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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 24. Spieltag
[Sonntag, 04.03.2012] 1.FC Nürnberg – Bor. Mönchengladbach 1:0 (0:0)

Schauen wir doch an dieser Stelle einfach mal kurz zurück! Ganze drei Wochen ist es her – es war ebenfalls ein Sonntag – und gerade hatte der Schiedsrichter das Clubspiel gegen den FC Augsburg abgepfiffen. Ein torloses Gemetzel an jeder Art von Fußballästhetik hatte durch den schönsten Pfiff des Tages sein torloses Ende gefunden und egal, wohin man schaute: Lange Gesichter in rot-schwarz! Nicht einmal gegen Augsburg können die Derbyversager mehr gewinnen! Ach was, wer spricht von gewinnen? Nicht einmal einen Ball können sie ordentlich stoppen!
Einundzwanzig Tage später scheint dieses Szenario wie die verschleierte Erinnerung an längst vergangene Zeiten. 31 Punkte auf dem Konto, einen zumindest zwischenzeitlichen Meisterschaftsaspiranten mit 1:0 aus dem Stadion gefegt – jawohl, gefegt! Der Sturm kam spät und er dauerte nicht lang – doch zumindest kam er! Und das ist es, was zählt! Zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die meisten der 45.675 Zuschauer im Max-Morlock-Stadion auf beiden Seiten mit einem torlosen Remis zufrieden gegeben hätten, zieht an der Seitenlinie ein gewisser Albert Bunjaku die Trainingsjacke aus. DER DISORDER jauchzt kurz auf und übernimmt in der ihm eigenen Tollkühnheit den Job, den Caro B. aus F. in den letzten beiden Wochen mit Bravour gemeistert hatte: Er verspricht Tilman K. neben ihm den späten 1:0-Siegtreffer durch eben jenen Albert Bunjaku. Und da man gemeinsam stärker ist, setzt Bernd H. sogar noch einen drauf und gibt seinem Kollegen Norbert den Hinweis: In der 87. Minute.
Und damit wäre das Spiel vom Sonntag dann eigentlich auch schon fast erzählt. Dieter Hecking bringt den leidgeprüften Schweizer in der 84. Minute für Jens Hegeler und darf kurze Zeit später mit Freuden vernehmen, wie Philipp „Mr. Lufthoheit“ Wollscheid sich im Mittelfeld den Ball erkämpft und den unermüdlichen Alexander Esswein auf die Reise schickt. Der U21-Nationalspieler tankt sich bis zur Grundlinie durch, bringt den einzig richtigen Pass in den Rücken der Abwehr, wo Albert Bunjaku mutterseelenallein und genau richtig steht, um keine Mühe zu haben, der besten Abwehr der Bundesliga den insgesamt 15. Gegentreffer der Saison einzuschenken.
Drei Minuten später war der dritte Sieg in Folge im Sack und der Jubel dementsprechend groß. Vergessen waren die 87 Minuten vorher, die man nur bei sehr wohlwollender Betrachtungsweise als taktisch-interessantes Geplänkel bezeichnen konnte. Beide Mannschaften waren in erster Linie darum bemüht, das eigene Tor zu sichern und auch, wenn Borussia Mönchengladbach in beiden Halbzeiten zunächst schneller ins Spiel gefunden hatte und am Ende fast 70 Prozent Ballbesitz verzeichnen konnte: Für eine Mannschaft, die mit einem Sieg an Bayern München vorbei auf Platz zwei der Tabelle hätte vorrücken können, zeigte die Borussia erstaunlich wenig Zug nach vorne. Marco Reus in der vierten Minuten und Mike Hanke zwei Minuten später setzten mit ihren Schüssen aus der Distanz zwar erste Duftmarken, ließen jedoch keine weiteren Taten folgen. Der Club stand sicher in der Deckung, brachte jedoch nach vorne zunächst auch nicht viel zustande. Geburtstagskind Dominic Maroh war es, der in der 35. Minute die erste wirkliche Torchance für den FCN hatte. Der Innenverteidiger kam nach einer langen Hereingabe am langen Pfosten zum Kopfball, fand jedoch in Gladbachs Keeper Marc-André ter Stegen seinen Meister. Im direkten Gegenzug hätte Ex-Clubberer Harvard Nordtveit die große Möglichkeit gehabt und startete zunächst allein in Richtung Nürnberger Tor. Der Norweger brauchte jedoch zu lange, um den Ball unter Kontrolle zu bringen und wurde von Timmy Simons in bester Abwehrmanier gestoppt.
Nach dem Seitenwechsel verzeichneten die Gäste ihre größte Torchance. Juan Arrango stand in der 48. Minute plötzlich frei vor Raphael Schäfer, weil Timothy Chandler bei der Flanke nicht aufgepasst hatte. Der Gladbacher Stürmer war jedoch selbst zu überrascht, um den Ball im Tornetz unterzubringen.
Mit zunehmender Spieldauer wurde der Club dann mutiger. Während die Borussia mehr und mehr zeigte, dass man mit einem Punkt in Nürnberg durchaus zufrieden war, legte der FCN langsam, aber spürbar Gang um Gang zu. Erneut Dominic Maroh war es, der in der 76. Minute fast für Führung der Gastgeber gesorgt hätte. Am langen Pfosten kam er jedoch einen Schritt zu spät. Markus Feulner versuchte es in der 78. Minute noch mit einem Fernschuss, doch ter Stegen war schnell genug unten, um den Ball festhalten zu können.
Der Rest ist Geschichte: Albert Bunjaku trifft, wie es früher nur Marek Mintal getan hätte und mit dem Abpfiff von Schiedsrichter Tobias Welz kletterte der Club einen weiteren Platz im Gesamtklassement nach oben. Platz neun bedeutet nun zumindest vorübergehend das Mittelste aller Mittelfelder. Nach Europa sind es fünf Punkte, bis zur Relegation sind es neun Punkte – und da es sowieso jeder so tut, wie er will, möge doch an dieser Stelle eben auch jeder Clubfan selbst entscheiden, in welche Richtung er nun schaut. In der Hinrunde stand man nach sieben gespielten Partien ebenfalls auf Platz neun, wenn auch mit zehn Punkten. Nun steht man zwar auch auf Platz neun, doch legt man allein die Rückrunde zugrunde, sähe das schon fast nach dem Rennen um einen ChampionsLeague-Platz aus: Platz vier mit 13 Punkten – Respekt, lieber Herr Hecking, Respekt, lieber Club, das kann sich mehr als sehen lassen. Und wie sagte Albert Bunjaku nach dem Spiel gegen Mönchengladbach so richtig: „Wir schauen nicht nach unten, wir schauen nicht nach oben, wir schauen von Spiel zu Spiel.“ In diesem Sinne: Der Club ist eine der Mannschaften der Stunde in der Bundesliga. Die Uhr wird jedoch vor jedem neuen Spiel wieder auf Null zurückgesetzt – bleibt der Club jedoch auch für die nächsten zehn Partien noch eine der Mannschaften der Stunde, haben wir mal wieder eine geile Saison gesehen. Und träumen wird man ja als Fußballfan noch dürfen…