vorgetragenen Angriffe ließen doch sehr zu wünschen übrig und so konnte man in den ersten 45 Minuten nur froh sein, dass es die heimischen Schwaben auch nicht besser hinkriegten. Martin Harnik hatte zwar die ein oder andere Gelegenheit, zeigte sich an diesem Samstagnachmittag jedoch auch nicht von seiner besten Seite und vergab vor allem in der 35. Minute zu eigensinnig. Nachdem er sich auf der rechten Angriffsseite gut durchgesetzt hatte, versuchte der Österreicher aus spitzem Winkel Raphael Schäfer mit einem Lupfer zu überraschen, statt den Ball flach in die Mitte zu passen. Die Überraschung misslang gehörig, Schäfer konnte den Ball ohne Probleme fangen und als Clubfan war man froh, dass Harnik in diesem Moment derart eigensinnig unterwegs war.
Der Rest der ersten Halbzeit war die pure Langeweile! Zwei Mannschaften, die sich auf mäßigem Niveau im Mittelfeld neutralisierten und hüben wie drüben keine gefährliche Aktion vor das Tor des Gegners brachten. Es konnte also nur besser werden in Durchgang zwei – und wurde es auch. Leider jedoch zunächst auf der falschen Seite. Der Club war zwar aggressiver und mit sichtbar mehr Willen aus der Kabine gekommen und man höre und staune – auch die Einwechselung von Alexander Esswein zur zweiten Halbzeit hatte durchaus für frischen Wind gesorgt, doch zu mehr als einem Warnschuss von Markus Feulner in der 48. Minute reichte es zunächst nicht. Gejubelt wurde in der 51. Minute auf der anderen Seite. Martin Harnik marschierte fast ungestört durch das Nürnberger Mittelfeld in den Strafraum und zog aus kurzer Distanz ab. Den Schuss konnte Schäfer noch parieren, doch der abgewehrte Ball fiel direkt vor die Füsse von Ibrahima Traoré, der im Naschschuss keine Mühe hatte, die Lederkugel im leeren Clubtor unterzubringen.
Der FCN antwortete prompt auf den Rückstand und hätte nur eine Minute später eigentlich einen Elfmeter bekommen müssen. William Kvist hatte einen Schuss von Esswein mit der Hand abgewehrt, doch Schiedsrichter Tobias Stieler hatte Tomaten auf den Augen. Also ging der Kampf um den Ausgleich weiter und fast wäre man in der 55. Minute noch höher in Rückstand geraten. Doch Vedad Ibisevic haute den Ball nach scharfer Hereingabe von Christian Gentner aus kürzester Distanz knapp über das Tor. In der 62. Minute hatte der Club selbst seine bis dahin beste Gelegenheit. Ähnlich wie beim Tor von Timm Klose vor Wochenfrist gegen Hannover brachte Hiroshi Kiyotake einen Freistoß aus dem Halbfeld präzise ins Angriffszentrum, wo dieses Mal Sebastian Polter, der in der Startelf den Vorzug vor Tomas Pekhart bekommen hatte, mit seinem Kopfball aufs lange Toreck nur knapp scheiterte.
So dauerte es dann bis zur 77. Minute, ehe man als Clubfan endlich jubeln durfte. Markus Feulner kam halbrechts vor dem Strafraum zum Schuss und fand im langen Eck genau die Lücke zwischen Torpfosten und ausgestreckter Hand von Sven Ulreich.
Nach dem Ausgleich drückten dann beide Teams auf die Entscheidung – mit der Punkteteilung schien man weder im Schwabenland noch in Franken zufrieden. Einzig ein Schuss von Kvist in Richtung Nürnberger brachte in der 86. Minute jedoch noch einmal halbwegs so etwas wie Torgefahr und so blieb es am Ende bei einem durchaus gerechten und verdienten Unentschieden. In Stuttgart trafen letztlich zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander, die sich im Normalfall keine Gedanken mehr um den Abstieg machen müssen, gleichzeitig deutlich zeigten, dass es für höhere Aufgaben in dieser Saison nicht reicht.
Vier Spiele ist der Club jetzt ungeschlagen – auf der anderen Seite jedoch auch seit drei Spielen ohne Sieg. Was jedoch allein zählt: Man hält den Abstand auf die Abstiegsplätze und den Relegationsplatz in der Rückrunde mehr oder weniger konstant. Waren es zum Ende der Hinrunde acht Punkte Vorsprung auf Platz 16, letztes Wochenende sogar zehn Punkte, sind es nach Spieltag 23 nun neun Punkte. Einzig der erste Verfolger scheint sich an diesem Wochenende geändert zu haben. Waren nicht wenige Experten nach Abschluss der Hinserie noch davon überzeugt, dass sich der Dorfklub aus Hoffenheim wieder berappeln würde, hat sich das Blatt nun zumindest aktuell zugunsten des FC Augsburg gewendet. Trotz des 2:1-Erfolges im direkten Vergleich scheint man in der Fuggerstadt jedoch selbst nicht mehr an einen Anschluss an Platz 15 zu glauben. So wird FCA-Trainer Markus Weinzierl nach dem Spiel zitiert: „Wir werden jetzt alles daran setzen, diesen Platz zu verteidigen.“
Als Clubfan hört man die Kapitulation in Richtung direktem Klassenerhalt natürlich gerne – immer wissend, dass vor allem die Spiele gegen die drei potentiellen Abstiegskandidaten aus Augsburg, Hoffenheim und F**** entscheidenden Charakter haben werden. Verliert man die Spiele gegen die Kellerkinder, hilft auch die momentane Eichhörnchentaktik wenig. Man ist dann schneller als man denkt wieder mitten im Strudel. Um die Gefahr dieses Strudels möglichst zu minimieren, müssen nach drei Unentschieden nun endlich auch mal wieder drei Punkte her. Vor allem in Heimspielen muss es bis Ende der Saison nun heißen: Sieg oder Blut im Schuh!