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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 22. Spieltag
[Sonntag, 17.02.2013] 1.FC Nürnberg – Hannover 96 2:2 (0:1)

Das war knapp! Millimeter vor einem Rückschlag beweist Sebastian Polter, dass sein neues Trainerduo ein glückliches Händchen hat und bewahrt den Club vor der ersten Heimpleite seit Ende September 2012. Der späte Treffer des spät eingewechselten Stürmers zeigt jedoch vor allem eins: Dass es in der Mannschaft stimmt. Der 1. FC Nürnberg des Jahres 2013 gibt nicht auf und wenn es am Ende dann – wie schon vor Wochenfrist – wieder nur zu einem Unentschieden reicht, heißt es eben: Mund abwischen und weiter! Auch, wenn man als Fan am Ende der 90 Minuten plus Nachspielzeit mal wieder nicht so genau weiß, ob man sich nun freuen soll, einfach nur zufrieden ist oder eben doch enttäuscht, weil ja schließlich vor dem Spiel ganz klar ein Heimsieg anvisiert war.
Wahrscheinlich ist es letztlich dann doch mal wieder genau die Mitte – wie schon vor Wochenfrist in Frankfurt. Man ist zufrieden – nicht mehr und nicht weniger! War man letzte Woche noch zufrieden, weil man mit einem Punkt in Frankfurt nicht unbedingt rechnen konnte, letztlich nach dem Spielverlauf aber durchaus drei Punkte hätte mitnehmen können, war es dieses Mal eben genau umgekehrt. Man wollte drei Punkte, kann nach dem Spielverlauf jedoch froh sein, überhaupt noch etwas mitgenommen zu haben. Man ist eben zufrieden – und irgendwie ist das ja auch ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Zu Höhenflügen in einstellige Tabellenregionen reicht es heuer offensichtlich nicht, aber zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind nach 22 Spieltagen aller Ehren wert.
Dass die Spieler von Michael Wiesinger und Armin Reutershahn das Duell gegen den Europacup-Teilnehmer aus Niedersachsen gewinnen wollten, merkte man ihnen sofort nach Beginn der 90 Minuten an. Der Club kam schneller und besser ins Spiel und nutzte die schweren Beine der 96er, die noch am Donnerstag in Moskau auf dem Grün gestanden hatten.  Allein die fehlende Passgenauigkeit bei den Gastgebern führte dazu, dass man im Max-Morlock-Stadion 19 Minuten auf die erste Chance warten musste. Diese Chance hatte es dann aber gleich in sich: Nach mustergültigem Pass aus dem Mittelfeld, lief Hiroshi Kiyotake plötzlich mit freier Bahn in Richtung 96-Keeper Ron Robert Zieler. Statt entschlossen den Abschluss zu suchen entschied sich der Japaner jedoch noch für einen Haken, ließ einen Gegenspieler aussteigen und setzte seinen Schuss aus 16 Metern nur knapp am Torwinkel der Gäste vorbei. In der 22. Minute war es dann Tomas Pekhart, der den Ball nach Flanke von links in der Mitte nur knapp verpasste.
Nach einer knappen halben Stunde konnten die Gäste ihre Europacup-Müdigkeit nach und nach abschütteln und da der FCN gleichzeitig sein Engagement verringerte, kam es in der 38. Minute fast folgerichtig zur ersten großen Gelegenheit für die Gäste. Innenverteidiger Johan Djourou scheiterte jedoch aus spitzem Winkel an Raphael Schäfer. Drei Minuten später war der FCN-Keeper dann jedoch geschlagen. Sergio da Silva Pinto passte auf den Ungar Szabolcs Huszti, der Club-Verteidiger Timm Klose kurzzeitig wie einen Amateur aussehen ließ und in der 41. Minute aus kurzer Distanz zur Pausenführung der Gäste einschob.
Nach dem Seitenwechsel dauerte es dann acht Minuten, ehe Klose seinen Schnitzer vor dem 0:1 wieder gut machen konnte. Der in Frankfurt geborene Schweizer schraubte sich nach einer Freistoßflanke von Kiyotake im Sturmzentrum am höchsten und glich in der 53. Minute per Kopf aus.
Der Club hatte sich ins Spiel zurückgekämpft und drückte nun auf die Führung – zumindest zehn Minuten lang. Kurz nachdem Hannovers Trainer Mirko Slomka von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer auf die Tribüne geschickt worden war, durfte er dort fast aus heiterem Himmel jubeln. Kiyotake hatte sich in der 68. Minute im Mittelfeld einen Fehlpass geleistet und Hannovers Stürmer zeigten mal eben, was sie unter schnellem Konterspiel verstehen. Mohammed Abdellaoue sprintete mit Ball in Richtung linker Eckfahne, brachte den Ball flach und scharf in die Mitte, wo der gute alte Onkel Javier Pinola einem Didier Ya Konan nicht ansatzweise folgen konnte. Während der argentinische Verteidiger also noch nach Tempo suchte, schob der Stürmer aus der Elfenbeinküste aus kurzer Distanz zur erneuten Gästeführung ein.
Von diesem Schock mussten sich die Clubberer erst einmal erholen, während Mame Biram Diouf (73. Minute) und da Silva Pinto (84.) bereitwillig Chancen ausließen, das Spiel zugunsten der Gäste zu entscheiden. Kiyotake wollte es dann in der 90. Minute auch nicht gleich beim ersten Versuch machen und scheiterte mit seinem Schussversuch noch an Zieler. Zwei Minuten später machten es Timothy Chandler und Sebastian Polter in Co-Produktion besser. Chandler spielte den Ball von der rechten Angriffsseite flach und scharf nach innen, Polter polterte in die Hereingabe und sicherte dem FCN den späten Punkt.
Am Ende des Spieltages bedeutet dies für den 1.FC Nürnberg  im Zwischenklassement den 14. Tabelleplatz0. Mit nun 26 Punkten steht man im Jahre 2013 übrigens genau einen Punkt besser da als in der Vorsaison zum gleichen Zeitpunkt. Sehr interessant zu sehen ist auch, dass man seit dem Wiederaufstieg 2009 nach einem 22. Spieltag noch nie zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hatte. Selbst in der Sahnesaison 2010/2011 stand man im Februar zwar bereits mit 32 Punkten auf Platz neun – der Vorsprung zum damaligen Tabellen-16. aus Kaiserslautern betrug nach 22 Spielen jedoch „nur“ neun Punkte. Durchschnittlich haben in den letzten zehn Jahren übrigens 34 Punkte immer für den 15. Platz in der Endabrechnung gereicht. Ein bisschen was ist in diese Richtung also noch zu tun, liebe Clubspieler. Fangt doch mit dem weiteren Punktesammeln am besten gleich dreifach am nächsten Wochenende in Stuttgart an.