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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 28. Spieltag
[Samstag, 31.03.2012] 1.FC Nürnberg – Bayern München 0:1 (0:0)

Es war also mal wieder Derbyzeit im Max-Morlock-Stadion und schaute man sich vor dem Spiel die Bundesliga-Ergebnisse der letzten Wochen an, konnte man als Clubfan schon mit einem recht mulmigem Gefühl in der Magengegend ins fränkisch-bayrische Derby gehen. Auf der einen Seite die Mannschaft von Dieter Hecking, die sich vor knapper Wochenfrist in Stuttgart nicht für ihr engagiertes Auftreten belohnt hatte und mit dem schweren Gepäck von drei Niederlagen in Folge in den 28. Spieltag der Saison ging. Auf der anderen Seite die Großkopferten aus der Landeshauptstadt, die in den letzten Wochen wieder so etwas wie die Leichtigkeit des Seins entdeckt hatten, ihr letztes Auswärtsspiel in der Bundesliga bei Hertha mit 6:0 gewonnen hatten und durch den Punktverlust von Borussia Dortmund am Abend zuvor wieder Morgenluft im Meisterschaftsrennen verspürten.
Dementsprechend froh war man als Clubfan über jeden erkämpften Ball der eigenen Mannschaft und umso länger das Spiel dauerte, desto ruhiger wurde man innerlich – konnte man doch sehen, dass Arjen Robben und Co. an diesem Nachmittag auch nur mit Wasser kochten. Fast konnte man das Treiben auf dem grünen Rasen mit der Stimmung in den Fankurven beider Mannschaften vergleichen. Während in der Nürnberger Nordkurve alles gegeben wurde und man sich gegenseitig immer wieder anpeitschte, schauten die Erfolgsverwöhnten auf der anderen Seite unterkühlt und emotionslos zu. Von echter Unterstützung ihrer Mannschaft waren die Gästefans in etwa so weit entfernt wie der FCN von der zehnten Meisterschaft und während es im Bauern-Block also ruhig und stumm zuging, kam der Club auf dem grünen Rasen immer besser mit den Telekom-Kickern zurecht. Schon in der siebten Minute hatte Philipp Wollscheid seine Qualitäten als Kopfballspieler gezeigt und eine frühe Führung für das Heimteam nur knapp verpasst. Die pomadig aufspielenden und unwillkommenen Gäste indes, bei denen zunächst jeder gradliniger Zug zum Tor fehlte, brauchten bis zur 34. Minute für ihre erste Chance.
Zum Ende der ersten Halbzeit konnte sich die Mannschaft von Dieter Hecking dann sogar ein leichtes Übergewicht erspielen. Es fehlte jedoch zu diesem Zeitpunkt des Spiels der Mut, zielstrebig nach vorne zu spielen. Der Spatz in Form eines Punktes war den Clubberern hier offensichtlich wichtiger als die Taube Heimsieg und so kam es zwar in der 43. Minute noch einmal zu einer guten Chance, als Timmy Simmons eine Hereingabe von Adam Hlousek nicht verwerten konnte, doch in die Kabinen ging es schließlich torlos.
Der Mann mit den Segelohren (-> Gästetrainer) ging also schließlich mit hochrotem Kopf in die Kabine und zeigte zu Beginn des zweiten Spielabschnitts dann deutlich, dass er sich verspekuliert hatte. Hatte er ursprünglich gedacht, die Aufgabe Nürnberg auch mit einer erweiterten B-Elf ohne Scarface Franck Ribery und Chipsfresser Bastian Schweinsteiger zu meistern, musste er nun nachbessern und schickte besagte Herren in der 55. und 57. Minute für Anatoliy Tymoshchuk und Danijel Pranjic auf den Platz.
Den Platz ebenfalls verlassen musste auf Nürnberger Seite schon zur Halbzeit leider Adam Hlousek. Der Tscheche zog sich in einem Zweikampf im Mittelfeld einen Kreuzbandriss im linken Knie zu und wird dem Club mindestens ein halbes Jahr fehlen. Für Hlousek kam Robert Mak, der in der ein oder andeten Szene durchaus für Verwirrung in der Hintermannschaft der Gäste sorgen konnte. Da nun „für Verwirrung sorgen“ nicht zwingender maßen zu zählbarem Erfolg führt, kam es am Ende, wie es kommen musste. Und doch benötigte es am Ende gleich zwei Männer, die jeder für sich mehr Ablöse kosteten, als der gesamte Nürnberger Kader, um zum Torerfolg zu kommen. Fast 70 Minuten hat die Abwehr gehalten, dann leitete eine zu kurze Abwehr von Dominik Maroh das Unheil ein. Franck Ribery scheiterte danach noch aus kürzester Distanz am aufmerksamen Raphael Schäfer. Den Nachschuss versenkte nach Fehler von Javier Pinola dann jedoch Arjen Robben zur Führung des kommenden Vizemeisters.
Einmal mehr muss die junge Mannschaft von Dieter Hecking also einsehen, dass Fussball Ergebnissport ist, zumal der eingewechselte Almog Cohen in der 86. Minute noch die Riesenchance zum Ausgleich hatte. Im einsetzenden Regen fasste sich der Israeli aus rund 30 Metern einfach mal ein Herz, zog ab und stellte Manuel Neuer bei einer seiner wenigen Bewährungsproben vor eine fast unlösbare Aufgabe. Quasi mit dem langen, ungeschnittenen Fingernagel des Mittelfingers, der sich bereits durch den Handschuh gebohrt hatte, lenkte der ehemalige Junioren-Nationalkeeper das Cohen-Geschoss gerade nochs Gebälk. Auch Philipp Wollscheid hätte in der Nachspielzeit noch für eine Ergebniskorrektur sorgen können, setzte seinen Kopfball jedoch ein paar Meter neben das Tor. Neuer wäre an den Ball nicht ran gekommen, auch, wenn 2,50 Meter groß wäre.
Und so verliert der Club also auch das zweite Derby der Saison im Max-Morlock-Stadion mit 0:1 und steckt nach vier Niederlagen in Folge nun wieder bis zum Hals im Abstiegskampf. Zwar haben mit Hertha BSC und dem 1.FC Kaiserslautern die beiden Mannschaften, die auf den direkten Abstiegsplätzen stehen, auch verloren, dafür scheinen Freiburg und Augsburg endgültig Fahrt aufgenommen zu haben – was vor allem im Falle Freiburgs eher ungünstig ist, weil die Breisgauer am Samstag Gastgeber des Clubs sind. Will man den Relegationsplatz in Nürnberg also vermeiden, sollten nicht nur am Osterwochenende endlich mal wieder Punkte herausspringen. Sechs Spiele bleiben bis zum Ende der Saison noch – drei dieser Spiele kann man realistisch betrachtet mit der richtigen Einstellung – und vielleicht an der ein oder anderen Stelle auch etwas Glück – durchaus gewinnen. Dazu gehört dann aber auch, dass der DFB nicht unbedingt wieder einen Schiedsrichter schickt, dessen Mannschaft selbst noch im Abstiegskeller steckt. Herr Zwayer von Hertha BSC jedenfalls nutzte die Gelegenheit noch und zeigte kurz vor Schluss unserem Abwehrturm Philipp Wollscheid die gelbe Karte – für ein harmloses Allerweltsfoul. Wollscheid ist damit aufgrund der fünften gelben Karte im Spiel bei Freiburg nicht dabei. Danke, Herr Zwayer!