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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 26. Spieltag
[Samstag, 17.03.2012] 1.FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:3 (1:2)

Es war der erste Frühlingsspieltag des Jahres 2012… Fast 40.000 Zuschauer nutzten das gefühlte Sommerwetter und entschieden sich für einen schönen Samstag bei ihrem Club. Den Samstag sollten sie bekommen, schön war er nicht. Oder nur ein paar Minuten.
Eine Woche nach der Niederlage in Mainz hat die Mannschaft von Dieter Hecking das gefürchtete Abstiegsgespenst wieder in die Stadt gelassen und nicht zum ersten Mal einer gegnerischen Mannschaft dabei geholfen, die eigene Negativserie zu durchbrechen. Mit ganzen fünf Auswärtspunkten und jämmerlichen neun Toren auf fremdem Platz war der hoch gezüchtete VfL Wolfsburg nach Franken gereist. Mit dem ersten Auswärtssieg seit dem ersten Spieltag durfte die Mannschaft von Felix Magath wieder abreisen.
Vielen Dank also, FCN, dass Du auch mal an die Anderen denkst. Schöner wäre es allerdings, Du würdest auch mal an die eigenen Fans denken, ohne große Nervenschlacht drei Punkte einsacken, den Mund abwischen und ein klares Zeichen setzen, wo Du Dich nach all der Aufbauarbeit der letzten Jahre selbst siehst. Das Zeichen haben die Fans verstanden… Der Club ist und bleibt ein Abstiegskandidat. Wenn auch nicht unbedingt als Nummer eins, sondern eher im erweiterten Kreis, doch spätestens wenn man auf die anderen Ergebnisse des Samstags blickt, weiß man, dass die Messe noch längst nicht gelesen ist.
Lieber Club, versteh das jetzt bitte nicht falsch! Auch wir Fans können durchaus realistisch denken und bei aller Euphorie, die nach der kurzen Siegesserie von drei Spielen in Folge mit neuen Punkten aufkam: Der Hinterkopf war stets noch mit dem Blick nach unten beschäftigt. Das Problem ist: Nimmt man die Leistung vom Samstag gegen sonst so harmlose Auswärtswolfsburger zum Maßstab und erinnert man sich gleichzeitig an den Schlafstart in Mainz, es könnte der Eindruck entstehen, dass Du, lieber FCN, diesen Blick nach unten zwischenzeitlich vernachlässigt hast. Wie sonst ist es zu erklären, dass man in Mainz nach weniger als einer Minute mit 0:1 im Hintertreffen liegt? Wie sonst ist es zu erklären, dass man ein Spiel, dass man gegen die Auswärtsloser der Republik nach acht Minuten (!!!) mit 1:0 anführt, noch derart emotionslos herschenkt?
Die langweiligen Details eines früh entschiedenen Spiels mögen wir uns an dieser Stelle schenken und allein auf die harten Fakten gucken: Der Club nutzt die erste Chance des Spiels. Alexander Esswein sprintet in der achten Minute bis an die Grundlinie, flankt butterweich in die Sturmmitte, wo Daniel Didavi nur noch den Kopf hinzuhalten braucht, um das Leder im Wolfsburger Netz unterzubringen. Eine frühe Führung – kann man ein Spiel besser beginnen (-> Mainz 05)? Nun, man kann es zumindest besser weiterführen als es der 1.FC Nürnberg an diesem sonnigen Samstag getan hat. Statt weiter Druck aufzubauen, Zweikämpfe zu suchen und irgendwann toremäßig nachzulegen, lässt man den Gegner wieder ins Spiel kommen und hilft diesem, in dem man in der Hintermannschaft nur Geleitschutz gibt, statt Gegenangriffe rigoros zu unterbinden. Und so kann dann Marcel Schäfer in der 15. Minute ungestört flanken, profitiert dabei auch von einem Stellungsfehler von Raphael Schäfer, und schon steht Mario Mandzukic am langen Pfosten und kann ungehindert zum Ausgleich einköpfen. Eine Chance auf jeder Seite, ein Tor auf beiden Seiten – bis hierhin konnte man das als optimale Chancenauswertung beider Mannschaften auslegen. Dumm nur, dass Wolfsburg mit dieser optimalen Chancenauswertung gleich in der 24. Minute weiter machte: Torschütze Mandzukic legte Patrick Helmes auf, der zog aus der zweiten Reihe ab und es klingelte zum 1:2 im Nürnberger Tor.
