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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 6. Spieltag
[Samstag, 29.09.2012] 1.FC Nürnberg – VfB Stuttgart 0:2 (0:1)

Es gibt eben einfach Tage, an denen wäre man besten im Bett geblieben… ach nee, halt! Stop! Deja vu! Zeigen die da das falsche Spiel? Eine Wiederholung vom letzten Mittwoch? Wie jetzt… 0:1? Es sind doch gerade erst 24 Sekunden gespielt…
Traurig, aber wahr! Selten haben gute Vorsätze so kurz gehalten, wie am Samstag beim 1.FC Nürnberg. Wiedergutmachung wollte die Mannschaft leisten, für das schwache Auftreten in der Woche bei Hannover 96… Trainer Dieter Hecking forderte eine Antwort seiner Spieler auf dem Platz und er bekam sie… wobei die Sprachprobleme von Marcos Antonio doch sehr viel größer scheinen, als angenommen, denn ganz offensichtlich hat der Brasilianer nicht verstanden, dass er es hätte besser machen sollen als Per Nilsson am Mittwoch. Vielmehr scheint der Innenverteidiger vernommen zu haben, er solle es genau wie sein schwedischer Mannschaftskamerad machen. Anders jedenfalls ist der Aussetzer beim ersten Ballkontakt des Spiels wohl kaum zu erklären. Vedad Ibisevic bedankte sich mit der Stuttgarter Führung, von der sich der Club auch in den noch kommenden 89 Minuten nicht mehr richtig erholte.
Schadensbegrenzung hätte es wohl nur geben können, wenn Schiedsrichter Florian Meyer die Abseitsstellung von Timm Klose in der neunten Minuten übersehen hätte und der fulminante Schuss aus wenigen Metern als Ausgleich gegolten hätte. So aber erinnerte sich Marcos Antonio nur zwei Minuten später, dass ja Kollege Nilsson am Mittwoch auch zwei Aussetzer gehabt hatte und zog nach nur elf Minuten Spielzeit prompt nach. Hätte Raphael Holzhäuser die große Chance zum 2:0 genutzt, die ersten Zuschauer hätten das Max-Morlock-Stadion wahrscheinlich schon nach weniger als einer Viertelstunde verlassen.
So war es dann schließlich Marcos Antonio, der nach 16 Minuten das Feld für Hanno Balitsch verlassen musste und dabei von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet wurde. Dem Brasilianer wird damit die fragwürdige Ehre eines der kürzesten Bundesliga-Debüts der Bundesliga-Geschichte zuteil und fast sieht es so aus, als sei die Zeit des Wandervogels, der in den letzten zehn Jahren für zehn verschiedene Vereine auflief, auch beim 1.FC Nürnberg vorbei, ehe sie richtig begonnen hat. Die frühe Auswechselung durch Dieter Hecking verstanden dann auch alle folgerichtig als „Schutzhandlung“ und auch, wenn nun nicht wenige Clubfans sagen werden, dass es die falsche Reaktion war, Marcos Antonio bereits nach wenigen Minuten bei jeder Ballberührung auszupfeifen, sei an dieser Stelle doch auch noch einmal darauf hingewiesen, dass die Herren Fußballprofis für ihre Bemühungen fürstliche Gehälter einstreichen und der ein oder andere Fehler, der im Eifer des Gefechts geschieht, auch durchaus zugestanden sei. Der aufmunternde Beifall der mitgereisten Fans am letzten Mittwoch nach der Blamage in Hannover zeigt dies. Wenn dann jedoch ein Spieler seine Chance bekommt und darum weiß, was nur wenige Tage zuvor schief gelaufen ist, muss er sich nach einem Konzentrationsfehler auch Kritik gefallen lassen – und nichts anderes als Konzentrationsfehler war der verunglückte Rückpass zu Raphael Schäfer, denn niemand wird bezweifeln, dass Marcos Antonio im Normalfall durchaus in der Lage ist, einen vernünftigen Ball über wenige Meter zu spielen. Der 1.FC Nürnberg hat sich durch eine Anhäufung solcher Konzentrationsfehler in nur einer Woche selbst um den Lohn