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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 19. Spieltag
[Freitag, 27.01.2012] Hannover 96 – 1.FC Nürnberg 1:0 (1:0)

Nix war es also mit dem perfekten Start in die Rückrunde. Der Club hat in Hannover verloren und gerade über die erste Halbzeit müsste man als Clubfan an dieser Stelle kein weiteres Wort verlieren, wäre in den ersten 45 Minuten nicht der letztlich entscheidende Treffer für die Niedersachsen gefallen. Mohammed Abdellaoue hatte in der 18. Minute mit einer Volleyabnahme nach Flanke von Lars Stindl ins Nürnberger Tor getroffen und somit früh für die Führung der seit acht Spielen sieglosen Hannoveraner gesorgt. Der Club war zu diesem Zeitpunkt vollkommen aus dem Spiel und sollte bis zum Halbzeitpfiff auch nicht wieder kommen. Trainer Dieter Hecking hatte die Mannschaft nach dem Auftaktsieg gegen die Hertha auf einer Position umgestellt. Markus Feulner kam nach abgesessener Gelbsperre zurück ins Spiel und ersetzte Jens Hegeler auf der Position des rechten Verteidigers. Hegeler rückte dafür ins linke Mittelfeld, von wo Alexander Esswein in den Angriff rückte. Leidtragender war schließlich Thomas Pekhart, der nach zuletzt schwachen Auftritten zunächst auf der Bank Platz nehmen musste. Qualitativ brachten dem Club die Umstellungen zunächst jedoch wenig bis gar nichts. Nach zwei kleinen Nadelstichen von Almog Cohen und Christian Eigler in den Startminuten, übernahm Hannover 96 die Kontrolle auf dem Spielfeld und konnte teilweise schalten und walten, wie es wollte. Die Clubspieler rannten hinterher, standen Spalier und erwiesen sich als dankbarer Gegner für die Mannschaft von Mirko Slomka. Das Gefühl, dass an diesem Abend in der AWD-Arena ein zählbarer Erfolg erzielt werden konnte, blieb bei den mitgereisten Clubfans jedenfalls aus. Schon in der siebten und neunten Minute hätten die 96er in Führung gehen können. Zunächst jedoch zielte Abdellaoue nur wenige Zentimeter zu hoch und dann konnte Raphael Schäfer einen Fernschuss von Sergio Pinto gerade noch um den eigenen Torpfosten lenken.
Nach dem Führungstreffer ließen es die Gastgeber dann ein wenig ruhiger angehen und allein dieser Tatsache war es zu verdanken, dass der Club mit nur einem Tor Rückstand in die Halbzeitpause ging. Hätte Hannover weiter mit dem Druck der ersten Minuten gespielt, es hätte einem Angst und Bange um die lustlos wirkende Truppe aus Franken werden können.
Umso erstaunlicher war es, dass sich den 35.400 Zuschauern in der AWD-Arena in der zweiten Hälften ein umgekehrtes Bild bot. Thomas Pekhart war nun doch wieder in die Mannschaft zurückgekehrt, während Almog Cohen in der Kabine geblieben war. David Didavi rückte ins zentrale Mittelfeld, Jens Hegeler dafür als Doppelsechs direkt neben Timmy Simons und plötzlich lief das Spiel beim Club. Man ging aggressiver in die Zweikämpfe, lief auch mal ohne den Ball am Fuß und kam nun sogar zu vereinzelten Möglichkeit. Christian Eigler feuerte in der 53. Minute einen ersten Warnschuss ab und Thomas Pekhart scheiterte in der 55. Minute mit einem Hechtkopfball nur an der Fußabwehr von 96-Keeper Ron-Robert Zieler. Nach einer knappen Stunde lieferte sich Emanuel Pogatetz einen Ringkampf im eigenen Strafraum mit Philipp Wollscheid. Eine klare Tätlichkeit des Österreichers, für die es eigentlich hätte Elfmeter für den Club geben müssen. Die Pfeife von Schiedsrichter Marco Fritz blieb jedoch stumm und war nach Abpfiff der größte Aufreger für Dieter Hecking. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr selten etwas gegen Schiedsrichter-Entscheidungen sage, aber jetzt ist es genug! Wir wurden in dieser Saison schon zu oft benachteiligt“, schimpfte der Trainer nach dem Spiel. „Diese Fehlentscheidungen kosten uns wichtige Punkte, die uns am Ende dringend fehlen könnten.“
Es sind natürlich letztlich nicht nur die Fehlentscheidungen, die dem FCN die Punkte kosten. Nach dem vermeintlichen Foulspiel blieb dem Club noch eine halbe Stunde, um Ergebniskorrektur zu betreiben. Doch die Angriffsbemühungen der Gäste kamen letztlich zu stoßweise. Immer wieder gönnten sich die Akteure ganz in weiß Atempausen, schalteten einen Gang zurück und verschafften so auch ihrem Gegner die nötige Luft. Einfache Bälle versprangen, Schussversuche landeten fast im Seitenaus und Pässe über wenige Meter fanden ihren Adressat nicht: Der Club machte sich durch eigene Unzulänglichkeiten das Leben unnötig schwer und so lief ihm dann irgendwann die Zeit weg. Da hilft es auch nicht, dass man unmittelbar vor Schluss noch einmal eine Großchance hatte, die letztlich nur mit viel Pech nicht zu einem Torerfolg führte. Nach einer Freistoßhereingabe von Adam Hlousek erwischte Jens Hegeler die Lederkugel am Fünfmeterraum von 96, schoss dann aber mit Daniel Didavi den eigenen Mann an, so dass der Ball schließlich wenige Zentimeter neben dem Tor vorbei ging. Ron-Robert Zieler im 96-Tor hätte hier nicht die geringste Abwehrchance gehabt.
So aber blieb es beim am Ende dann doch etwas unglücklichen 0:1 für den Club. Der Big Point wurde wieder einmal leichtfertig vergeben und als Clubfan fragt man sich langsam, ob die Spieler im FCN-Trikot den Druck des unbedingten „Gewinnenmüssens“ brauchen, um ihre volle Leistung abrufen zu können. Durch eine komplett verschlafene erste Halbzeit hat man versäumt, ein durchaus mögliches Ausrufezeichen im Abstiegskampf zu setzen und erhöht somit den eigenen Druck für das Heimspiel am kommenden Freitag gegen Borussia Dortmund. Die zweite Hälfte der Bundesliga-Tabelle rückt indes weiter zusammen. Auf Platz acht sind es für den Club gerade mal zwei Punkte Rückstand. Gleichzeitig sind es bis zum Relegationsplatz nur noch drei Punkte Vorsprung bzw. bis zum Tabellenende fünf. Von Vorentscheidungen oder gar Entscheidungen im Abstiegskampf ist man zur Zeit in den unteren Tabellenregionen also noch meilenweit entfernt. Dennoch – oder gerade deshalb – sollte man beim FCN gucken, dass man die richtige Richtung nun möglichst schnell einschlägt und die sich bietenden Chancen nutzt, sich Luft nach unten zu verschaffen. Schließlich wissen wir alle, wie es dem Club oft genug ergangen ist, wenn es am Ende gegen den Abstieg noch ähnlich knapp zuging wie zur Zeit.