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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 9. Spieltag
[Samstag, 27.10.2012] FC Schalke 04 – 1.FC Nürnberg  1:0 (0:0)

Es ist also mal wieder einer dieser Sonntage, an denen man auch knapp 24 Stunden nach dem Abpfiff des Clubspiels nicht so recht weiß, was man vom Auftritt des FCN am Ende nun halten soll. Betrachtet man das pure Ergebnis, herrscht Nüchternheit vor, die unveränderte Sorge auf einen langen, langen Abstiegskampf und die Enttäuschung über das nunmehr sechste Spiel in Folge ohne Sieg. Zieht man jedoch die Begleitumstände mit in seine Überlegungen ein, bleibt zwar auch die Enttäuschung, das man am Ende ein Spiel verloren hat, dass nicht unbedingt hätte verloren werden müssen, gleichzeitig gab es auf Schalke Signale, die im Gegensatz zu den leblosen Auftritten der letzten Wochen, durchaus Anlass zur Hoffnung geben können. Schließlich gehört der FC Schalke 04 nicht nur zu den besseren Teams der Bundesliga, sondern hat noch dazu durchaus so etwas, was man einen Lauf nennen kann. Vor Wochenfrist wurde das Ruhr-Derby bei Borussia Dortmund mit 2:1 gewonnen, in der Woche triumphierte man in der Champions League bei Arsenal London mit 2:0. Mit der Leistung des Clubs am letzten Wochenende gegen den FC Augsburg im Kopf, konnte einem vor dem Spiel auf Schalke also durchaus Angst und Bange um das Team von Dieter Hecking werden – und am Ende war es dann doch so, wie man es in den letzten Monaten und Jahren beim Club schon des Öfteren beobachten konnte: Die Mannschaft wächst mit ihren Gegnern.  Das Problem bei der Sache: Gegen gute Gegner spielt man gut, hält – wie gegen Schalke – über weite Strecken mit und steht am Ende dann doch oft mit leeren Händen da, weil es gute Gegner eben auszeichnet, dass sie Spiele auch gewinnen, in denen sie nicht so zur Entfaltung kommen, wie sie es sonst vielleicht gewohnt sind. Und wenn man dann seitens des FCN Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner abschenkt, bleiben unter dem Strich nicht viele Spiele, die man gewinnt. Die letzten Wochen haben dies leider nur zu deutlich gezeigt.
Dabei hätte das Spiel auf Schalke auch durchaus anders laufen können. Hiroshi Kiyotake eröffnete das Spiel bereits nach wenigen Sekunden mit einem sehenswerten Schuss aus 18 Metern und zwang Schalke-Keeper Lars Unerstall zu einer ersten Glanzparade. Ein erstes Ausrufezeichen der Gäste, dem dann vor allem in der Defensive ein konzentriertes Spiel folgte. Der Club verstand es über weite Strecken, die Schalker Angriffsmaschinerie durch Nadelstiche ins Stottern zu bringen und ließ in Durchgang eins nur wenige Chancen der Gastgeber zu. Jefferson Farfan prüfte den jungen FCN-Keeper Patrick Rakovsky, der für den verletzten Raphael Schäfer zwischen den Pfosten stand, in der 15. Minute mit einem Kopfball aus zentraler Position. Eine Minute später verzog Klaas Jan Hunterlaar aus spitzem Winkel zunächst, um in der 18. Minute mit einem Heber über den von der Linie geeilten Rakovsky erneut zu scheitern. Die größten Chancen für die Schalker ergaben sich dann erst in der 36. und 37. Minute, als zunächst Huntelaar erneut an Rakovsky scheiterte und wenig später Ibrahim Afelay nur einen Nürnberger Abwehrspieler traf und nicht das leere Tor.
