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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 17. Spieltag
[Samstag, 17.12.2011] Bayer Leverkusen – 1.FC Nürnberg 0:3 (0:2)

Eigentlich hat DER DISORDER Spiele des Clubs bei Bayer Leverkusen ja schon immer gemocht! Schließlich ist es ein offenes Geheimnis, dass das Herz seines Bruders ausgerechnet und für den Disorder noch immer unverständlicherweise für die Werkself vom Rhein schlägt. Nun gut, soll es doch! So hat bisher zumindest das Rahmenprogramm um das Gastspiel in der Chemie-Stadt immer gestimmt. Wann der Club das letzte Mal auch nur einen kleinen Blumentopf in Leverkusen gewonnen hat – DER DISORDER hatte keine Erinnerung daran. In fast bohrender Selbstverständlichkeit hatte es der FCN in den letzten, gefühlt 100 Jahren geschafft, das Wochenende der brüderlichen Festivitäten mit einem oft sehr bitteren Beigeschmack zu versehen.
Welch Ironie des Schicksals also, dass der 1.FC Nürnberg ausgerechnet an dem Samstag aufdreht, an dem DER DISORDER arbeitenderweise im nur knapp 150 Kilometer entfernten Winterberg im Hochsauerland sitzt, das Spiel lediglich auf dem iPad verfolgen kann und auf das jährliche Brudertreffen gänzlich verzichten muss… Nicht wenige seiner Freunde wünschtem dem Disorder nach dem Spiel am Samstag, er möge doch für immer im Hochsauerland einschneien.
Nun ist DER DISORDER jedoch keineswegs vermessen genug, den überzeugenden Sieg seiner Lieblingsmannschaft allein auf die Tatsache seiner Abwesenheit zu reduzieren und deshalb soll an dieser Stelle ausdrücklich der allein Verantwortliche für die wundersame Feiernacht an einem Samstag kurz vor Weihnachten 2011 gelobt werden: Die Mannschaft! Und wenn DER DISORDER an dieser Stelle von der Mannschaft spricht, schließt er da das gesamte Trainer- und Betreuerteam mit ein. Offensichtlich haben Dieter Hecking und seine Mitarbeiter im Laufe der Woche exakt die richtigen Worte getroffen und genau die helfenden Maßnahmen ergriffen, die letztlich für den dreifachen Jubel im Nürnberger Fanblock (und nicht nur da) gesorgt haben.
Wie bereits weiter oben beschrieben hat der Autor dieser Zeilen den betreffenden Samstag-Nachmittag in erster Linie mit Arbeit verbracht und konnte das wunderbarste Fußballspiel der allerjüngsten Clubgeschichte nur mit einem Augen verfolgen – und aus diesem Grunde müssen zur Spielbesprechung an dieser Stelle ein paar Zitate aus einschlägigen Fachmagazinen genügen.

So schreibt zum Beispiel der Kicker:

Der Club agierte in der Anfangsphase lauf- und zweikampfstark. Tiefstehend setzten die Gäste von Beginn an Nadelstiche gegen eine zunächst pomadige Werkself. Mit frühzeitigem Erfolg: Eiglers toller Diagonalpass flog in den Lauf von Didavi, der gegen die ungeordnete Deckung vor Sam an den Ball kam. Aus halbrechter Position ließ die Stuttgarter Leihgabe per platziertem Rechtssschuss ins linke untere Eck Leno aus elf Metern keine Abwehrchance (8.).

Auf Bundesliga.de ist zu finden:

In der 22. Minute konnte dann Jens Hegeler ebenfalls unbedrängt den zweiten Treffer für den „Club“ erzielen. Für Leverkusen hatte lediglich der zuletzt treffsichere Eren Derdiyok eine gute Gelegenheit, als er in der 34. Minute am starken Torwart Raphael Schäfer scheiterte.

Der Kicker nochmal:

Mit Oczipka für den angeschlagenen Kadlec und Kießling für Rolfes und neuem Elan startete Bayer mit Gelegenheiten für Derdiyok (50.) und Schürrle (52.) in Durchgang zwei. Es war vorübergehend mehr Zug in den Aktionen der Hausherren gegen noch tiefer stehende Nürnberger, die dennoch bei einer Doppelchance von Pekhart ganz dicht vor dem 3:0 standen (54.). […] Bayers Einbahnstraßenfußball blieb […] ohne Ertrag, dafür nutzte Pekhart auf der Gegenseite eine erneute Schlafmützigkeit: Wieder nach Ecke von Plattenhardt nickte der Tscheche vor Friedrich ins rechte Eck ein – die Entscheidung (73.)!

Sport1.de zitierte schließlich selbst:

„Wir haben gezeigt, dass wir noch leben, was einige ja schon bezweifelt haben. Mit dieser Einstellung werden wir den Klassenerhalt schaffen“, sagte Trainer Dieter Hecking. Kapitän Raphael Schäfer fügte nach dem ersten Nürnberger Sieg unter dem Bayer-kreuz seit dem 14. Dezember 2002 (2:0) an: „Jetzt wollen wir noch im Pokal unserer Favoritenrolle gerecht werden, und dann können wir schöne Weihnachten feiern.“

Ganz nüchtern betrachtet hat der Club also die bereits vor Wochen von Keeper Raphael Schäfer geforderten 18 Punkte zu Ende der Hinrunde gerade noch aufs Konto gebracht und darf nun – psychologisch vielleicht nicht ganz unwichtig – auf einem Nicht-Abstiegsplaz überwintern. Doch wer will einen 3:0-Auswärtssieg am Ende des Tages schon nüchtern betrachten? Seien wir doch ehrlich: Wer hatte nach den Leistungen der eigenen Mannschaft in den letzten Wochen überhaupt noch große Lust auf das Derby? War es nicht eher die Angst, sich im Duell mit der Westvorstadt bis auf die Knochen zu blamieren?
Die Mannschaft von Dieter Hecking hat am Samstag die richtige Antwort auf diese Angst gegeben. Ein 3:0 bei Bayer Leverkusen ist gut fürs Selbstbewusstsein – das eigene innerhalb der Mannschaft, aber auch das Selbstbewusstsein der Fans! Konnte einem also nach dem 5:0 der Unaufsteigbaren am Freitag gegen Union Berlin schon ein wenig flau in der Magengegend werden, weiß man nun mit einem klaren Auswärtssieg im eigenen Rücken, dass sich die Kleeblätter die kurze Anreise ins Max-Morlock-Stadion schenken können. Der Zweitligist fliegt raus! Und zwar in einer Art und Weise, die sich gewaschen haben wird! Tschüss F**** und Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch, Club!
Doch höre diese zusätzlichen Worte: All das, lieber Club, hast Du Dir erst dann verdient, wenn Du am Dienstag ins Viertelfinale des DFB-Pokals einziehst!