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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 15. Spieltag
[Sonntag, 04.12.2011] Hamburger SV – 1.FC Nürnberg 2:0 (1:0)

An und für sich hätte die Stadt Hamburg und ihr Sportverein die besten Voraussetzungen dafür, so etwas wie die Lieblingsauswärtsfahrt der Clubberer 04 Berlin zu werden. Mit dem ICE ist man aus der Hauptstadt in gerade mal eineinhalb Stunden in der Hansestadt, Landungsbrücken und Reeperbahn sind auch beim zehnten Besuch immer wieder sehenswert und die Menschen begegnen einem in ihrer leicht unterkühlten Art trotzdem jederzeit freundlich und hilfsbereit, wenn man sich aufgrund der unübersichtlichen U- und S-Bahnfahrpläne mal wieder verfahren hat oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gar in die falsche Richtung unterwegs ist. Alles in allem also durchaus gute Voraussetzungen – wäre da nur dieser blöde HSV nicht, der mit seiner penetranten Starrköpfigkeit seit 1992 verhindert, dass man als Berliner Clubfan die kurze Heimreise auch mal mit drei Punkten im Gepäck antritt. Ein gewisses Deja-vu also, das sich leider auch an diesem Sonntag wieder einstellte.
Dabei sah es bei der Partie am Sonntag zunächst durchaus so aus, als könne sich die Fahrt in die Hafenstadt dieses Mal gelohnt haben. Mit dem Rückenwind des 1:0-Erfolgs gegen Kaiserslautern war der FCN in den ersten Minuten die leicht bessere zweier Mannschaften, die sich im Grunde auf Augenhöhe begegneten. Paolo Guerrero sorgte zwar in der 11. Minute für das erste Ausrufezeichen des HSV, in dem er den Ball an den Nürnberger Außenpfosten knallte, doch der Club ließ sich nicht lange lumpen und sorgte auf der anderen Seite gleich mehrmals für Torgefahr. Eine Woche nach dem Sieg gegen den FCK hatte Trainer Dieter Hecking die Anfangsformation unverändert gelassen und dies schien sich zunächst auszuzahlen. Der Club präsentierte ausnahmsweise ein durchaus gefälliges Offensivspiel und scheiterte oft nur knapp im Bemühen um eine frühe Führung. Daniel Didavi vergab zunächst in der 17. Minute per Kopf und schoss in der 20. Minute nur knapp am Gehäuse von HSV-Keeper Jaroslav Drobny vorbei. Der tschechische Torhüter zeigte am Sonntag eine starke Partie und war durch seine Paraden maßgeblich am Erfolg der Gastgeber beteiligt. So auch in der 22. Minute, als er zunächst einen guten Kopfball von Tomas Pekhart klären konnte und schließlich mit einem weiten Abschlag auch noch das 1:0 für den HSV einleitete. Paolo Guerrero vollendete in der 23. Minute, nachdem er sich zunächst grenzwertig gegen Timmy Simons durchgesetzt hatte und die Lederkugel dann mit einem kurzen Lupfer im linken FCN-Toreck unterbrachte.
Es war zum Haare raufen – der Club hatte die Torchancen und der HSV machte aus eineinhalb Torchancen das Führungstor. Tomas Pekhart hatte in der 37. Minute dann noch die große Möglichkeit zum Ausgleich, setzte seinen Kopfball nach Flanke von Alexander Esswein jedoch an den Pfosten. So ging es mit knappen Rückstand in die Halbzeitpause und während sich die 22 Akteure beim Pausentee in der Kabine aufwärmten, wurde man als Clubfan im zugigen Gästeblock dermaßen von kaltem Wind durchgepustet, dass man den HSV-Verantwortlichen zuschreien wollte: Leute, baut doch Euer Stadion endlich mal fertig.
Die innere Kälte stieg dann in der zweiten Halbzeit noch an, als beide Mannschaften zunächst sehr verhalten agierten und man als Clubfan schließlich eine Art Duplizität der Ereignisse erleben musste. In der 58. Minute köpfte Pekhart den Ball wieder an den Pfosten (dieses Mal entschied er sich für das linke Aluminium) und kurz darauf sorgte Marcel Janssen für die Vorentscheidung. Von Gökhan Tore bedient, stand der Ex-Nationalspieler in der 62. Minute plötzlich völlig frei im Strafraum der Clubberer und ließ sich die Chance zum 2:0 durch einen satten Flachschuss aus zehn Metern nicht nehmen.
Alexander Esswein hatte in der 68. Minute dann zwar noch einmal die Möglichkeit, auf 1:2 zu verkürzen, doch im Grunde war die Messe in der AOL-HSH Nordbank-Imtech-Arena nun gelesen. Der Club konnte nicht mehr, der HSV wollte nicht mehr und so blieben die drei Punkte mal wieder in der Hansestadt. Letztlich war es die Effizienz der Rothosen, die den Ausschlag gab und zur fünften Auswärtsniederlage des FCN in Folge führte. Die Mannschaft von Dieter Hecking musste ihren direkten Kontrahenten vom Sonntag damit in der Tabelle vorbeiziehen lassen und belegt mit 15 Punkten nach 15 Spieltagen nun den 15. Platz. So was kann man dann auch mal Punktlandung nennen und wenn am Ende der Saison genau dieser 15. Platz steht, wird im Frühjahr 2012 noch einmal Weihnachten gefeiert. Bis dahin jedoch ist es noch ein weiter Weg und inzwischen ist sich DER DISORDER fast sicher, dass die Verantwortlichen in der Winterpause noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden. Es gilt, Löcher zu stopfen, für Konkurrenz innerhalb der Mannschaft zu sorgen und – bei allen Blicken nach unten – den Abstand ins Mittelfeld der Bundesliga nicht abreißen zu lassen. Denn im Moment sind es trotz der achten Saison-Niederlage nur drei Punkte Rückstand zum Tabellenzehnten aus Hoffenheim – und genau die sind in der nächsten Woche zu Gast in Nürnberg. Wenn es also schon seit gefühlten hundert Jahren nicht mehr zu einem Sieg in Hamburg reicht, sollte es am kommenden Wochenende doch zumindest endlich zum ersten Sieg über die Kraichgauer kommen. Schlimm genug, dass der FCN seit deren Bundesligazugehörigkeit noch nicht gegen die Dietmar-Hopp-Millionaros gewinnen konnte. Die Mannschaft von Ex-Pauli-Coach Holger Stanislawski präsentierte sich dazu in den letzten Auswärtspartien stets derart harmlos, dass es allen Clubfans aus Berlin (und sicher auch allen anderen) nur recht wäre, wenn man den Kreis der Abstiegskandidaten um die TSG 1999 (sic!) Hoffenheim erweitern könnte. In diesem Sinne: Auf geht’s, Nürnberg, kämpfen und siegen! Denn allen Unkenrufen zum Trotz: Hamburg ist – unabhängig vom Fußball und gerade in größerer Gruppe – immer eine Reise wert… und das Dorf im Südwesten Deutschlands ist es nicht!