Eine Minute vor dem Seitenwechsel hatte Javier Pinola dann auf der anderen Seite die große Möglichkeit, dem Spiel eine Wende zugunsten des FCN zu geben. Timo Gebhart hatte den Argentinier auf halblinker Position in Szene gesetzt, doch der Schuss des Außenverteidigers aus kurzer Distanz landete weit über dem Schalker Tor.
Ohne zählbare Erfolge ging es also in die Halbzeitpause und der Club konnte mit dem Erreichten zu diesem Zeitpunkt durchaus zufrieden sein. Nach dem Seitenwechsel gab es eine kurze Sturm- und Drang-Phase der Gastgeber, doch als diese überstanden war und der Club sich in der Defensive wieder geordnet hatte, entwickelte sich ein Spiel, in dem es bei etwas mehr Kaltschnäuzigkeit in der Offensive durchaus auch zu Toren für den Club hätte kommen können. Zunächst nahm der für Hanno Balitsch in der 69. Minute gekommene Almog Cohen einen Ball mit vollem Risiko und feuerte das Spielgerät nur eine Minute nach seiner Einwechselung in Richtung Arena-Dach. Dann scheiterte Kiyotake mit einem abgefälschten Freistoß in der 76. Minute nur knapp. Eine Minute später machten es die immer müder werdenden Schalker auf der anderen Seite besser. In einer Art letztem Kraftakt flankte Christian Fuchs den Ball von der linken Angriffsseite in die Mitte, wo Farfan genau richtig stand und zentimetergenau ins untere, linke Toreck traf. Rakovsky hatte keine Möglichkeit zur Abwehr.
Wieder nur eine Minute später hatte Gebhart auf der anderen Seite die große Chance auf den schnellen Ausgleich. Der Neuzugang aus Stuttgart scheiterte jedoch aus kurzer Distanz, weil Atsuto Uchida sich in letzter Sekunde in die Schussbahn warf. Es blieb am Ende also bei der knappen Niederlage und der ernüchternden Erkenntnis, dass man sich für ein zumindest in der Defensive gutes Spiel allein nichts kaufen kann. Das Phrasenschwein mag grunzen, doch Fußball ist und bleibt ein Ergebnissport und so mag das Spiel auf Schalke zwar vielleicht ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen sein, doch müssen nun weitere Schritte folgen, um wieder zu zählbaren Ergebnissen zu kommen. Die Spiele gegen Augsburg und Schalke haben gezeigt, dass die gegen Hannover und Stuttgart so wackelige Abwehr sich stabilisiert hat. So lange man jedoch in der Offensive weiter so harmlos bleibt und Gefahr vor dem gegnerischen Tor nur durch Zufall oder – in Ausnahmefällen – durch Standardsituationen aufkommt, so lange wird es Dieter Hecking mit seiner Mannschaft nicht schaffen, wieder Ruhe ins Umfeld zu bekommen. Das Spiel auf Schalke hat gezeigt, dass es nicht von heute auf morgen funktioniert, sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Wer viel Scheiße baut, wird mit Sicherheit nicht beim ersten Anzeichen der Besserung gleich belohnt. Will man nächstes Wochenende gegen befreite Wolfsburger bestehen, die an diesem Wochenende beim 4:1-Auswärtssieg in Düsseldorf gezeigt haben, zu was sie in der Lage sind, wenn Felix Magath nicht an der Seitenlinie steht, benötigt es eine mindestens ebenso konzentrierte Leistung wie über weite Strecken auf Schalke gezeigt. Denn ganz egal, wie tief die Wolfsburger Spiele nach dem Abschied ihres Trainers nun durchatmen – von Clubseite muss gegen die Niedersachsen endlich der erste Heimsieg der Saison her. Sonst sind es irgendwann nicht mehr nur vereinzelte Ahnungslose, die nach dem Spiel am FCN-Bus stehen und den Rauswurf von Dieter Hecking fordern. Für die gute Aufbauarbeit, die man in den letzten Jahren beim FCN geleistet hat, wäre dies eine Katastrophe.