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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 8. Spieltag
[Sonntag, 21.10.2012] 1.FC Nürnberg  – FC Augsburg 0:0 (0:0)

Es wäre übertrieben, zu schreiben, dass die Tage selten sind, an denen man sich fragt, warum man sich die viele Fahrerei zum Club immer wieder antut. Dieser Sonntag mit dem Spiel gegen den FC Augsburg gehört jedoch definitiv zu diesen Tagen. Man schält sich um 5.45 Uhr im kalten und dunklen Berlin aus dem Bett und fährt viereinhalb Stunden nach Nürnberg und wenn es noch am selben Abend dann zurück geht, fragt man sich: Wofür eigentlich? Mit einem Fußballspiel hatte das Gekicke im Max-Morlock-Stadion jedenfalls wenig zu tun, Tore waren auch Fehlanzeige und denkt man nur ganz kurz darüber nach, fallen einem auf Anhieb tausend Dinge ein, mit denen man den Sonntag durchaus schöner und vor allem sinnvoller hätte verbringen können.
Nach zuletzt vier Niederlagen in Folge könnte man beim Club nun hingehen und sagen, dass man mit dem Punkt gegen Augsburg durchaus zufrieden ist. Immerhin hat man endlich mal wieder nicht verloren und die Null hat hinten zum ersten Mal seit dem Saisonauftakt beim Hamburger SV auch endlich mal wieder gestanden. DER DISORDER jedoch ist keineswegs zufrieden. Welche Spiele will man eigentlich beim Club noch gewinnen, wenn es nicht einmal zu einem Heimsieg gegen den FC Augsburg reicht? Drei Punkte in der nächsten Woche auf Schalke? Kann man ohne eine mindestens zweihundertprozentige Leistungssteigerung vergessen! Bleibt die Hoffnung (wenn es denn wirklich eine ist) – oder besser gesagt, der Strohhalm – dass man in der letzten Saison eine Niederlagenserie auch mit einem torlosen Remis gegen Augsburg beendet hat und danach drei Siege am Stück folgten… zugegeben, ein sehr dünner und mit Sicherheit auch brüchiger Strohhalm.
Dieter Hecking hatte nach den letzten, erfolglosen Spielen seine Mannschaft gegen Augsburg erneut umgebaut. In der Innenverteidigung lief Per Nilsson wieder auf, Timmy Simons rückte zurück ins Mittelfeld und Almog Cohen musste dafür auf der Bank Platz nehmen. Auch Timo Gebhart und Mike Frantz standen nach der Länderspielpause in der Startelf, während Sebastian Polter und Robert Mak weichen mussten. Gebracht hat es freilich wenig – zumindest im Spiel nach vorne. Die Angst vor dem erneuten Versagen saß den Clubspielern sichtlich im  Nacken und auch, wenn es fast unglaublich klingt: Torchancen für den Club über neunzig Minuten – Fehlanzeige! Priorität hatte auf beiden Seiten die Fehlervermeidung in der Defensive. Hüben wie drüben fehlte es an Tempo und Einsatzfreude – hinzu kamen technische Unzulänglichkeiten, die einen Spielfluss gar nicht erst aufkommen ließen und so zu einer Partie führten, die nie wirklich Bundesliga-Niveau erreichte.
Nachdem FCN-Stammkeeper Raphael Schäfer zur Pause mit Problemen an der Archillessehne in der Kabine bleiben musste, sorgte Ersatztorhüter Patrick Rakovsky mit einem Fehler für die erste echte Torchance des Spiels. Nach einer hohen Hereingabe irrte der Youngster mit der Nummer 22 durch den eigenen Strafraum, doch Torsten Oehrl und Tobias Werner scheiterten in der 62. Minute im Gewimmel aus Clubberer Abwehrbeinen. Fünf Minuten später zeigte Rakovsky dann doch noch seine Klasse, als er in der 67. Minute einen Kopfball von Aristide Bancé mit einer Glanzparade parierte.
Bleibt eben am Ende ein unendlich fader Geschmack im Mund und der Eindruck, dass sich das Team von Dieter Hecking im Moment weit unter seinen Möglichkeiten verkauft. Bleibt dazu eben auch die Frage, warum man sich an einem Sonntag nicht einfach einen gemütlichen Tag im Bett gönnt. Viel weniger als die Clubspieler hätte man nach so einem Tag in den Federn auch nicht geleistet…
Bleibt am Ende einer langen Zugfahrt dann jedoch auch die Erkenntnis, warum man den weiten Weg immer wieder auf sich nimmt. Weil man Leute trifft, die genauso verrückt sind, wie man selbst. Leute, die den Club leben – mehr als so mancher Spieler. Leute, mit denen man vor und nach dem Spiel so viel Spaß haben kann, dass die 90 Minuten Elend dazwischen kaum ins Gewicht fallen. Leute eben, die man immer wieder gerne trifft und die eben sehr gut verstehen, warum man nach einem Sonntag wie diesen am Montag mit schlechter Laune zur Arbeit geht.