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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 21. Spieltag
[Samstag, 09.02.2013] Eintracht Frankfurt – 1.FC Nürnberg 0:0 (0:0)

Es gibt ja bekanntlich Fußballspiele, bei denen man sich als Fan einer Mannschaft hinterher fragt, ob man nun zufrieden ist oder eher nicht. Und dann gibt es Fußballspiele, die bleiben nicht lange im Gedächtnis, weil das Ergebnis weder dafür gesorgt hat, dass die eigene Mannschaft einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, noch ein Rückschritt zu erkennen war. Beide Thesen mögen auf das Clubspiel am Samstag bei Eintracht Frankfurt durchaus zutreffen und trotzdem kochen die Diskussionen einen Tag nach dem Spiel hoch wie selten. Dies ist umso schlimmer, weil diese Diskussionen nur am Rande mit dem Spiel selbst zu tun haben, sondern vielmehr mit den Vorkommnissen im Gästeblock des Nürnberger Anhangs. Was die Sache noch schlimmer macht: Wer über die Jahre halbwegs ein Gespür für die Vorgänge in den Fankurven unserer Republik entwickelt hat, musste mit diesen Diskussionen fast rechnen.
In Frankfurt ist letztlich genau das eingetreten, was man nach Unterzeichnen des DFL-Sicherheitspapiers befürchten musste. Da wird ein Spiel als „Risikospiel“ eingestuft – was aufgrund der Vorfälle bei früheren Begegnungen zwischen der Eintracht und des Clubs noch nicht einmal völlig abwegig erscheint – und dann jedoch als Vorwand genutzt, Maßnahmen zu verkünden, die selbst bei genauester Hinterfragung nur als eines wahrgenommen werden können: Als pure Schikane! Waren es gestern noch Feuerwerk und Knallkörper, die die Sicherheit in den Kurven in Gefahr brachten, sind es nun also schon die Zaunfahnen. Und morgen? Der eigene Mund (mit dem ja bekanntlich die eigene Mannschaft lautstark angefeuert werden kann)? Die eigenen Hände, mit denen man so laut klatschen kann?
Der Disorder wird sich hier nun mit Sicherheit nicht hinstellen und die Ereignisse vor, während und nach dem Spiel im Gästeblock des Frankfurter Stadions kommentieren. Er war nicht dabei und die Beurteilung übernehmen sowieso immer die Leute am lautesten, die selbst noch nie in einer Fankurve gestanden haben und allein das Interesse verfolgen, eine „Story“ zu verkaufen. Fakt bleibt jedoch, dass man mit scheinheiligen Provokationen nicht weiter kommt. Gewalt ist und bleibt keine Lösung – man sollte sich jedoch auf beiden Seiten einmal genau hinterfragen, wie man das Wort „Deeskalation“ nicht zur puren Hülse verkommen lässt.  Es kann und darf nicht sein, dass ein Verein das Werkzeug „Risikospiel“ als Politikum missbraucht, um von den eigenen Problemen abzulenken. In Fürth hatte man dies in der Hinrunde nach Protest-Sturmläufen im Vorfeld des Derbys begriffen – die Belohnung war ein friedliches Frankenderby! Und vielleicht denkt ja auch in Frankfurt mal der ein oder andere darüber nach, ob am Ende nicht einfach jeder genau das bekommt, was er verdient.
