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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 20. Spieltag
[Sonntag, 03.02.2013] 1.FC Nürnberg – Bor. Mönchengladbach 2:1 (2:0)

Nun musste sie dann also doch mal her halten – die gute, alte „ausgleichende Gerechtigkeit“. Aus allen Mündern war es – zumindest auf Seiten der Clubfans – zu hören, als die Fernsehbilder Mike Frantz am Sonntag Nachmittag um kurz nach halb vier Uhr der Fallsucht überführten, Schiedsrichter Florian Meyer aus Burgdorf jedoch trotzdem wild entschlossen und von einem energischen Pfiff begleitet, auf den Elfmeterpunkt im Mönchengladbacher Strafraum zeigte. Nicht wenige Clubfans hatten sich im ersten Moment ein wenig ungläubig umgesehen: Elfmeter? Für den Club? Sieht das Regelwerk dies überhaupt vor? Verstößt das nicht gegen die internen Richtlinien des DFB?
Fakt ist: Mike Frantz hat den Elfmeter gewollt! Er hat ihn gewollt, weil er die Führung wollte! Weil er wusste, welchen Verlauf ein Spiel nehmen kann, wenn man früh mit einem Treffer vorne liegt. Fakt ist auch, dass da endlich mal wieder jemand im Clubtrikot war, der von der ersten Minute richtig Gas gegeben hat und das 1:0 nicht nur durch seinen Fall im Sechzehner eingeleitet hat, sondern auch durch die richtigen Signale an seine Mitspieler. Und Fakt ist eben auch: Bei der Fehlentscheidung von Schiedsrichter Florian Meyer von „ausgleichender Gerechtigkeit“ zu sprechen, ist hoffnungslos übertrieben! Wenn überhaupt, war der Pfiff vielleicht so etwas wie der „Beginn ausgleichender Gerechtigkeit“ – die nächsten Spiele werden dies zeigen. Auf der einen Seite dieser unberechtigte Elfmeter gegen Borussia Mönchengladbach – auf der anderen Seite: Der Elfmeter im letzten Spiel in Dortmund (der übrigens das Spiel auch in eine ganz bestimmte Richtung lenkte), das Abseitstor von Nils Petersen in der Nachspielzeit der letzten Bundesligabegegnung 2012 in Bremen, das Abseitstor nur zwei Wochen davor von Stefan Kießling im Spiel bei Bayer Leverkusen, das noch dazu der einzige Treffer des Spiels war…. die Liste ließe sich ohne Probleme beliebig verlängern und wer nun mit dem Holzhammerargument um die Ecke kommt, dass doch aber Borussia Mönchengladbach nichts dafür kann und dass man unbescholtene Gegner nicht für das Glück der Anderen zur Verantwortung ziehen kann, der sei an dieser Stelle an das Heimspiel gegen die Elf vom Niederrhein im Januar 2011 erinnert – Schiedsrichter damals: Ein gewisser Babak Rafati.
Letztlich ist es also müßig, von ausgleichender Gerechtigkeit zu sprechen. Dieses Mal freut man sich als Clubfan, nächstes Mal springt man wieder wie von der Tarantel gestochen durch die Gegend und will die Ungerechtigkeit der Welt nicht wahr haben. Das Augenmerk sollte in beiderlei Hinsicht viel mehr darauf liegen, Fehlentscheidungen zu verhindern. Dies soll nun keineswegs als Forderung nach einem Videobeweis oder ähnlichem technischen Schnickschnack unserer modernen Welt missverstanden werden, doch genauso wenig, wie man am Ende aufgrund einer Fehlentscheidung als Verlierer vom Platz gehen will, bleibt bei einem Sieg, der durch eine Fehlentscheidung zustande kommt, ein fader Beigeschmack.
Dass der fade Beigeschmack sich nach dem Spiel gegen die Borussia aus Mönchengladbach nicht einstellte, lag am weiteren Verlauf der Partie am Sonntag. Zum einen hatten die Gäste nach der frühen Nürnberger Führung noch 86 Minuten Zeit für eine Wende zu sorgen – zum anderen legte der Club nach und somit eigenhändig das Fundament, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.
