Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

DFB-Pokal 2011/2012, Achtelfinale
[Dienstag, 20.12.2011] 1.FC Nürnberg – SpVgg Greuther F**** 0:1 (0:1)

Es ist zum Kotzen! Der 1.FC Nürnberg bringt sich selbst um ein ruhiges Weihnachtsfest und verabschiedet sich mit einem kläglichen 0:1 gegen die Westvorstadt aus dem laufenden Pokal-Wettbewerb. Das DFB-Pokal-Finale 2012 in Berlin wird ohne Nürnberger Beteiligung stattfinden. Die Mannschaft von Dieter Hecking hat im Frankenderby all das mit dem Arsch wieder eingerissen, was sie sich zuvor durch den 3:0-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen mühsam aufgebaut hatte. Mehr denn je hat man beim Club der Saison 2011/2012 das Gefühl, dass die junge Truppe nicht in der Lage ist, eine gewisse Konstanz in ihre Leistung zu bringen und aus dieser Unfähigkeit, den eigenen Fußball noch mehr zum Tagesgeschäft werden lässt als er es ohnehin schon ist. Das Team von Dieter Hecking verkommt zur Wundertüte – heute hui, morgen pfui und in den meisten Fällen mehr schlecht als recht. Und glaubt man als Fan des 1.FC Nürnberg, dass es schlimmer nicht mehr kommen kann, fällt der Mannschaft mit Sicherheit noch etwas ein, um das Leiden der eigenen Fans noch zu vergrößern. Statt die eigene Kreativität auf dem Platz umzusetzen, weckt man durch einen unverhofften Auswärtssieg so etwas wie die Hoffnung auf bessere Zeiten, um sich dann nur drei Tage später an Harmlosigkeit gegenseitig zu überbieten.
Es bleibt dabei: Umso größer die Vorfreude auf ein Ereignis, desto heftiger der Aufschlag auf dem harten Boden der Realität. Dem clever spielenden Zweitligisten (!) reicht eine einzige gelungene Aktion, um den neunmaligen deutschen Meister in seinem eigenen Stadion in Schach zu halten. Selbst in Überzahl fehlen den elf Spielern, die mal darüber nachdenken sollten, ob sie es wert sind, das Trikot mit dem Nürnberger Wappen tragen zu dürfen, die adäquaten Mittel, um die Gäste aus der tieferen Liga ernsthaft in Bredouille zu bringen.
Vielleicht wäre das Spiel der Spiele, wie es vorher immer wieder genannt wurde, ja anders ausgegangen, hätte Christian Eigler in der zweiten und dritten Minuten seine ersten und – was zu dem Zeitpunkt noch keiner wissen konnte – einzigen Chancen des Spiel genutzt. Und vielleicht wäre das Spiel der Spiele auch anders ausgegangen, hätten die Gäste nicht mit ihrer ersten Chance gleich ins Schwarze getroffen. Nach einem Eckball von Heinrich Schmidtgal verlängert Christopher Nöthe am kurzen Pfosten und Edgar Prib kann schließlich in der 15. Minute aus kurzer Distanz zum 0:1 einköpfen. Vielleicht wäre das Spiel der Spiele ja auch anders ausgegangen, wenn Schiedsrichter Knut Kircher in der 80. Minute nicht als Einziger ein Foul von Albert Bunjaku an Olivier Occean gesehen hätte und dementsprechend dem Ausgleichstreffer von David Divadi nicht die Anerkennung verweigert hätte. Hätte, wäre, wenn…. bezeichnend ist, dass gerade dieses nicht gegebene Tor zehn Minuten vor Schluss dem FCN endgültig das Genick brach. Die Fans jedenfalls warteten vergeblich auf eine Schlussoffensive und/oder so etwas wie ein Torchance kurz vor Toreschluss. Armselig ergaben sich die Gastgeber der drohenden Niederlage und damit dem Ausscheiden.
Leider zeigten sich rund 120 Vollidioten aus der Nürnberger Nordkurve nach dem Spiel geistig ähnlich beschränkt wie der FCN zuvor in seinen spielerischen Mitteln und meinten, ihrem Frust dadurch Ausdruck verleihen zu müssen, indem sie den Platz stürmten und ihre kindischen Gebaren vor dem Gästeblock zur Schau stellten. Hoffentlich brennt diesen hirnlosen Idioten das Pfefferspray der Polizei noch heute in den Augen! Das Mitleid über hoffentlich zahlreich folgende Stadionverbote hält sich beim Autor dieser Zeilen jedenfalls deutlich in Grenzen. Nicht genug, dass die Mannschaft durch ihren erneut leidenschaftslosen Auftritt die Millionen verspielt hat, die für die ein oder andere Verstärkung in der Winterpause dringend nötig gewesen wären. Nein, da glauben so ein paar Vollhonks, dem Club durch ihr Verhalten auch noch eine ordentliche Geldstrafe verpassen zu müssen. Von den möglichen, weiteren Folgen soll hier gar nicht erst die Rede sein, denn das Geheul wird noch groß genug sein, wenn plötzlich der Zaun in der Nordkurve wieder steht oder der Club in näherer Zukunft ein Spiel vor leeren Rängen austragen muss.
DER DISORDER bleibt bei so viel geballter Dummheit jedenfalls sprachlos und kopfschüttelnd zurück. Nur ein gutes halbes Jahr nachdem im Max-Morlock-Stadion noch „Europapokal“-Gesänge zu hören waren, brennt beim FCN der Weihnachtsbaum mal wieder lichterloh. Die Hoffnung auf einen ruhigen Jahreswechsel, die durch das 3:0 am vergangenen Samstag geschürt wurde, ist verpufft und die Mannschaft hat im gellenden Pfeifkonzert nach dem Abpfiff ihre Quittung dafür bekommen. Und wahrscheinlich sind die Spieler nach diesem Dienstag ähnlich froh wie DER DISORDER, dass nun vier Wochenenden folgen, die schon allein deshalb schön werden, weil der Club nicht spielt.