des zunächst geglückten Starts in die neue Bundesliga-Saison gebracht und dem enttäuschten Fan auf der Tribüne, der sich mitunter das Ticket für ein Spiel im Stadion härter absparen muss, als ein Fußballprofi das Fünf-Gänge-Menü in einem Sterne-Restaurant, bleibt eben als Zeichen der Kritik und Enttäuschung allein das Pfeifkonzert. Das mag in dem Moment hart sein, dürfte den Verantwortlichen jedoch trotzdem sehr viel lieber sein als Gewaltausbrüche oder Platzstürme. Und dass Trainer und Mannschaft die Zeichen von den Tribünen durchaus verstanden haben, zeigen die Aussagen nach dem Spiel. Dieter Hecking sprach besänftigend davon, dass Fußball eben ein „Fehlersport“ sei und auch Mike Frantz meinte nach dem Spiel richtig: „Es nützt nichts, jetzt einen Spieler an den Pranger zu stellen.“ Almog Cohen brachte die Sache schließlich auf den Punkt: „Wir gewinnen und verlieren immer als Mannschaft.“
Es ist nun die Aufgabe der Mannschaft und des Trainers Marcos Antonio wieder aufzubauen, ihm im täglichen Trainingsbetrieb zu zeigen, dass Pfeifkonzerte aus der ersten großen Enttäuschung passieren können und auch legitim sind, dass jedoch früher oder später jeder seine zweite Chance bekommt, wenn er sie sich hart und – das sei an dieser Stelle noch einmal betont – seiner Bezahlung angemessen, verdient. Sein Innenverteidiger-Kollege Timm Klose ist hierfür das beste Beispiel und nur die Zukunft wird zeigen, ob ein Marcos Antonio aus dem selben Holz geschnitzt ist, wie der Schweizer.
Bis dahin hat nun der Rest der Mannschaft die verdammte Aufgabe, die schwarze Woche der Spiele gegen Frankfurt, Hannover und Stuttgart so schnell wie möglich vergessen zu machen. Der Blick muss nach vorne gehen und deshalb sei an dieser Stelle auch gar nicht mehr groß auf das Spiel gegen die Schwaben eingegangen. Der Club hatte durchaus seine Chance, den sehr frühen Rückstand aufzuholen. Timo Gebhart verzog einen Gewaltschuss in der 27. Minute nur um Zentimeter und wahrscheinlich auch nur, weil ein Stuttgarter Abwehrbein noch leicht abfälschte. Almog Cohen scheiterte in der 33. Minute nur knapp und auch der etwas schwächer als sonst spielende Hiroshi Kiyotake hätte in der 60. Minute mit seinem direkten Freistoß beinahe getroffen. Wäre nur einer dieser Versuche im Tor gelandet – man würde über das Spiel vom Samstag heute wahrscheinlich ganz anders schreiben, denn im Grunde lieferten sich der Club und sein Gast aus dem Schwabenland ein Duell auf Augenhöhe. Den Unterschied machte letztlich ein Martin Harnik, der in der 75. Minute die erste Konterchance nutzte, die sich ihm bot und mit dem 2:0 für die Vorentscheidung sorgte. Tomas Pekhart wäre mit einem Kopfball aus kurzer Distanz in der 80. Minute fast noch der Anschlusstreffer geglückt, doch am Ende blieb es eben bei der zweiten Heimpleite in Folge.
Der FCN präsentierte sich also mal wieder als willkommener Aufbaugegner und legte dem bis dahin sieglosen VfB Stuttgart den ersten Saisonsieg auf. Dieter Hecking ist also gut beraten, seinen Spielern die Tabelle zu zeigen: Der SC Freiburg hat nämlich bereits einen Saisonsieg und braucht die Unterstützung des Clubs nicht. Zugegeben, die Breisgauer sind insgesamt noch etwas schlechter in die Saison 2012/2013 gestartet als der 1.FC Nürnberg. Doch wie schreibt der kicker über den Sportclub? Beim SC Freiburg müssen

 zwei akute Probleme abgestellt werden: mangelnde Chancenverwertung und individuelle Abwehrfehler. Derzeit fehlen die Konzentration und die Konstanz für komplette 90 Minuten.

Irgendwie kommt einem dies als Clubfan sehr, sehr bekannt vor…