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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 16. Spieltag
[Samstag, 08.12.2012] 1.FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 2:0 (1:0)

Gute Nachrichten hört man doch besonders in der besinnlichen Vorweihnachtszeit immer wieder gerne. Und die gute Nachricht bei unserem geliebten Club lautet: Der Patient lebt! Vielmehr noch als das: Er befindet sich auf dem Weg der Besserung. Acht Punkte aus den letzten fünf Spielen, dabei nur eine unglückliche Niederlage in Leverkusen – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann und was die letzten fünf Spiele angeht sogar besser ist, als die von Borussia Dortmund.
Viel wichtiger als diese Momentaufnahme ist jedoch die Tatsache, dass die Mannschaft von Dieter Hecking auch im letzten Heimspiel der Hinrunde einen Big-Point verbuchen konnte und den Tabellennachbarn Fortuna Düsseldorf nach hartem Kampf mit einer 2:0-Niederlage zurück an den Rhein geschickt hat. Wie schon im Heimspiel zuvor gegen Hoffenheim waren die elf Männer mit dem Club-Logo auf der Brust auf den Punkt hoch konzentriert und zeigten, dass sie sich zumindest gegen direkte Konkurrenten aus den eigenen Tabellenregionen im Max-Morlock-Stadion keineswegs verstecken müssen.
Dabei standen die Vorzeichen vor dem eminent wichtigen, letzten Heimspiel des Kalenderjahres nicht einmal unbedingt günstig. Dieter Hecking musste in der Anfangsformation auf Hiroshi Kiyotake verzichten, der sich unter der Woche mit einem grippalen Infekt herumplagte und nicht rechtzeitig zum Spiel wieder fit wurde. Für den Japaner rückte Markus Feulner zurück in die Startelf – was sich im Nachhinein dann doch als Glücksfall erwies. Denn nach abgesessener Rotsperre aus dem Franken-Derby erwies sich der 30-Jährige als würdiger Ersatzmann und stetiger Angriffsmotor.
Zwar dauerte es gegen den Aufsteiger aus der Nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt einige Minuten, ehe der Club ins Spiel kam, doch mit der Fortuna kam – im Gegensatz zu den stark verunsicherten Dorfkickern aus Hoffenheim vor eineinhalb Wochen – eine Mannschaft mit dem Selbstbewusstsein von zuletzt zwei Siegen gegen Eintracht Frankfurt und den Hamburger SV, sowie einem Unentschieden bei Borussia Dortmund.
Der Club versuchte also, den breiten Rücken der Gäste durch ständige Angriffe nach und nach zu schwächen. Meist kamen diese Angriffe über die rechte Seite, auf der Timothy Chandler und Markus Feulner in den Anfangsminuten Flanke um Flanke schlugen, ohne dass diese im Angriffszentrum wirklich für Gefahr sorgen konnten. Hanno Balitsch in der fünften und elften Minute, Timo Gebhardt nach einer Viertelstunde und Sebastian Polter in der 19. Minute brachten den Ball nicht in Richtung Düsseldorfer Tor.
Dass zu einem erfolgreichen Spiel auch immer etwas Glück gehört, ist längst zur fussballerischen Binsenweisheit geworden, doch diesbezüglich machte die Fortuna ihrem Namen an diesem Samstag-Nachmittag keine Ehre. Im Gegenteil: Das Glück war auf Nürnberger Seite, als Axel Bellinghausen in der 21. Minute die Nerven versagten und er den Ball nach perfektem Zuspiel von Johannes van den Bergh lieber in die Wolken drosch, statt ihn aus idealer Position im Nürnberge Gehäuse unterzubringen.
Wie man es richtig macht, zeigte Sebastian Polter dann in der 27. Minute auf der anderen Seite. Markus Feulner hatte sich auf der rechten Angriffsseite mal wieder gegen alle Abwehrbeine durchgesetzt und den Ball flach und scharf in die Mitte gespielt. Dort ließ Polter aus kurzer Distanz der Fortuna-Abwehr nicht geringste Aussicht auf Fortune, sondern traf zur 1:0-Führung.
