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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 18. Spieltag
[Samstag, 21.01.2012] 1.FC Nürnberg – Hertha BSC Berlin 2:0 (1:0)

Nanu, was ist das denn? Eine jubelnde Rodlerin als Titelbild für einen Spielbericht vom Club? Spinnt denn DER DISORDER nun völlig? Naja, sagen wir mal so: Die Antwort auf die letzte Frage möge vielleicht jeder für sich selbst beantworten, Fakt ist jedoch: Die junge Dame auf dem Schlitten hat sich am Wochenende mindestens ebenso gefreut, wie DER DISORDER über den – zumindest vom Ergebnis her – gelungenen Rückrundenauftakt vom Club. Zu erwarten war Beides nicht unbedingt… weder der Sieg der jungen Dame auf dem Bild, noch der erfolgreiche Auftritt des Clubs. Wer sich nämlich über die Feiertage und den Jahreswechsel nicht bis zur kompletten Amnesie gesoffen hat, wird sich zumindest dunkel und ungerne an eine der schwärzesten Stunden des Clubs in der jüngsten Vergangenheit erinnert haben, als er am Samstag zum Spiel gegen die Hertha ins Max-Morlock-Stadion unterwegs war.
Und seien wir ehrlich: Spielerisch war das, was der Club gegen die alte Tante aus der Hauptstadt gezeigt hat, nicht viel besser als jenes dunkle Kapitel gegen die verbotene Stadt. Allein, es scheint, dass die Hertha mit ihrem neuen, charismatischen Trainer tatsächlich schlechter ist als die Unaufsteigbaren. Immerhin hat es der Club am Samstag zwei Mal geschafft, die Abwehr der Hauptstädter zu knacken.
Im Großen und Ganzen jedoch reichte bereits der recht kleine Bildschirm eines iPads, auf dem DER DISORDER das Spiel im Hochsauerland zumindest in der zweiten Halbzeit verfolgen konnte, um sehen zu können, dass das Spiel auf dem vom Schneeregen durchweichten Rasen des Max-Morlock-Stadions für beide Seiten alles andere als einfach war. Dies soll nun zwar keineswegs als Entschuldigung für die 22 Akteure gelten, die sich am Samstag Nachmittag in Nürnberg abmühten, gleichzeitig jedoch nicht unerwähnt bleiben, war sich doch ein gewisser Herr Schweinsteiger nicht zu schade, eben genau den schlechten Zustand eines Rasens am Niederrhein als Hauptgrund für die eigene Niederlage an den Haaren herbei zu ziehen. Geht man also von diesem Standpunkt an die Sache heran, zeigte sich der 1.FC Nürnberg am Samstag in besserer Verfassung als die Münchener Bauern tags zuvor in Mönchengladbach. Und das ist doch auch schon mal was.
Da DER DISORDER aufgrund beruflicher Verpflichtungen gezwungen war, die erste Halbzeit des Nürnberger Rückrundenauftakts lediglich per Live-Ticker über das Internet zu verfolgen, muss er an dieser Stelle den weithin als kompetent angesehenen Medien Glauben schenken, die sich nach Abschluss des Spiels darüber stritten, ob denn der Club oder die Hertha in den ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft war. Die Einen schrieben von der starken Defensivleistung des Clubs, die kaum Chancen für die Gäste zuließ, die Anderen betonten, dass die Hertha die reifere Spielanlage hatte und nach Anlaufschwierigkeiten zu Spielbeginn letztlich Ball und Gegner unter Kontrolle brachten. Einig sind sich die einschlägigen Internet-Portale darin gewesen, dass der Führungstreffer des Clubs ein wenig glücklich gefallen ist. Zwar hatte der 1.FC Nürnberg bereits in der Anfangsphase eine Großchance, als Philipp Wollscheid den Ball kunstvoll von Innenpfosten zu Innenpfosten springen ließ, doch hätte auf der anderen Seite die Hertha bei mehr Konsequenz im Spiel nach vorne durchaus mehrmals in Führung gehen können.
Dann jedoch kam der beherzte Schuss von Alexander Esswein in der 43. Minute. Ex-Bauern Keeper Thomas Kraft behauptete nach dem Spiel zwar, dass er den Schuss problemlos gehalten hätte, wäre sein eigener Vordermann Roman Hubnik nicht noch mit dem Kopf am Ball gewesen, doch wird der Tscheche in der Berliner Hintermannschaft seinen Grund gehabt haben, warum er den Schädel in die Flugbahn des Esswein-Schusses gehalten hat. Hätte er ihn für ungefährlich gehalten, er hätte die Omme eingezogen.
