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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 7. Spieltag
[Samstag, 06.10.2012] SC Freiburg – 1.FC Nürnberg 3:0 (1:0)

Herzlich Willkommen in ihrem Leben! Herzlich Willkommen in der Realität! Herzlich Willkommen im Abstiegskampf! Vier Niederlagen und 2:11 Tore nach einem guten Saisonstart steht der Club mit dem Rücken zur Wand. Bekommt man beim Club den Abwärtstrend nicht schnell in den Griff, wird es in Franken einen heißen Herbst geben. Dass es im Gebälk der Mannschaft bereits ächzt zeigen die ersten Reaktionen nach der erneut schwachen Leistung im Spiel beim SC Freiburg. Timm Klose fühlt sich in einem Interview als „Arsch in der Abwehr“, Robert Mak twittert über den „verdammten Trainer“ und will es hinter nicht gewesen sein, entschuldigt sich aber trotzdem und Dieter Hecking will in den nächsten beiden Wochen ein „Reizklima“ schaffen, hat aber die Hälfte der Mannschaft nicht zur Verfügung, weil sie zu Länderspielen unterwegs ist.
Letztlich wird es so sein, wie es im Fußball immer ist: Die Mannschaft muss Taten auf dem Platz folgen lassen. Ergebnisse sind gefragt, Punkte und Tore. Schöne Worte, wie vor dem Spiel im Breisgau, helfen nicht, wenn sie auf dem grünen Rasen nicht umgesetzt werden und auch, wenn man in der Analyse am Ende der großen Kopfballchance von Tomas Pekhart in der zweiten Spielminute nachtrauern dürfte; was der Club in den restlichen 88 Minuten in Freiburg geboten hat, glich zumindest in Sachen Offensive einem Armutszeugnis. Und ja, vielleicht wäre der Kopfstoß von Pekhart nach dem ersten Eckball des Spiels auch im Tor gelandet, wenn man einen Lauf gehabt hätte und nicht mit drei Niederlagen im Gepäck nach Freiburg gereist wäre. Manchmal sind es die Unterschiede im Kopf, die den Ball  am Kopf ein paar Zentimeter weiter nach links oder rechts springen lassen und damit den Unterschied zwischen Torerfolg und Großchance ausmachen. All das ist dann jedoch keine Erklärung dafür, warum man nach einem guten Start ins Spiel, das Heft dann derart aus der Hand gibt, wie es die Mannschaft von Dieter Hecking an diesem Samstag in Freiburg getan hat. Das Spielniveau pendelte sich auf sehr niedriger Ebene ein und mit ein wenig Engagement wäre es ein Leichtes gewesen, den heimischen Sportclub in spielerische Bedrängnis zu bringen. Statt dessen passte sich der Club an, ließ sich einlullen und nahm selbst das erste Gegentor in der 36. Minute mit fast lethargischer Gelassenheit hin. Jonathan Schmid hatte den Ball auf der rechten Angriffsseite fast von der Grundlinie an den langen Pfosten zu Erik Jendrisek geflankt, Raphael Schäfer und Timm Klose schienen irgendwie der Meinung, es reiche, bei der Aktion einfach nur zuzuschauen und so konnte Jendrisek den Ball dann auch ungehindert noch für Cedric Makiadi auflegen, der aus kurzer Distanz zur Freiburger Führung vollendete.
Nach dem Seitenwechsel sollte es Alexander Esswein dann besser machen als Robert Mak – tat er aber nicht. Genau wie alle anderen Spieler der Offensivabteilung auch, blieb Esswein blass und schien oft nicht zu wissen, was er mit dem Spielgerät anfangen soll.  Dampf machte in den zweiten 45 Minuten zunächst einmal die Gastgeber. In der 52. Minute kam es gleich zu einer Dreifachchance im lichterloh brennenden Nürnberger Strafraum. Zunächst traf Daniel Caligiuri aus spitzem Winkel nur den Pfosten, dann musste Klose den Nachschuss von Makiadi für den bereits geschlagenen Schäfer von der Linie kratzen und schließlich scheiterte Oliver Sorg im dritten Anlauf dann doch noch an Raphael Schäfer. Auf der anderen Seite hatte der Club – außer viel Ballbesitz – nicht viel anzubieten. Einzig Sebastian Polter sorgte in der 56. Minute für einen Überraschungsmoment, vernarrte den direkten Gegenspieler und SC-Keeper Oliver Baumann mit einem Heber, den Mensur Mujdza per Kopf gerade noch von der Linie kratzen konnte. Der Rest ist das vergebliche Bemühen des Clubs zu einer Torchance zu kommen und die seltsame Tatsache, dass das Tor dann meist auf der anderen Seite fällt. Caligiuri zeigt der gesamten Club-Mannschaft in der ersten Minute der Nachspielzeit, wie man energisch in den Strafraum des Gegners eindringt, Timothy Chandler will nicht mitspielen und rennt den Freiburger einfach um. Den fälligen Elfmeter verwandelt der Gefoulte selbst – 2:0 in der 91. Minute. Und es kommt noch schlimmer: Nur eine Minute später ballert der eingewechselte Marco Terrazino einfach mal aus dreißig Metern in Richtung Nürnberger Tor und trifft auf den Zentimeter genau. Das 3:0 spricht somit zwar durchaus eine deutlichere Sprache als es das Spiel selbst getan hat, eine Entschuldigung soll dies für die Mannschaft von Dieter Hecking jedoch keinesfalls sein. Freiburg war schlecht, der Club noch schlechter. Damit ist alles gesagt und die elf Spieler, die nach der Länderspielpause zu Beginn des Spiels gegen den FC Augsburg das FCN-Trikot tragen, werden beweisen müssen, dass die Reihenfolge Freiburg-schlecht-Club-noch-schlechter eine Momentaufnahme war und dass man gewillt ist, den Negativtrend umzukehren. Dieter Hecking hat nun knapp zwei Wochen Zeit, diese elf Männer in seinem Kader zu finden – im Moment fehlt dem DISORDER ein wenig der Glaube, dass er sie findet.