Der Spaß, ein Fußballspiel zu kommentieren, bei dem die Randerscheinung in den Vordergrund treten, hält sich jedenfalls auch beim Autor dieser Zeilen deutlich in Grenzen – noch dazu, wenn es vom Samstagnachmittag keine Tore zu vermelden gibt. Trotzdem – oder gerade deswegen – soll die engagierte Leistung der Mannschaft von Michael Wiesinger an dieser Stelle lobend hervor gehoben werden. Mit den drei Punkten vom letzten Wochenende im Rücken, trat der Club beim Überraschungsteam der laufenden Saison mutig und hoch motiviert auf und hätte mit ein wenig mehr Glück im Abschluss durchaus mehr Zählbares aus Frankfurt mit nach Hause nehmen können, als den wohlverdienten Punkt. Denn es war der Gast aus Franken, der über die gesamten neunzig Minuten die klareren Torchancen hatte und der dem vielleicht entscheidenden Treffer stets näher war als der Gegner. Die erste Chance bot sich dabei Mike Frantz in der 22. Minute. Nach flachem Anspiel scheiterte dieser jedoch mit seinem strammen Schuss aus kurzer Distanz am hervorragend reagierenden Eintracht-Keeper Kevin Trapp. In der 25. und 37. Minute war es dann Tomas Pekhart, der aus aussichtsreicher Position gleich zwei Mal am Frankfurter Torhüter scheiterte. Aufregung gab es dabei vor allem bei zweiten Versuchs Pekharts: Seinen Schuss aus kurzer Distanz fälschte Sebastian Rode mit der Hand entscheidend ab. Es hätte Elfmeter für den Club geben müssen, doch Schiedsrichter Christian Dingert traute sich nach der Diskussion um die „ausgleichende Gerechtigkeit“ vor Wochenfrist wohl nicht, zugunsten des Clubs auf den Punkt zu zeigen. Torchancen auf Frankfurter Seite? Bis auf einen Freistoß von Alex Meier in der 31. Minute – Fehlanzeige.
Auch in Durchgang zwei stand der Club in der eigenen Abwehr kompakt und ließ die Gastgeber nicht zur gewohnten Entfaltung kommen. Die Tatsache, dass die Eintracht ihr bisher schwächstes Heimspiel der Saison zeigte, lag vor allem daran, dass der FCN nichts anderes zuließ. Leider fehlten auch auf der anderen Seite bis zur 75. Minute die Torabschlüsse. Erst eine Viertelstunde vor Schluss zeigte Javier Pinola mit einem beherzten Schuss aus der zweiten Reihe, dass der Club durchaus gewillt war, die volle Punktzahl aus Hessen zu entführen. In der 81. Minute versuchte es der Argentinier erneut mit einem Schuss – erneut war jedoch vor allem die Tatsache, dass Pinola die Lederkugel auf dem rechten Fuß hatte, schuld am wenig gefährlichen Abschluss. Wie man den Ball mit Wucht aufs Tor bolzt, zeigte in der 89. Minute dann der inzwischen eingewechselte Winterneuzugang Muhammed Ildiz. Der von Rapid Wien gekommene Mittelfeldspieler zog einfach mal ab und stellte Kevin Trapp im Eintracht-Tor damit vor ernsthafte Probleme. Der Keeper ließ den Ball nach vorne abprallen, reagierte beim Nachschuss vom ebenfalls eingewechselten Sebastian Polter aus kurzer Distanz dann jedoch wieder erstklassig.
Es blieb also bei der Punkteteilung, mit der der Club nach Betrachtung der anderen Ergebnisse in den Bundesliga-Stadien gut leben kann. Der Abstand zum Relegationsplatz konnte auf neun Punkte erhöht werden und die Tatsache, dass man nun plötzlich in der Tabelle einen zur Winterpause schon fast enteilten VfB Stuttgart wieder überholt hat, zeigt, wie eng es  im Mittelfeld der Bundesliga momentan zugeht. Dass der VfB Stuttgart schwächeln würde, damit konnte man fast rechnen – hat doch Trainer Bruno Labadia seinen Vertrag bei den Schwaben jüngst verlängert. Die vier VfB-Niederlagen am Stück zeigen jedoch gleichzeitig mahnend, wie schnell es nach unten gehen kann, wenn es mal ein paar Spiele nicht so läuft. Dennoch sei an dieser Stelle auch der Blick nach oben nicht völlig außer Acht gelassen – schließlich versetzt gesundes Selbstbewusstsein mitunter auch mal den ein oder anderen Berg. Jedenfalls sind auf den Tabellen-16. aus Hoffenheim neun Punkte Vorsprung – auf den Tabellenfünften aus Freiburg sind es sechs Punkte Rückstand.