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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 29. Spieltag
[Samstag, 07.04.2012] SC Freiburg – 1.FC Nürnberg 2:2 (0:2)

Es gibt Fußballspiele, da weiß man nach 90 Minuten nicht, ob man lachen oder weinen soll und das Clubspiel am Samstag beim SC Freiburg liegt in dieser Wertung ganz weit vorne. Gefühlte Niederlage oder Punktgewinn? Ganz abgesehen davon, dass diese Frage am Ende jeder für sich selbst beantworten muss, zeigte das Spiel im Breisgau auch, wie sehr die Geschehnisse auf dem grünen Rasen eine mögliche Antwort auf die Frage verändern kann. Hätte man die Frage nach Punktgewinn oder -verlust vor dem Spiel gestellt, wären mit Sichterheit nicht wenige Clubfans bereit gewesen, ein Unentschieden in Freiburg zu unterschreiben. Und auch Dieter Hecking, der vor dem Spiel das Ziel formulierte, dass man Freiburg in der Tabelle hinter sich behalten wolle, müsste dementsprechend mit dem Spielausgang zufrieden sein – denn zumindest dieses Minimalziel hat der Club nach dem 2:2 in der Mage Solar-Arena erreicht.
Und dennoch: Legt man den Spielverlauf des Samstagnachmittags zugrunde, kann und wird man beim FCN nicht mit der wochenendlichen Ausbeute zurfrieden sein. Gegen nervöse und teilweise fast harmlose Freiburger wäre ein Auswärtssieg nicht nur verdient, sondern sogar möglich gewesen. Am Ende fehlte einfach das nötige Quäntchen Glück und ein Schiedsrichter, der die Bezeichnung Unparteiischer auch wirklich verdient hat. Es ist jedoch schon auffällig, wie sehr Thorsten Kinhöfer sich jedes Mal wieder genötigt sieht, in ein Spiel enzugreifen, wenn der Club dann mal auf der Siegerstraße ist. Und dass der Club eben auf diesem Weg in Richtung drei Punkte war, hatte er in der ersten Halbzeit zunächst einem katastrophalen Blackout von Freiburgs Abwehrspieler Fallou Diagne zu verdanken. Der Franzose aus dem Senegal spielte in der achten Minute einen Ball, wie er Fußballspielern eigentlich schon in der E-Jugend verboten wird: Quer vor der eigenen Abwehr – und direkt in die Beine von Daniel Didavi. Die Stuttgarter Leihgabe ging noch ein paar Meter mit dem Ball, fasste sich dann ein Herz, zog ab und konnte sich am Ende auch beim Freiburger Schlussmann Oliver Baumann bedanken, dass dieser sich ein wenig zu weit vor seinem eigenen Kasten positioniert hatte.
Ansonsten hatte der Club in den ersten 45 Minuten Ball und Gegner derart unter Kontrolle, dass sich der Sky-Reporter sogar dazu bemüßigt fühlte, das Wort ‚barcelonaesk‘ in den Mund zu nehmen. Allein die Chancenauswertung zeigte sich zu den letzten Spielen nicht entscheidend verbessert. Angriffe wurde oft nicht konsequent genug ausgespielt und wenn es doch zu einer echten Torchance kam, wurde diese leichtfertig vergeben. So kam Tomas Pekhart in der 27. Minute nicht an eine scharfe Hereingabe von Hanno Balitsch ran und auch Robert Mak kam nach einer halben Stunde nicht zum Torerfolg, weil er sich den Ball zu weit vorlegte, als er allein in Richtung Freiburger Tor startete.
Es dauerte also schließlich bis in die Nachspielzeit der ersten Halbzeit, ehe das Spielgerät zu einem – wie es so schön heißt – psychologisch wichtigen Zeitpunkt zum zweiten Mal im Freiburger Tornetz zappelt. Nach einer Serie von drei Eckbällen tropfte der Ball im Sechszehner schließlich vor die Füße von Tomas Pekhart, der aus kurzer Distanz kein Problem hatte, die Lücke in der vielbeinigen Abwehr der Gastgeber zu finden.
