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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 10. Spieltag
[Samstag, 03.11.2012] 1.FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:0 (0:0)

Tiefes Auf- und Durchatmen in Nürnberg. Nach sechs Spielen ohne Sieg hat der Club gezeigt, dass er in der Bundesliga doch mithalten kann und feiert gegen einen harmlosen VfL Wolfsburg verdientermaßen den ersten Heimsieg der Saison. Ähnlich wie Schalke 04 vor Wochenfrist brauchte dieses Mal der Club viel Geduld und konnte erst in der Schluss-Viertelstunde den entscheidenden Treffer setzen. Timo Gebhart sorgte mit einem sehenswerten Flugkopfball nach einer Flanke von Timothy Chandler in der 76. Minute für den goldenen Treffer des Nachmittags und für Jubel im Frankenland.
Denn die Voraussetzungen vor dem fünften Heimspiel der Saison hätten unterschiedlicher kaum sein können, obwohl Gast und Gastgeber vor dem Spiel mit jeweils acht Punkten Tabellennachbarn waren.  Doch während der 1.FC Nürnberg seit Wochen kränkelte und sich vor zwei Wochen sogar schon mit einem torlosen Remis gegen den FC Augsburg zufrieden zeigte, schien sich beim VfL Wolfsburg nach der Entlassung von Trainer Felix Magath vor einer Woche in Düsseldorf mit dem 4:1-Auswärtssieg ein Knoten gelöst zu haben. Auf dem Rasen des Max-Morlock-Stadions entwickelte sich jedoch von Beginn an ein Spiel mit umgekehrten Vorzeichen. Dieter Hecking hatte seine Mannschaft auf zwei Positionen umgestellt. Für den gelbgesperrten Javier Pinola rückte Marvin Plattenhardt zum ersten Mal in der laufenden Saison in die Startelf, während Alexander Esswein Mike Frantz ersetzte. Und die Wechsel zeigten ihre Wirkung, denn nicht die stark erwarteten Wolfsburger bestimmten von Anfang das Geschehen auf dem Rasen, sondern der Club. Tomas Pekhart hatte in der sechsten Minute die erste Chance des Spiels und zwang Gästekeeper Diego Benaglio zu einer Parade. Drei Minuten später köpfte Hanno Balitsch in der neunten Minute nach einem Freistoß nur knapp am VfL-Gehäuse vorbei. In der 12. Minute – also erneut nur drei Minuten später – vergab Pekhart nach gutem Zuspiel von Alexander Esswein die beste Möglichkeit der ersten Hälfte, als er alleine vor Benaglio aus bester Position über das Tor schoss.
Nichts zu sehen war von den Gästen. Diego und Co. schoben sich mutlos und ohne jede Kreativität die Bälle zu und schafften es in den ersten 45 Minuten nicht ein einziges Mal gefährlich vor das Nürnberger Tor. Von den positiven Effekten eines Trainerwechsels war bei den ganz in grün spielenden Gäste nichts zu spüren – im Gegenteil: Die Millionentruppe aus der VW-Stadt präsentierte sich leblos und streckenweise wie ein Abstiegskandidat.
Daran änderte sich auch in Durchgang zwei nichts: Der Club bestimmte das Geschehen, bot aber in der Offensive weitesgehend  die selbe Harmlosigkeit wie in den letzten Wochen. Gefährlich wurde es für die Gäste nur, wenn Angriffe bis zur Grundlinie durchgezogen wurden und nicht – wie so häufig – die Bälle aus dem Halbfeld in Richtung Sturmzentrum geschlagen wurden. In der 72. Minute reagierte Dieter Hecking dann und brachte Sebastian Polter für den nachlassenden Pekhart. Polter hatte dann nur zwei Minuten nach seiner Einwechselung auch gleich eine passable Torchance, scheiterte aber am einzigen Wolfsburger in Normalform: Diego Benaglio. Weitere zwei Minuten später wollte Trainer Dieter Hecking erneut reagieren und umstellen. An der Außenlinie stand bereits Mike Frantz bereit und sollte für Timo Gebhart kommen. Als dieser dann in der 76. Minute jedoch traf, durfte er auf dem Platz bleiben und Hecking brachte statt Frantz wenige Minuten später Markus Feulner für Balitsch. Der Club hatte sich für seine unermüdlichen Bemühungen belohnt und nachdem Esswein in der 88. Minute nach einem Konter sogar noch das 2:0 auf dem Fuß hatte, war man am Ende doch mit dem 1:0-Sieg hoch zufrieden. Timothy Chandler brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Heute ist viel Druck von uns abgefallen.“
Dieser Druck könnte sich jedoch auch ganz schnell wieder aufbauen, wenn man in den nächsten Spielen nun nicht nachlegt. Der Sieg gegen Wolfsburg war ein erster Schritt in die richtige Richtung und hat – streng genommen – eigentlich viel zu lange auf sich warten lassen. Dennoch wird man bei den Verantwortlichen heilfroh sein, denn bei aller oft zitierten Ruhe: Bei einer Niederlage gegen Wolfsburg wären die Erklärungsnöte groß gewesen. So aber kann man sich nun halbwegs in Ruhe auf die Partie in Mainz vorbereiten – ein Spiel, das mit Sicherheit nicht einfach wird, das bei Erfolg dann jedoch für einen größeren Schritt aus dem Tabellenkeller sorgen könnte. In der engen Bundesliga-Tabelle sind es nach zehn Spieltagen auf Platz vierzehn genau so viele Punkte Rückstand auf einen EuropaLeague-Platz, wie es Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 sind. Drei Punkte Abstand nach oben, drei Punkte Abstand nach unten – deutlicher kann man es kaum noch machen, was Sieg und Niederlage an jedem Wochenende ausmachen können.