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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 12. Spieltag
[Samstag, 17.11.2012] 1.FC Nürnberg – FC Bayern München 1:1 (0:1)

Es heißt ja im Volksmund gerne mal, dass Erfolg sexy mache. Die Münchener Bayern haben am Samstag in Nürnberg mal wieder bewiesen, dass diese Redensart auf sie nicht zutrifft. Da spielt sich die Millionentruppe von der Isar in dieser Saison in der Bundesliga von Sieg zu Sieg, gewinnen zehn von elf Meisterschaftsspiele und haben dann noch nicht einmal die Größe, es neidlos anzuerkennen, wenn ein Underdog die Mittel und Wege findet, sich gegen einen auf dem Papier übermächtigen Gegner zu wehren und mit leidenschaftlichem Kampf ein Unentschieden verdient. Allen voran Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer heulten nach der Partie beim Club in jedes Mikrofon, das sich ihnen entgegenstreckte, weil es doch tatsächlich ein Gegner mal gewagt hatte, nicht in Ehrfurcht zu erstarren, sondern mit großem Herz dagegen zu halten. Oh mein Gott, Majestätsbeleidigung! Da hat dieser Markus Feulner es doch tatsächlich gewagt, den Bayern in ihrem sechsten Auswärtsspiel der Saison den ersten Ball ins Tor zu hauen. Und wie! Noch nicht mal unhaltbar war das Ding! Der Nationaltorhüter hatte einfach nur geschlafen! Das geht doch nun wirklich nicht, dass man das auch noch ausnutzt!
Herr Schweinsteiger, Herr Neuer – genau das ist der Grund, warum Ihr in den wirklich großen Momenten immer wieder scheitert. Euch fehlt das Herz! Die Leidenschaft! Das Kämpferherz! So lange Ihr Euch mit Euren elf Millionärsfreunden in der Bundesliga munter und lustig den Ball zuschieben könnt, weil Eure Gegner mehr Ekel vor Euch haben als das Kaninchen Angst vor der Schlange, so lange geht das gut. Aber wehe, wehe, es wird mal eng. Wehe, wehe, Ihr müsst einmal die Ärmel hoch krempeln und für das, was Euch von Herrn H. in den Arsch geschoben wird, so etwas wie Willen zeigen. Wehe, wehe, es sind einmal starke Nerven gefragt (-> Finale dahoam) oder ein Anführer, der nach Rückschlägen das Zepter in die Hand nimmt (-> EM-Halbfinale gegen Italien). Ihr Muttisöhnchen aus der langweiligsten Millionenstadt der Welt: Opfer seid Ihr! Opfer Eurer eigenen Arroganz!
Es war Derby in Nürnberg und was macht Euer rotbäckiger Trainer mit den Segelohren? Er lässt die halbe Stammelf zunächst auf der Bank sitzen – gegen den FCN reicht ja schließlich auch der zweite Anzug… Vielen Dank, Herr Heynckes, besser kann den Gegner doch gar nicht motivieren.
In ihrer überbordenden Arroganz haben die Großkopferten aus der Besatzer-Hauptstadt nämlich dann auch noch gedacht, dass der 1:0 durch Mario Mandzukic in der dritten Minute reichen würde, um drei Punkte aus dem Frankenland zu entführen. Anatoliy Tymoshchuk nutzte einen Patzer im Nürnberger Mittelfeld, passte nach außen auf Toni Kroos, der den Ball scharf nach innen spielte, wo Mandzukic nur noch den Fuß hin zu halten brauchte. Ja, es ging in der Tat so los, wie bei vielen Spielen, wenn der FC Bayern zu Gast ist. Der Club brauchte etwas Zeit, um sich zu sortieren und die nötige Sicherheit ins eigene Spiel zu bekommen. Doch die Mannschaft von Dieter Hecking wählte letztlich genau das richtige Mittel, um den Schönspielern von der Telekom den Schneid abzukaufen: den Kampf! Anzug ist schließlich Anzug – und auch, wenn es eben nur der zweite Anzug der Bayern war: Man pinkelt ihn mindestens ebenso gerne an wie den ersten Anzug. Aus Angst um den schönen Schein, fiel den Gästen jedenfalls immer weniger ein. Man schob sich den Ball in den eigenen Reihen zu, gab die Verantwortung weiter und mehr und mehr merkte man nicht nur als Clubfan, dass den Bayern die Ideen ausgingen, wie sie ohne sich dreckig zu machen, zu einem Torerfolg kommen sollten. Und wenn es dann doch einmal, wie in der 35. Minute, eine Lücke in der Nürnberger Hintermannschaft gab, zeigte Raphael „Magneto“ Schäfer eben dem allein auf ihn zustürmenden Rafinha, wer die besseren Nerven hat.
