Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2012/2013, 1. Spieltag
[Samstag, 25.08.2012] Hamburger SV – 1.FC Nürnberg 0:1 (0:0)

Es schien schon eine lange Geschichte ohne Happy-End zu werden. Für die Berliner Clubfans gehört das Spiel des FCN beim Hamburger SV zu den kürzesten Anreisen im Bundesliga-Programm. Jedes Jahr also fuhr man die gut eineinhalb Stunden mit dem ICE an die Elbe – und jedes Jahr kehrte man ohne Punkte nach Berlin zurück. Egal, wie tief die Krise beim Dino der Liga auch war, egal auch, wieviele Spiele die Rothosen vorher in Serie verloren hatten und selbst, wenn der Club mit breiter Brust angereist kam, weil er zuvor eine ordentliche Serie ohne Pleiten hingelegt hatte – am Ende gab es in Hamburg maximal einen Punkt. Doch wie heißt es immer wieder so schön? Irgendwann reißt jede Serie und an diesem ersten Spieltag der 50. Bundesliga-Saison war es dann auch endlich so weit.
Nur eine Woche nach dem tief enttäuschenden Aus im DFB-Pokal stellte die Mannschaft von Dieter Hecking ihre von nicht wenigen Clubfans angezweifelte Bundesligatauglichkeit dann doch durchaus unter Beweis und entführte erstmals seit 20 Jahren drei Punkte aus der Hansestadt. Auf den Tag genau vor zwei Dekaden hatte Christian Wück mit seinem Treffer für den letzten Auswärtssieg des Clubs im Hohen Norden gesorgt.
Im Duell der Pokalversager behielt der Club am Ende zwar etwas glücklich, aber keineswegs unverdient, die Oberhand und verhinderte – im Gegensatz zum Gastgeber – damit einen totalen Fehlstart in die Saion. Trainer Dieter Hecking hatte den Club nach der Pleite in Havelse auf zwei Position umgebaut. Per Nilsson rückte für Marcos Antonio in die Innenverteidigung, während im offensiven Mittelfeld Hiroshi Kiyotake den Vorzug vor Timo Gebhart erhielt und sein Startelfdebüt gab. Die Wechsel in der Anfangsformation verhalfen den Franken zwar zu einer erhöhten Sicherheit in der Defensive, offensiv lief beim FCN jedoch wenig zusammen. Entsprechend den Pleiten vom letzten Wochenende agierten beide Teams in der Imtech-Arena zunächst mehr als vorsichtig und so dauerte es bis zur 24. Minute, ehe es zur ersten richtigen Chance des Spiels kam – auf Hamburger Seite. Nachdem Dennis Aogo in der 24. Minute einen Freistoß ins Sturmzentrum geschlagen hatte, kam dort Heiko Westermann frei zum Kopfball, fand in einem glänzend aufgelegten Raphael Schäfer jedoch seinen Meister.
In der 41. Minute sorgte Aogo mit einem knapp verzogenen Schlenzer dann erneut für eine Schrecksekunde bei den Clubfans, ehe in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit dann auch der FCN die erste Möglichkeit verbuchte. HSV-Keeper Renè Adler reagierte jedoch doppelt gut und wehrte nach einer Ecke zunächst den Kopfball von Timm Klose ab, um sich dann auch noch den Nachschuss von Alexander Esswein aus kurzer Distanz zu schnappen.
Erst nach dem Wechsel sah man dann beim Club das, was Raphael Schäfer bereits im Laufe der Woche vor dem Spiel angekündigt hatte – nämlich, dass der Club nach Hamburg gereist war, um Zählbares mit nach Hause zu nehmen. Mike Frantz scheiterte in der 47. Minute nach guter Vorarbeit von Kiyotake mit einem Schuss aus der Halbdistanz an Adler, während Hanno Balitsch in der 61. Minute aus fünf Metern völlig freistehend am Tor vorbeiköpfte.
Dafür reagierte Balitsch dann nur sieben Minuten später am schnellsten. Wieder war es eine Ecke, die in der 68. Minute gefährlich in den Hamburger Strafraum flog. Dieses Mal kam der andere Innenverteidiger an den Ball, doch der Kopfball von Per Nilsson klatschte an die Latte. Baltisch konnte aus wenigen Minuten zur Führung abstauben.
Mit zitternden Knien versuchten die Hansestädter nun natürlich, zumindest den Ausgleich noch zu erzielen. Doch während im Nürnberger Fanblock Fingernägel gekaut wurden und der Umsatz der Zigarettenindustrie ins Unermessliche stieg, vergaben auf der anderen Seite die eingewechselten Maximilian Beister (77. Minute) und Artjoms Rudnevs (79. Minute) ihre Chancen kläglich. Echte Aufregung gab es letztlich nur in der zweiten Minute der Nachspielzeit noch einmal, als Marcel Jansen nach einem Fehler von Timothy Chandler den Ball an die Querlatte des Nürnberger Gehäuses köpfte.
Auf Nürnberger Seite hieß es dann jedoch: Egal, Mund abwischen, freuen! Der Auftaktsieg war unter Dach und Fach und glaubt man den Statistiken, kann die Mannschaft von Dieter Hecking in dieser Saison zumindest nicht mehr absteigen. In den 30 Jahren seiner Bundesligazugehörigkeit stand der Club jedenfalls am Ende immer über dem Strich, wenn das Auftaktspiel gewonnen wurde.
Was man sich für Statistiken kaufen kann, sieht man allerdings, wenn man die Statistik der Auftaktsiege und -niederlagen einmal auf den Gegner anwendet. Dort steht für den HSV nämlich, dass er nach einer Auftaktniederlage noch nie aus der Bundesliga abgestiegen ist…
Doch was interessiert uns der HSV? Der Club muss nächsten Samstag im ersten Heimspiel der Saison gegen den amtierenden deutschen Meister aus Dortmund antreten. Gerüchte besagen, dass ein Antrag auf Wertung des Spiels aus der Vorbereitung bei der DFL leider abgelehnt wurde und so müssen die Herren Kiyotake und Co. eben noch mal ran, um eine Tendenz zu zeigen, wo die Reise des Clubs in dieser Saison nun wirklich hingeht. Die Betonung liegt hierbei eindeutig auf dem Wort „Tendenz“. Denn genau so wenig, wie der Auswärtssieg nach der Pokalpleite nun alles wieder gut werden lässt, genau so wenig sollte man nach einer Niederlage gegen Dortmund sofort wieder anfangen, alles schwarz zu sehen. Viel lieber sollte man einfach hoffen, dass der Club am Samstag einen Sahnetag erwischt und es Dortmund ähnlich geht, wie in der letzten Saison: Dort folgte für das Team von Jürgen Klopp nach einem Auftaktsieg nämlich auch eine Niederlage im ersten Auswärtsspiel der Saison.