Nach einer guten halben Stunde konnte der Club dann schon mal den Ernstfall für die nächste Saison proben: Philipp Wollscheid musste mit Adduktorenproblemen ausgewechselt werden. Für ihn kam nach langer Leidenszeit Per Nilsson ins Spiel. An der Sicherheit in der Nürnberger Hintermannschaft änderte das an diesem Samstag jedoch wenig bis gar nichts: Sie war einfach nicht vorhanden.
Timothy Chanlder machte schließlich die hundertprozentige Chancenverwertung des bisherigen Spiels zunichte, in dem er in der 33. Minute an seinem eigenen Abschluss und nur zwei Minuten später am herausstürmenden VfL-Keeper Diego Benaglio scheiterte. Auch Wolfsburg leistete sich in der 39. Minute dann noch den Luxus einer ausgelassenen Torchance, als Mandzukic einen Kopfball auf die Latte des Nürnberger Gehäuses setzte.
Nach dem Seitenwechsel setzte Trainer Dieter Hecking ein Offensivzeichen und brachte Albert Bunjaku für Hanno Balitsch – der Effekt verpuffte jedoch, weil die grünen Gäste in der 54. Minute wieder trafen. Dieses Mal verlängerte Mandzukic einen Einwurf per Kopf, wieder stand Helmes genau richtig, zog aus der Drehung ab und jubelte über das 3:1 für Wolfsburg. Albert Bunjaku hätte das Spielgeschehen in der 65. Minute noch einmal spannend machen können, scheiterte jedoch – nachdem er Gäste-Keeper Benaglio umkurvt hatte – aus spitzem Winkel.
Der Rest war Schön-Wetter-Fußball! Nürnberg bemüht (wie es so schön heißt), Wolfsburg kompakt (wie es auch so schön heißt). Indes: Schön anzusehen war das nicht. Und so feierten sich die Fans auf den Rängen irgendwann mit Konfetti-Regen selbst, während die Mannschaft in rot-schwarz mehr und mehr den Abpfiff  von Schiedsrichter Guido Winkmann herbei sehnte.
Zum zweiten Mal nacheinander tritt der Club damit auf der Stelle und verpasst einen weiteren Befreiungsschlag in Sachen Abstieg. Im Gegenteil: Während die Mannschaft von Dieter Hecking dem ersten belschanov’schen Gesetz, dass Heimspiele gewonnen gehören, keine Beachtung schenkte, beginnen die anderen Teams im Schneckenrennen Abstiegskampf langsam Tempo aufzunehmen. Augsburg drehte sein Heimspiel gegen Mainz 05 und siegte am Ende 2:1, Freiburg überraschte gar mit einem deutlichen 3:1 beim Hamburger SV. Verlass scheint in der unteren Tabellenhälfte momentan allein auf den 1.FC Kaiserslautern, der am Sonntag sein Heimspiel gegen Schalke ähnlich kampflos und trotz eigener, frühen Führung herschenkte wie der Club und die Hertha, die im Heimspiel gegen Bayern München sang- und klanglos mit 0:6 unterging. Das mit der Hertha schmeckt den Berliner Clubberern zwar nur so mittel, weil sie mal wieder um ihr „Heimspiel“ für die nächste Saison fürchten müssen, doch wenn es hart auf hart kommt, werden natürlich keine Verwandten gemacht. 31 Punkte hat der Club nun in 26 Spielen gesammelt, der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist an den letzten beiden Wochenenden von neun auf sechs Punkte geschmolzen. Mit dem Auswärtsspiel in Stuttgart und dem Derby gegen die Bauern stehen nun zwei Spiele an, die man nicht unbedingt der Kategorie „einfach“ zuschreiben kann. Da DER DISORDER im Grunde jedoch ein positiv denkender Mensch ist, nimmt er die Tatsache, dass der Club sich gerne als Aufbaugegner für kriselnde Gegner (-> Freiburg in der Hinrunde, Wolfsburg) opfert, genauso hin, wie er auf die Hoffnung baut, dass es dem Team von Dieter Hecking in dieser Saison bisher immer gelungen ist, genau dann zu gewinnen, wenn es unbedingt nötig ist (-> Kaiserslautern, Leverkusen in der Hinrunde, Hertha und Köln in der Rückrunde). Und gerne zitiert sich DER DISORDER an dieser Stelle dann auch noch einmal selbst und verweist auf seinen Kommentar nach dem Spiel gegen Mönchengladbach: Wer hatte nach dem Grottenkick in Augsburg schon damit gerechnet, was folgen würde? Also, Club: Den Grottenkick haben wir am Samstag wieder gesehen – Du weißt, was nun wieder folgen darf…