Wenn man dem Club an diesem 16. Spieltag überhaupt einen Vorwurf machen durfte, dann der, dass man weitere sehr gute Chancen in der ersten Halbzeit ausließ, bzw. kein Mittel fand, den bärenstarken Fortuna-Keeper Fabian Giefer zu überwinden. Zunächst kratzte der Torhüter in der 32. Minute einen Kopfball von Hanno Balitsch noch aus dem Torwinkel, um dann in der 41. Minute Javier Pinola verzweifeln zu lassen, als dieser nach mustergültigem Angriff sein Glück ebenfalls mit dem Kopf versuchte. Immerhin: Im Gegensatz zur Katastrophenzeit der Hinrunde mit den Niederlagen in Hannover und Freiburg, sowie gegen den VfB Stuttgart, erspielte sich der Club wenigstens Chancen…
Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste dann ihre Offensivbemühungen, während der Club tief stehend auf Konter lauerte. Die Konsequenz waren zunächst Chancen für die Fortuna, bei der Trainer Norbert Meier Dani Schahin für Stefan Reisinger gebracht hatte. Und eben jener eingewechselte Schahin hatte dann in der 59. und 60. Minute gleich zwei gute Möglichkeiten. Erst konnte Timm Klose einen Schussversuch des Ex-Fürthers in letzter Sekunde abblocken, danach musste Timothy Chandler nach einem Kopfball Schahins auf der Linie für den bereits geschlagenen Raphael Schäfer klären.
Hinten also dicht, doch nach vorne ging für den Club in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel – bis die Gäste etwa zehn Minuten vor Spielende zur Schlussoffensive bliesen und somit die Räume für Clubkonter endlich öffneten. Der unermüdliche Markus Feulner in der 82. Minute, sowie der eingewechselte Almog Cohen in der 86. Minute, scheiterten jedoch noch mit ihren Abschlüssen. Die größte Chance, den Sack endlich zuzumachen, bot sich Markus Feulner dann in der 90. Minute, doch völlig freistehend schoss er aus kurzer Distanz Fortuna-Keeper Giefer an, statt das erlösende 2:0 zu erzielen. Dass Feulner sich das Sahnehäubchen jedoch lediglich bis zum Schluss aufheben wollte, zeigte er dann zwei Minuten später in der Nachspielzeit. Nach Doppelpass mit dem eingewechselten Tomas Pekhart, nahm er sich aus etwa 18 Metern ein Herz und zimmerte die Lederkugel mit ordentlicher Wucht ins Düsseldorfer Tor! Ein Schuss zum 2:0 und mitten hinein ins Glücksgefühl! Die Fortuna war geschlagen und zwar am Ende vollkommen verdient. Denn bei allen Möglichkeiten, die sich auch den Gästen bot: Die Mannschaft von Trainer Norbert Meier brachte das Spielgerät nicht einmal in den 90 Minuten auf das Nürnberger Tor.
Der FCN hat nun nach 16 Spieltagen 19 Punkte auf der Habenseite und steht damit jetzt bereits einen Punkt besser da, als in der letzten Saison nach der gesamten Hinrunde. Es folgt noch ein Spiel in Bremen und fast könnte man sagen, dass es schade ist, dass ein gewisser Herr Wiese nicht mehr bei Werder im Tor steht – hatte doch gerade dieser nun in Hoffenheim zur Schießbude der Liga avancierte Keeper mit seinen arroganten Sprüchen stets für eine gehörige Extra-Portion Motivation beim Club gesorgt. Schaut man jedoch auf die Tabelle, dürfte eine solcher Extra-Motivation kaum von Nöten sein, sind die Grün-Weißen von der Weser doch als Zwölfter nach der Fortuna der nächste direkte Tabellennachbar, den man durch einen Sieg überholen könnte.