Mit knappem Rückstand ging es also in die Kabine und dort schien vor allem Markus Feulner genug Kraft getankt zu haben, um nur wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff einfach mal einen echten Hammer auszupacken. Der Mann, der in die Startelf gerückt war, weil Hanno Balitsch seine fünfte gelbe Karte absaß, zog einfach mal aus der zweieinhalbten Reihe ab und erwischte Bayern-Keeper Manuel Neuer genau in dem Moment, als dieser noch an den schönen, warmen Pausentee in der Kabine dachte. Das ausverkaufte Max-Morlock-Stadion bebte und nur drei Minuten später wäre es wohl zum Einsturz gekommen, hätte Timo Gebhart nach bester Vorarbeit von Javier Pinola völlig freistehend am Elfmeterpunkt nicht über den Ball gehauen und wäre Sebastian Polter mit seinem Nachschuss nicht an einem Abwehrbein der Bayern gescheitert.
Jetzt endlich merkte auch Don Jupp, dass er einen Fehler gemacht hatte und wechselte Philipp Lahm und einen gewissen Javi Martinez ein. Der Spanier hatte die Bayern zu Saisonbeginn mehr Geld als Ablöse gekostet als der Club als Jahresetat für seinen gesamten Spielerkader zur Verfügung hat. Gemerkt hat man davon indes nichts, denn die besseren Torchancen hatte weiterhin der Club. Sebastian Polter und Per Nilsson scheiterten mit ihren Kopfbällen in der 67. bzw. 68. Minute knapp.
Und so musste letztlich dann doch wieder der Schiedsrichter eingreifen, um die drohende Niederlage des Vize-Meisters zu verhindern. Manuel Gräfe nutzte die erste Gelegenheit, die sich ihm bot und stellte Timo Gebhart in der 76. Minute mit gelb-roter Karte vom Platz. Er musste dies tun, weil Bastian Schweinsteiger sonst endgültig angefangen hätte zu heulen – und das will von Uli H. bis hin zu Jogi Löw niemand. Schließlich braucht man den Dorftrottel aus Oberaudorf noch, um bei den nächsten großen Turnieren wieder spätestens im Halbfinale zu scheitern.
Doch auch mit Zehn gegen Zwölf hielt der Club dann letztlich mehr als tapfer dagegen. Torchancen für die Bayern in der zweiten Hälfte? Fehlanzeige! Und so brachte es die Heulsuse nach dem Spiel in einem Interview eben auf den Punkt: „Die Nürnberger können eben nicht anders…“ So isses! Der Club kann nicht anders! Er kämpft und rackert und so lange es gegen einen Geld scheißenden Esel zumindest noch zu einem Unentschieden reicht, ist DER DISORDER eben doch viel lieber Clubfan als einem Herrn Schweinsteiger und einem Herrn Neuer dabei zugucken zu müssen, wie sie am Ende der Saison wieder heulend ohne jeden Titel dastehen.
Herr Schweinsteiger beendete das Interview mit den Worten, dass ihm das Spiel in Nürnberg keinen Spaß gemacht habe. Einen weiteren Beweis dafür, dass die Mannschaft von Dieter Hecking an diesem Samstag Nachmittag alles richtig gemacht hat, bedarf es wohl kaum.
Bleibt dem Autor dieser Zeilen nun die Hoffnung, dass auch die Spieler aus der Westvorstadt am nächsten Samstag gegen 17.30 Uhr in die Mikrofone der Presse heulen und sich beschweren, dass ihnen das 255. Frankenderby keinen Spaß gemacht hat.