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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 4. Spieltag
[Freitag, 21.09.2012] 1.FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 1:2 (0:1)

Spätestens seit diesem Freitagabend weiß DER DISORDER, dass er eigentlich schon viel zu lange Clubfan ist. Nicht, dass er nun anfangen würde, die Mannschaft nach der ersten Niederlage der noch jungen Bundesliga-Saison zusammenzustauchen und alles, was in den drei Spielen zuvor gut gelaufen ist, nun in Frage stellen würde. Nein, es war der Verlauf des gestrigen Tages mit dem Ergebnis am Abend, der ihm bekannt vorkam – und den er so ähnlich schon unzählige Male beim Club erlebt hat. Die Euphorie war groß – drei Spiele ohne Niederlage, sieben Punkte und mit Fug und Recht sprach man beim Club von einem gelungenen Saisonstart. Und weil die Eintracht aus Frankfurt auch einen gelungenen Saisonstart hingelegt hatte, wurde das Spiel an diesem Freitagabend plötzlich zu einem Spitzenspiel, bei dem es um die vorübergehende Tabellenführung ging. Die Betonung liegt hier auf dem „vorübergehend“, denn wenn es einer Lehrstunde darüber bedarf, wie sehr Fußball inzwischen zum Tagesgeschäft geworden ist, muss man sich nur den gestrigen Tag ansehen. Auf der Zeitleiste bei facebook und überall sonst im Internet wurde der Vorfreude auf das Flutlichtspiel freien Lauf gelassen – stets versehen mit einer Prise Siegessicherheit. Schließlich ist Frankfurt ja nur ein Aufsteiger und hatte bei seinem guten Saisonstart die bei weitem leichteren Gegner als der Club. Also: Drei Punkte einsacken und ab an die Tabellenspitze! Einzig Dieter Hecking warnte vor dem Spiel vor einer „Aufgabe, die uns viel abverlangen wird.“ Aber genau deshalb ist Dieter Hecking eben auch Trainer – und wir sind die Fans!
Umso ärgerlicher, wenn dann am Ende der Trainer recht behält und die Fans enttäuscht und vielleicht sogar wütend sind. Genauso jedoch, wie bei den erfolgreichen Spielen zuvor nicht alles Gold war, was glänzte, war bei der Niederlage gegen Frankfurt nicht alles so schlecht, dass man nun gleich wieder in Abstiegsangst verfallen müsste. Die Niederlage war ärgerlich! Jede Niederlage ist ärgerlich! Und diese Niederlage ist besonders ärgerlich, weil sie – Phrasenschwein, ick hör‘ dir rufen – wie so viele andere Niederlagen auch, unnötig war. Am Ende hatte Frankfurt eben das klitzekleine Quäntchen mehr Glück und der Club nicht genug Zielwasser getrunken.
Mit dem Selbstbewusstsein des guten Bundesligastarts ging der Club in die Partie und konnte schon nach fünf Minuten die erste Torchance verbuchen. Nach einem Freistoß von Hiroshi Kiyotake konnte Tomas Pekhart jedoch nicht vollenden, sondern scheiterte am gut reagierenden Kevin Trapp im Frankfurter Tor. Die Hessen füllten indes erst einmal ihr Mannschaftslazarett auf: Nach 15 Minuten musste Kapitän Pirmin Schwegler mit einer blutenden Wunde am Kopf den Platz verlassen, sechs Minuten später ging es auch für Eintracht-Stürmer Olivier Occean nach einer Verletzung nicht weiter. Noch dazu hatten die Frankfurter Glück, dass Schiedsrichter Felix Zwayer in der 19. Minute nach einem Foul von Carlos Zambrano an Pekhart nicht die Ampelkarte zückte.
Umso ärgerlicher dann eben für den Club, dass sich die Gäste trotz allem nicht aus dem Konzept bringen ließen, sondern in der 25. Minute die Möglichkeit zur Führung auch gleich nutzten. Nach einer Ecke konnte die FCN-Abwehr nicht gut genug klären, so dass der für Occean gekommene Erwin Hoffer traf. Der Club war geschockt und Frankfurt hätte fast nachgelegt. Nur fünf Minuten nach dem 0:1 musste Raphael Schäfer sein ganzes Können aufbieten, um einen Schuss von Takashi Inui abzuwehren.
Auf der anderen Seite zeigte Kiyotake dann in der 34. Minute mit einem Pfostenknaller aus der Distanz, dass der Club noch lebte, doch Zählbares sprang für die Mannschaft von Dieter Hecking vor dem Seitenwechsel nicht mehr heraus. In den zweiten 45 Minuten dann das nun zu erwartende Spiel auf Seiten der Eintracht. Der Aufsteiger zog sich weit in die eigene Hälfte zurück, machte die Räume eng und wartete auf Konterchancen. Der Club tat sich schwer gegen das Abwehrbollwerk aus Hessen und kam fast ausschließlich nach Standardsituationen zu Chancen. So auch in der 58. Minute als Timm Klose nach einem Eckball von Kiyotake mit seinem Kopfball nur knapp scheiterte. Besser machten es die Gäste auf der anderen Seite. Inui durfte in der 60. Minute fast unbehelligt durch die Nürnberger Abwehr spazieren und zog einfach mal aus der zweiten Reihe ab. Der Schuss saß und Frankfurt führte 2:0. Drei Minuten später hatte Hoffer erneut die Chance auf einen Treffer, doch nach einem mustergültigen Konter der Frankfurter wurde der Winkel für den Österreicher schließlich zu spitz, so dass der Stürmer das Tor nicht traf.
In der 76. Minute sorgte der für Timothy Chandler eingewechselte Sebastian Polter noch einmal für Hoffnung unter den Club-Anhängern. Nach einer Freistoßflanke von Kiyotake erzielte die Leihgabe vom VfL Wolfsburg per Kopf den Anschlusstreffer und hatte in der 90. Minute dann sogar noch die große Möglichkeit zum Ausgleich auf dem Fuß. Nach einer scharfen Hereingabe vom ebenfalls eingewechselten Timo Gebhard verfehlte Polters Ball aus kurzer Distanz das Tor der Frankfurter nur um wenige Zentimeter.
Es blieb also bei der ärgerlichen Niederlage, die mit etwas mehr Glück auch noch zu einem Unentschieden hätte werden können. Der Club ist zurück auf dem Boden der Tatsachen, der da heißt, dass man sich eben nicht in der Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga festsetzen kann. Eine Tatsache, die auch vorher durchaus bekannt gewesen sein dürfte, so dass sich im Grunde eigentlich nichts geändert hat. Insgesamt kann man zufrieden sein, dass man nach vier Spieltagen mit sieben Punkten da steht – auch, wenn diese vielleicht anders zustande gekommen sind, als man vor der Saison erwartet hätte. Schon am kommenden Mittwoch hat die Mannschaft von Dieter Hecking die Gelegenheit, zu zeigen, wo die Reise nun wirklich hingeht. Mit einem Auswärtssieg in Hannover könnte man zeigen, dass die Niederlage gegen Frankfurt vielleicht nur ein kurzer Ausschlag nach unten war. Schwer genug wird es werden, doch schließlich hat der FCN saisonübergreifend die letzten vier Auswärtsspiele gewonnen.