Nach dem 1:0 durch das Elfmetertor von Timmy Simons in der vierten Minute hätte es dann auch beinahe nur wenige Minuten bis zum Ausgleich gedauert. Hiroshi Kiyotake kratzte jedoch in der achten Minuten den Ball in höchster Not von der eigenen Torlinie, nachdem Patrick Herrmann aus spitzem Winkel abgezogen hatte. Mit der weiter bestehenden Führung im Rücken zog sich der Club zunächst in die eigene Hälfte zurück und überließ den Gästen das Spiel. Diese hatten über weite Strecken der ersten Halbzeit nicht nur mehr Ballbesitz, sondern gewannen auch die Mehrzahl der Zweikämpfe – ohne jedoch wirklich eine Lücke in der Nürnberger Defensive zu finden. Das Spielgeschehen fand vornehmlich im Mittelfeld statt und echte Torchancen für das Team von Trainer Lucien Favre waren Mangelware.
Umso lobenswerter, wie sich die kämpfende Club-Mannschaft anstellte. Exakt eine halbe Stunde war gespielt, als Kiyotake einen Fehlpass von Thorben Marx zur Einleitung eines schnellen Gegenangriffs nutzte. Der Japaner passte den Ball nach links außen, wo Thomas Pekhart noch ein paar Meter gehen konnte, ehe er aus etwas mehr als zehn Metern abzog und mit seinem Schuss ins lange Eck Gladbach-Keeper Marc-André ter Stegen keine Abwehrchance ließ. Nach 30 Minuten stand es 2:0 und vor allem ein gut aufgelegter Raphael „Magneto“ Schäfer sorgte mit Glanzparaden in der 36. (Schuss von Herrmann) und 43. Minute (Schuss von Luuk de Jong) dafür, dass der Zwei-Tore-Vorsprung auch zur Halbzeit noch Bestand hatte.
Nach der Pause legten die Gäste, die seit neun Pflichtspielen ungeschlagen waren, noch eine Schippe drauf, während der Club Angst vor der eigenen Courage zu haben schien. Mit zunehmender Spieldauer rückte der mögliche Heimsieg näher und näher – und gleichzeitig häuften sich die vermeidbaren Fehler. In der 56. Minute konnte sich Schäfer erneut bestens ins Szene setzen, als er einen Freistoß von Juan Arrango abwehrte. In der 58. Minute war der Keeper des FCN dann jedoch machtlos. Bei einem Freistoß weit in der Gladbacher Hälfte schlief die gesamte Nürnberger Hintermannschaft. Roel Brouwers reagierte blitzschnell und schickte Herrmann mit einem langen Ball auf die Reise. Der Gladbacher Stürmer knallte den Ball aus halbrechter Positionen völlig humorlos ins Nürnberger Tor und verkürzte auf 1:2.
Wer gehofft hatte, der Club würde nun aufwachen, sah sich zunächst noch getäuscht. Vielmehr war es Lucien Favre, der dem Spiel seiner Mannschaft durch die Einwechselung von Peniel Mlapa neue Impulse versetzte. Mlapa dankte es zunächst, in dem er in der 64. Minute für Herrmann mustergültig auflegte und dieser mit seinem erneut strammen Schuss nur knapp an Schäfer scheiterte. In der 68. Minute versuchte es der Eingewechselte dann selbst, verzog aus 18 Metern Torentfernung jedoch knapp.
Jetzt erst schien die Mannschaft von Michael Wiesinger einzusehen, dass der knappe Vorsprung vielleicht auch nicht reichen würde. Der zwischenzeitlich für Pekhart eingewechselte Sebastian Polter vergab in der 69. und 72. Minute gleich zwei gute Chancen, während der wenig später gekommene Robert Mak mit seiner besten Möglichkeit in der 79. Minute an einem glänzend reagierenden ter Steegen scheiterte.
So blieb es letztlich beim hart umkämpften, aber durchaus verdienten 2:1-Sieg für den Club und damit beim ersten Sieg als Bundesliga-Trainer für Michael Wiesinger. Die Mannschaft hat nach den z.T. katastrophalen Ergebnissen von Augsburg, F**** und Hoffenheim von Samstag eine dringend nötige Reaktion gezeigt. Wieder einmal hat die Mannschaft gezeigt, dass sie kann, wenn sie nur will. Dass sie hinten dicht gestaffelt stehen kann und so für jeden Gegner zu einer echten Herausforderung wird. Neben der weiteren Feinjustierung bleibt Michael Wiesingers Hauptaufgabe also, der Mannschaft klar zu machen, dass sie jedes Wochenende zu wollen hat – und nicht nur dann, wenn die Konkurrenten um den Klassenerhalt 24 Stunden zuvor gepunktet haben.
Nächste Gelegenheit zu beobachten, welche Fortschritte die Mannschaft diesbezüglich macht, ist am kommenden Samstag das Auswärtsspiel beim Saison-Überflieger Eintracht Frankfurt.