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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 34. Spieltag
[Samstag, 05.05.2012] 1.FC Nürnberg – Bayer Leverkusen 1:4 (0:2)

Da ist sie nun also wieder: Diese schreckliche Zeit, in der man am Wochenende plötzlich ganz viel Zeit hat, in der man Dinge erledigen kann, zu denen man in der Woche nicht kommt, in der sich Familienväter wieder um ihre Kinder kümmern können, in der Paare wieder Zeit miteinander verbringen können, in der einfach irgendetwas fehlt, über das man sich so richtig schön aufregen kann und in der man vielleicht auch einfach nur mal in den Urlaub fahren kann…
Die Saison 2011/2012 ist Geschichte. Mit einem sehr ehrbaren zehnten Tabellenplatz für unseren Club, mit zwei 1.FCK’s als Absteiger, einer Hertha, die mehr Fortuna als Verstand braucht, um auch nächste Saison wieder erstklassig antreten zu dürfen und einem deutschen Meister, der in der Rückrunde 47 von 51 möglichen Punkten geholt hat. Vor allem aber: Mit einem deutschen Meister, der zum zweiten Mal nicht aus Bayern kommt (–> schön!), einem Pokalfinale, das schon wieder ohne den Club stattfindet (–> weniger schön!) und einem Aufsteiger aus einem kleinen Dorf ganz in der Nähe von Nürnberg (–> noch weniger schön!).
Weniger schön war dann auch, wenn man es genau nimmt, das Saisonfinale gegen Bayer Leverkusen. Gegen die Werkself setzte es am Samstag die höchste Heimniederlage seit dem 12. Dezember 2009. Im Gegensatz zur damaligen 0:4-Pleite gegen den Hamburger SV ging es an diesem letzten Spieltag der Saison für die Mannschaft von Dieter Hecking jedoch nur noch um die rein rechnerische Chance auf den Einzug in die EuropaLeague. Also: Schwamm drüber – wäre da nicht die Tatsache, dass ausgerechnet Ex-Clubberer Stefan Kießling einen Sahnetag erwischt hatte und bei seinen drei Buden stets so euphorisch jubelte, als hätten die Rheinländer gerade ihre erste Deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht. Der Bamberger zeigte einmal mehr, dass man das EX vor dem Clubberer bei ihm inzwischen deutlich hervorheben darf.
Ansonsten ist die Geschichte des Spiels schnell erzählt. Der Club beginnt wie die Feuerwehr, hat durch Javier Pinola in der ersten und Robert Mak in der dritten Minute die ersten beiden Torchancen des Spiels, um dann in der sechsten Minute zum ersten Mal an diesem Nachmittag in der Abwehr offen wie ein Scheunentor zu stehen. Kießling nutzt das zur Gästeführung, jubelt und in Hannover führt Kaiserslautern plötzlich 1:0. Nach einem Konter der Leverkusener trifft Kießling in der 32. Minute zum zweiten Mal, während Hannover fünf Minuten später den Ausgleich gegen den Pfälzer Absteiger erzielt. Da aber auch Wolfsburg inzwischen in Stuttgart mit 1:0 führt, ist der Europazug zu diesem Zeitpunkt sowieso schon längst abgefahren. Hat ihn an diesem Wochenende überhaupt jemand abfahren sehen?
So ganz wollte die Mannschaft von Dieter Hecking die ganze Sache dann aber doch nicht auf sich sitzen lassen und in der 58. Minute traf Robert Mak nach Zuspiel des eingewechselten Albert Bunjaku zum 1:2. André Schürrle stellte in der 77. Minute den alten Abstand wieder her und wie es in Hannover, Stuttgart oder Bremen stand, interessierte zu diesem Zeitpunkt sowieso schon niemanden mehr. Sei also noch erwähnt, dass Kießling auch nach seinem dritten Treffer zum 4:1 in der 89. Minute noch einmal jubelte und dass Michael Ballack zu diesem Zeitpunkt schon frisch geduscht war. Der ehemalige Nationalspieler war in seinem letzten Bundesligaspiel bereits in der 52. Minute ausgewechselt worden und dabei auch vom Nürnberger Publikum mit viel Applaus verabschiedet worden.
Als sich kurz vor Spielende dann eine ganze Horde von Stadionordnern vor der Nordkurve aufbaute, um Szenen, wie sie zur selben Zeit in Köln stattfanden, zu verhindern, sang die Nordkurve noch ihr Lieblingslied: „Wir stürmen, ohohoh“ – woraufhin dann auch einige der Ordner sich ein Grinsen nicht verkneifen konnten.
Der Rest war Auslaufen, klatschen und verabschieden. Albert Bunjaku, Juri Judt, Christian Eigler (raus!) und wohl auch Dominik Maroh werden den Club verlassen, andere wie Timo Gebhardt und wahrscheinlich auch Hiroshi Kiyotake werden kommen. Gerüchte, Dementi und Diskussion sind das Brot der Sommerpause, die Zugriffszahlen bei transfermarkt.de werden brummen und jeder einzelne Clubfan wird sich zu den Transfers und Transfergerüchten seine eigene Meinung bilden – mal etwas fundierter, mal allein mit Herzblut. Im Juni wird man sich mit der EM ablenken und trotzdem vergeblich darauf warten, dass das Herz auch nur ein einziges Mal so schnell und heftig schlägt wie beim Club. Der Ein oder die Andere wird sich vielleicht auch ohne den Club eine Woche Sandstrand in Teneriffa gönnen und wer nun so überhaupt gar nichts zu tun hat, kann zumindest ein wenig Zeit damit totschlagen, indem er sich unsere Bildergalerie anschaut von der Fahrt der Clubberer 04 Berlin zum Saisonabschluss nach Nürnberg. Gemeinsam mit den Internettis (OFCN-Nr. 260) wurde der Auftakt zur Sommerpause gebührend gefeiert. Ein Abend, so geil wie zumindest der größte Teil der Saison und hiermit ein großes Dankeschön an alle Beteiligten! Wir sehen uns (spätestens) in der nächsten Saison!