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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 21. Spieltag
[Sonntag, 11.02.2012] FC Augsburg – 1.FC Nürnberg 0:0 (0:0)

Noch in den frühen Abendstunden saß DER DISORDER am Sonntag in der Berliner Clubkneipe „Max und Makek“ und lauschte den Diskussionen langjähriger Clubfans. Und bei aller Diskussionsfreude stand den Damen und Herren doch auch Stunden nach dem Spiel vor allem eins ins Gesicht geschrieben: Fassungslosigkeit.
Kaum einer der Anwesenden konnte sich erinnern, wann er das letzte Mal solch einen Grottenkick des Clubs gesehen hat. Einschränkend kam zwar oft der Zusatz „zumindest in der ersten Halbzeit“, doch spätestens wenn die Sprache auf die ein bis zwei – vielleicht auch drei – guten Chancen kam, die sich der Club in Durchgang zwei dann doch noch erspielen konnte, wuchs die Fassungslosigkeit in den Gesichtern wieder: Wie kann man solche Chancen vergeben?
Als es dann später am Abend vor lauter Fassungslosigkeit kaum noch Gesprächsthemen im Max und Marek gab, warf DER DISORDER wagemutig einfach mal eine These in die Runde: Was wäre, wenn der Club gar nicht so schlecht ist, wie er tut? Wenn wir in unserem Club statt einen Abstiegskandidaten einfach eine Mannschaft sehen, die es wie kein anderes Team mit Leichtigkeit schafft, sich dem Niveau des jeweiligen Gegners anzupassen? Kommt der aktuelle Meister nach Nürnberg, wird spielerisch mitgehalten, werden sich Chancen erarbeitet und vergeben, die gegen den FC Augsburg zu einem sicheren 3:0-Sieg geführt hätten. Und ist man dann eben in Augsburg zu Gast, nimmt das Mitleid mit dem zukünftigen Zweitligisten Überhand. Man schraubt das eigene Niveau ins Bodenlose, lässt gerade so viel zu, dass es zu keinem Gegentor kommt und um die Sache im Keller der Bundesliga spannend zu halten, begnügt man sich am Ende mit einem Punkt und damit, den Vorsprung auf Augsburg zu halten und auf Kaiserslautern, Freiburg und Hertha zu vergrößern.
Kaum hatte DER DISORDER diese These geäußert, blickte er in ungläubige Augen. Und schnell musste er natürlich auch zugeben, dass das Ganze nicht so furchtbar ernst gemeint war. Anders als mit Humor sind die aktuellen Leistungen des Clubs jedoch kaum auszuhalten. Der Abstiegskampf entpuppt sich mehr und mehr als Schneckenrennen. Da sind fünf bis sechs Teams, die mit dem Rest der Liga nicht so recht mithalten können und leider gehört auch der Club dazu – genau wie Augsburg, Freiburg, Kaiserslautern, die tollwütige Hertha und spätestens nach der Auswärtsniederlage am kommenden Wochenende auch der 1.FC Köln.
Hüllen wir also an dieser Stelle den Mantel des Schweigens über das Spiel in Augsburg. In der ersten Halbzeit gab es sowieso rein gar nichts, was in einen anständigen Spielbericht gehört und in Durchgang Nummer zwei hätte allein Alexander Esswein das Spiel zwei Mal entscheiden können. Doch erst scheitert er – mit sehenswertem Hackentrick von Jens Hegeler auf die Reise geschickt – an den eigenen Nerven und schießt in der 76. Minute – nur noch FCA-Keeper Simon Jentzsch vor sich – am Tor vorbei. Und dann denkt er in der 80. Minute, es besonders schön machen zu müssen, den Keeper noch umspielen zu müssen, statt den Ball einfach über den herauseilenden Jentzsch zu lupfen. Bleibt schließlich noch ein Fernschuss von Timothy Chandler in der 82. Minute, den FCA-Torhüter Jentzsch nur deshalb abwehren konnte, weil er 2,50 Meter groß ist. Eine der schönsten Ballstaffeten, die man vom Club in den letzten Jahren gesehen hat, gab es bereits in der 72. Minute. Plötzlich lief der Ball in Augsburger Strafraumnähe durch die eigenen Reihen, was die beteiligten Clubspieler dann aber irgendwann selbst so überraschte, dass der nötige Torschuss am Ende einfach vergessen wurde. So musste sich am Ende auch Raphael „Magneto“ Schäfer noch auszeichnen, indem er einen satten Schuss von Ja-Cheol Koo in der 86. Minute gerade noch an die Latte lenken konnte.
So kam der Club am Ende mit einem 0:0 davon – nicht Fisch, nicht Fleisch und statt die Gelegenheit zu nutzen und sich in der Tabelle zumindest ein klein wenig Luft zu verschaffen, bleibt man nach dem Spiel in Augsburg auf Platz 14. Auf der Habenseite stehen nun 22 Punkte und das erste Auswärtsunentschieden der Saison. Bleibt an dieser Stelle also eigentlich nur zu hoffen, dass Dieter Hecking nächste Woche nicht wieder recht behält, wenn er kein schönes Spiel ankündigt. Oder eben, dass er vielleicht sogar auf die Idee kommt, seinen Spielern einzuimpfen, dass der 1.FC Köln eine Spitzenmannschaft ist und man dementsprechend selbst wie eine auftrumpfen muss.