So also führte der Club zum Wiederanpfiff mit 1:0 und sorgte beim Disorder schon mit Beginn des zweiten Durchgangs für eine erhöhte Herzfrequenz. Würde der knappe Vorsprung reichen? War der Club an diesem Nachmittag wirklich besser als die blau-weiß gestreiften Hauptstadtkicker? Es dauerte nicht lange, ehe DER DISORDER zumindest sehen konnte, dass die Hertha an diesem Wochenende auch nur mit Wasser kochte. Die Pässe der Gäste kamen mindestens ebenso oft nicht an, wie die seiner geliebten Clubberer. Nach vorne hatte Tomas Pekhart in der 59. Minute dann unvermittelt die große Chance zur Vorentscheidung auf dem Fuß. Völlig allein stand der Tscheche plötzlich vor BSC-Keeper Kraft, wusste jedoch vor lauter Alternativen nicht mehr, wie man den Ball an einem herausstürmenden Torhüter vorbei bringt.
Nur sieben Minuten später hätte sich die vergebene Großchance fast gerächt. Nach einem Eckball der Herthaner in der 66. Minute erweist sich jedoch ausgerechnet der nur 1,69 Meter große Almog Cohen auf der eigenen Torlinie als unüberwindbares Hindernis. Zunächst bekam Hubnik den Ball am Israeli nicht vorbei, dann scheiterte im Nachschuss auch noch Peter Niemeyer.
Für die Hertha kam es schließlich dann so, wie es kommen musste und wie es normalerweise nur dem Club ergeht. Nach einem Freistoß von FCN-Neuzugang Adam Hlousek aus halbrechter Position flog das runde Spielgerät in der 85. Minute in den Berliner Strafraum, dort an Freund und Feind vorbei, bis am langen Pfosten der auf leisen Sohlen nach vorne geschlichene Dominik Maroh nur noch den Fuß hin zu halten brauchte. Der Jubel war groß, das 2:0 war da – und keinesfalls selbstverständlich. Es gab Phasen beim Club, da hätte ein Spieler in weinrotem Trikot den aufspringenden Flankenball von Hlousek noch neben das Tor bugsiert. So aber ließ der Club letztlich nur noch eine Großchance zu, bei der man in der 90. Minute deutlich sah, warum Hubnik im Hauptberuf Verteidiger ist. Der Tscheche hob den Ball – völlig allein und ohne Gegenspieler an der Strafraumgrenze stehend – zwar an Raphael Schäfer vorbei, jedoch auch am Clubtor.
Der 1.FC Nürnberg darf sich somit nun damit rühmen, sein 1000. Bundesligaspiel gewonnen zu haben. Eine Statistik, die letztlich ebenso Bestand haben wird, wie die Derby-Niederlage kurz vor Weihnachten. Spricht man von Wiedergutmachung, ist den Schützlingen von Dieter Hecking mit dem Sieg über die Hertha mit Sicherheit nur ein erster Schritt in die richtige Richtung gelungen. Weitere Siege müssen folgen. Nicht nur, um am Ende der Saison über dem Strich zu stehen, sondern auch, um die Leute wieder zu versöhnen, die sich jede Woche und bei jedem Wetter in Richtung Stadion auf den Weg machen, um den Club anzufeuern. Die Nachwirkungen der Derby-Niederlage jedenfalls sind bei so manchem Fan sehr viel tiefer als es die Vereinsführung im Moment offensichtlich wahr haben will. Da zieht man mit irgendwelchen fadenscheinigen Begründungen zwei Tage vor dem Spiel die Zäune vor Block 7, 9 und 11 wieder hoch und zeigt sich damit ähnlich kurzsichtig wie die Leute, die nach dem Aus im DFB-Pokal in Richtung Gästeblock gestürmt sind. Ein Zaun jedenfalls hätte den Platzsturm an dem Dienstag im Dezember auch nicht verhindert, und Unrecht mit Unrecht zu begegnen hat in der Vergangenheit nur selten bis nie zu einer Lösung geführt.
In diesem Sinne wird so manchem Verantwortlichen am Samstag um 17.20 Uhr ein felsengroßer Stein vom Herzen gefallen sein, als der 2:0 Sieg mit Abpfiff von Schiedsrichter Peter Gagelmann unter Dach und Fach war. Bleibt zu hoffen, dass sowohl Mannschaft als auch Vereinsführung wissen, dass allein Siege in den nächsten Wochen helfen, um die Stimmung zwischen Mannschaft und Fans nicht endgültig kippen zu lassen. Das mag nach einem Sieg zum Auftakt einer hoffentlich erfolgreichen Rückrunde zwar hart klingen, doch gegen tief sitzenden Frust hilft am Ende nur lang anhaltende Freude und kein Mensch weiß das besser als die junge Rodlerin auf unserem Bild ganz oben. Und weil das so ist, gibt es an dieser Stelle nun ein Freibier vom Disorder – entweder live beim Club oder im Max und Marek – und zwar für alle, die sagen können, wer das da auf dem Bild denn nun eigentlich ist und warum sie sich so freut. Die erste, die zehnte und zwanzigste E-Mail, die mit der richtigen Lösung an info(at)clubberer04.de geht, gewinnt.