Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 3. Spieltag
[Samstag, 15.09.2012] Bor. Mönchengladbach – 1.FC Nürnberg 2:3 (1:2)

Manchmal braucht es nur einen einzigen Gast, um eine ganze Party zu sprengen und was die von Mönchengladbacher Seite erhoffte Party gegen den Club angeht, trug der Spielverderber am Samstag Nachmittag im Borussen-Park eindeutig ein schwarzes Trikot mit FCN-Wappen. Hiroshi Kiyotake lief am dritten Spieltag zur Höchstform auf und war zunächst an den ersten beiden Clubtreffern als Vorbereiter beteiligt, ehe er in der 55. Minute das entscheidende 3:2 nach einem sehenswerten Sololauf selbst erzielte. Der Japaner wurde somit zum Matchwinner in einem teilweise hochklassigen Bundesligaspiel, in dem der Club durch den zweiten Sieg im zweiten Auswärtsspiel der Saison die Punkte fünf bis sieben sammelte und somit den besten Saisonstart seit sechs Jahren hinlegt. In der Tabelle liegt das Team von Dieter Hecking nach drei Spieltagen nun auf einem hervorragenden sechsten Platz.
Bis der zweite Saisonsieg jedoch unter Dach und Fach war, erlebten die mitgereisten Clubfans zunächst ein wahres Wechselbad der Gefühle. Das Spiel im Borussen-Park begann zunächst recht verhalten und wurde bestimmt von den tief stehenden Abwehrreihen auf beiden Seiten. Torchancen waren in den Anfangsminuten absolute Mangelware und so kann man guten Gewissens davon sprechen, dass die Führung für den Club in der 17. Minute praktisch aus dem Nichts kam. Nach einem Foul auf der halblinken Angriffsseite brachte Kiyotake den fälligen Freistoß scharf nach innen, wo Innenverteidiger Timm Klose die Haarspitzen noch an den Ball bekam und diesem damit die nötige Flugbahnänderung verpasste, um im langen Eck einzuschlagen. Für den Schweizer Nationalspieler war es der erste Saisontreffer – den dann auch Timmy Simons in der 25. Minute feiern durfte, nachdem Kiyotake eine Ecke von der rechten Seite in den Gladbacher Strafraum gezirkelt hatte. Simons stieg im Angriffszentrum am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf zur 2:0-Führung ins Borussen-Gehäuse.
In der 32. Minute hätte Robert Mak gar auf 3:0 erhöhen können, doch nach guter Vorarbeit von Alexander Esswein drosch der Slowake seinen Distanzschuss über das Tor. Nach etwas mehr als einer halben Stunde erholte sich Mönchengladbach nun zusehends vom bereits deutlichen Rückstand und erspielte sich seinerseits erste Torchancen. Neuzugang Luuk de Jong vergab zwei Minuten vor der Pause die beste Borussen-Chance, als er aus kurzer Distanz abzog, Raphael Schäfer den Schuss jedoch mit einer Blitzreaktion noch an den Pfosten lenken konnte. Zwei Minuten später war es dann trotzdem geschehen: Der Ball zappelte Sekunden vor dem Halbzeitpfiff im Nürnberger Tor. De Jong hatte zum psychologisch ungünstigen Zeitpunkt nach Vorarbeit von Patrick Herrmann doch noch über die FCN-Torlinie bekommen. Für die Clubfans kam dieser Anschluss zu früh – sah man zur Halbzeit in den meisten Gesichtern doch die große Skepsis, dass der Club den knappen Vorsprung würde über die Zeit retten können.
Und die Skeptiker sollten zunächst Recht behalten. Zwar hatte Kiyotake in der 48. Minute noch einmal durch einen Freistoß eine gute Gelegenheit, das 3:1 zu erzielen – doch nachdem der Ball denkbar knapp am langen Torpfosten vorbei geflogen war, sollten auf der anderen Seite die Hausherren zuschlagen. Wieder war es Herrmann, der in der 53. Minute den Gladbacher Treffer einleitete, indem er von der linken Angriffsseite klug nach hinten passte, wo aus dem Hintergrund der Schweizer Granit Xhaka abzog – und traf! Klose hatte den Schuss noch abgefälscht und ihn so für den eigenen Keeper unhaltbar gemacht.
Zwei Minuten später folgte dann der Galaauftritt von Hiroshi Kiyotake. Der Japaner bekam den Ball etwa 30 Meter vor dem Tor zugespielt, setzte sich mit zwei Haken gegen drei Gladbacher Abwehrspieler durch und behielt trotzdem die Übersicht, um Gladbachs Keeper Marc-André ter Stegen zu verladen und in die falsche Ecke zu schicken. Der Club hatte in Person von Kiyotake direkt zurückgeschlagen und zeigte etwas, das beim FCN über viele Jahre nicht selbstverständlich war: Moral! Wo sich die Franken in unseligen Abstiegskämpfen nach dem Ausgleich aufgegeben hätten und irgendwann dann auch den Rückstand hingenommen hätten, zeigten Kiyotake und Co. an diesem Samstag, dass sie nicht an den Niederrhein gefahren waren, um sich mit einem Punkt zufrieden zu geben. Und auch, wenn zwei Minuten vor Schluss bei einem Seitfallzieher von De Jong noch einmal das Aluminium helfen musste, um die drei Punkte zu sichern, so hat sich die Mannschaft von Dieter Hecking diesen Auswärtssieg im wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet und erkämpft. Es wurde gelaufen, gegrätscht und gerackert und kein Ball unnötig oder frühzeitig abgeschenkt. Fast könnte man meinen, das frühe Pokal-Aus in Havelse habe sein Gutes, haben die Clubspieler doch inzwischen offensichtlich begriffen, wie man Spiele gewinnt. Und so bleibt das Spiel in Havelse bisher einziger Schachpunkt in der noch neuen Saison. In der Bundesliga hingegen hat die Mannschaft von Dieter Hecking bereits am kommenden Freitag gegen ebenfalls fulminant gestartete Frankfurter den eigenen Punktestand auf zehn zu erhöhen. Vorsicht ist jedoch geboten, hat die Eintracht aus Hessen doch bisher alle Saisonspiele gewonnen. Dementsprechend setzt sich der Sieger der Partie am Freitag zunächst zumindest vorübergehend in der Spitzengruppe der Bundesliga 2012/2013 fest. Und vielleicht kann Hiroshi Kiyotake ja auch zu Beginn des kommenden Wochenendes wieder den Spielverderber spielen und als Spielmacher beim Club die Fäden in Händen halten. Der BILD-Zeitung jedenfalls hat der Japaner versprochen: „Wir sind noch lange nicht am Limit! Wenn ich in Zukunft noch mehr Bälle bekomme, dann wird auch unser Spiel besser.“ Es sieht so aus, als könne man sich als Clubfan auf eine große, lange Party freuen.