Wirklich profitieren konnte der Club vom psychologisch wichtigen Zeitpunkt des Treffers jedoch nicht, denn nach der Pause schalteten die Gastgeber ein bis zwei Gänge höher und zeigten, dass sie das Spiel noch keinesfalls abgehakt hatten. Schiedsrichter Kinhöfer muss sich dann in der 53. Minute gedacht haben, dass er die Bemühungen der Breisgauer unterstützen muss. Anders jedenfalls ist es nicht zu erklären, warum der Mann aus Herne nach einem Eckball plötzlich auf den Elfmeterpunkt deutete. Daniel Caliguiri war im Nürnberger Strafraum über seine eigenen Füsse gestolpert und wahrscheinlich aufgrund konditioneller Schwächen wie ein sterbender Schwan zu Boden gesunken. Offensichtlich ist Herr Kinhöfer jedoch nicht sehr anspruchsvoll, was schauspielerische Glanzleistungen angeht und wenn er denn das Ziel hatte, mit seinem Pfiff dem Spiel eine neue Richtung zu geben, hat er dieses Ziel definitiv erreicht.
Denn natürlich verlieh der vom Gefoulten selbst verwandelte Elfmeter den Freiburgern in ihren Aktionen weitere Sicherheit, während der Mannschaft von Dieter Hecking nun sichtlich die Nerven flatterten. Ironie des Spiels: Gerade als der Club begann, sich von der eigenen Nervosität zu befreien und seinerseits wieder Angriffe in Richtung Freiburger Tor startete, fiel auf der Gegenseite nach einem Eckball der Ausgleich. Der ansonsten bärenstarke Javier Pinola, der kurz zuvor selbst noch eine gute Schusschance hatte, wehrte den Ball in der 79. Minute unglücklich zum freistehenden Cedric Makiadi ab, dessen Schuss aus der zweiten Reihe noch abgefälscht wurde und unhaltbar für Raphael Schäfer im Nürnberger Gehäuse einschlug.
Nach dem Ausgleich zeigte sich der Club dann noch einmal als das bessere Team und versuchte, dem Spiel eine weitere Wende zu geben. Die Bemühungen um den Siegtreffer verpufften jedoch wie so oft in ungenauen Zuspielen und so blieb es am Ende beim 2:2-Unentschieden. Ein Ergebnis, das beiden Teams in Sachen Klassenerhalt nur wenig hilft. Ein möglicher Sieger der Partie hätte im Kampf um den Nicht-Abstieg einen großen Schritt gehen können – zumal auch die Konkurrenten an diesem Wochenende nicht über unentschiedene Spiele hinaus kamen. So bleibt es eng in der unteren Tabellenregion und sowohl der Club als auch Freiburg stehen fünf Spiele vor Saisonende mit drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz noch keinesfalls auf der sicheren Seite. Will man das Positive an der Punkteteilung sehen, könnte man hervorheben, dass man nach 34 Spieltagen mit diesem Drei-Punkte-Vorsprung ja durchaus leben könnte und dass zumindest beim Club der Abwärtstrend von zuletzt vier Pleiten in Folge zumindest gestoppt wurde. Am kommenden Mittwoch kommt mit Schalke 04 jedoch ein Gegner ins Max-Morlock-Stadion, bei dem man drei Punkte auch nicht ohne Weiteres auf die Habenseite hinzuaddieren kann. Gleichzeitig werden in den Partien Hertha BSC – SC Freiburg und Mainz 05 – 1.FC Köln mindestens zwei direkte Konkurrenten in der Woche punkten können. Den ein oder anderen Dreier wird es bis zum Saisonfinale auf Clubseite also noch brauchen und für das Seelenheil aller Clubfans wäre es natürlich schön, wenn diese Dreier so schnell wie möglich eingefahren werden können.