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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 12. Spieltag
[Samstag, 05.11.2011] 1.FC Nürnberg – SC Freiburg 1:2 (1:1)

Mit einem echten Trauerspiel gegen den SC Freiburg hat sich der 1.FC Nürnberg im Abstiegskampf der Bundesliga-Saison 2011/2012 angemeldet. Das Ärgerliche daran ist, dass neben den eigenen Unzulänglichkeiten auch mal wieder eine umstrittene Schiedsrichter-Entscheidung eine nicht unwesentliche Rolle beim Spielausgang spielte. War es im letzten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ein mehr als umstrittener Elfmeter für die Gäste, verweigerte der Referee an diesem Samstag beim Stand von 1:1 dem Club ein reguläres Tor, welches neben der Führung auch Sicherheit ins eigene Spiel gebracht hätte. So aber brachte sich der Club in der letzten Minute der Nachspielzeit durch einen Fehler von Innenverteidiger Timm Klose und einem daraus resultierenden Foulelfmeter selbst um den Lohn der Arbeit. Mit 12 Punkten aus 12 Spielen ist der 1.FC Nürnberg nach nunmehr sieben Spielen ohne Sieg inzwischen auf dem letzten Platz angekommen, der auch in der Folgesaison ein Startrecht in der Bundesliga garantiert.
Es sollte ein richtungsweisendes Spiel werden gegen den SC Freiburg und am Valznerweiher war man nach den mageren Auftritten der letzten Wochen heilfroh, dass sich zum Samstag das eigene Lazarett deutlich gelichtet hatte. Mit Raphael Schäfer, Javier Pinola, Christian Eigler und Markus Feulner hatten sich im Laufe der Woche vier erfahrene Kräfte zurückgemeldet, die gegen die Breisgauer die Trendwende zu besseren Zeiten schaffen sollten. Auch Mike Frantz stand nach monatelangen Verletzungssorgen erstmals wieder in der Startelf. Gebracht haben die alten, neuen Stammkräfte indes zunächst wenig. Im Max-Morlock-Stadion trafen zwei verunsicherte Mannschaften aufeinander, die nur selten so etwas wie Spielkultur aufblitzen ließen. Der Club erspielte sich in der ersten halben Stunde zwar leichte Feldvorteile, das alte Problem blieb jedoch weiterhin deutlich sichtbar: Es fehlte die Kreativität im Spiel nach vorne. Ein Hauch von Gefahr für das Freiburger Tor entwickelte sich eigentlich nur dann, wenn der Ball nach einem Schiedsrichterpfiff ruhte und selbst dann meist nur, bis der Ball auch gespielt war. Die Freistöße und Ecken von Feulner und Co. kamen an diesem Samstag mit der Präzision eines Elefanten im Porzellanladen daher.
Als Mike Frantz in der 32. Minute dann plötzlich zum 1:0 für den Club traf, schienen die Mängel im Aufbauspiel jedoch egal. Alexander Esswein hatte den Treffer mit einer guten Einzelleistung auf der linken Angriffsseite eingeleitet, sich beherzt endlich mal den Ball geschnappt und bis zur Grundlinie durchgezogen. Von dort hatte er auf Tomas Pekhart in den Rückraum gepasst, dessen Schuss Mike Frantz schließlich mit dem Kopf noch entscheidend abfälschte. Manchmal kann Fußball so einfach sein….
Wie einfach, zeigte sich dann – kaum war der Nürnberger Torjubel verstummt – leider auch auf der anderen Seite. Nach langem Ball aus dem Mittelfeld hielt Jan Rosenthal in der 34. Minute einfach mal das Knie hin und hebelte so die gesamte FCN-Hintermannschaft aus. Besonders dumm guckte dabei Raphael Schäfer aus der Wäsche, der irgendwo im Strafraum herumirrte, wo er in dieser Spielsituation beim besten Willen nichts zu suchen hatte. Die so schwer erarbeitete Führung für den Club war also nach nur zwei Minuten schon wieder dahin.
Bis zur Pause passierte nun nichts mehr und wenn man ganz ehrlich ist, auch in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit nicht. Einzig bemerkenswert: Raphael Schäfer war in der Pause wegen Adduktorenproblemen in der Kabine geblieben. Alexander Stephan kam also schneller zu seinem nächsten Bundesliga-Einsatz als er nach der Rückkehr Schäfers unter der Woche zu hoffen geglaubt hätte. Einen Unterschied im Spiel des FCN machte dies nicht. Noch immer präsentierten sich im Max-Morlock-Stadion Not gegen Elend und so muss man auch beim zweiten Treffer für den Club davon sprechen, dass dieser mehr oder weniger aus heiterem Himmel fiel. In der 67. Minute zog Alexander Esswein nach einem abgewehrten Eckball aus der zweiten Reihe einfach mal ab. Der Freiburger Oliver Barth fälschte den Ball ins eigene Tor ab, doch Schiedsrichter Christian Dingert aus der pfälzischen Provinz erkannte den Treffer nicht an. Tomas Pekhart soll dort irgendwo in der Traube von Menschen aus einer Abseitsposition aktiv ins Spielgeschehen eingegriffen haben. Wann und wo das gewesen sein soll bzw. wann und wo Pekhart SC-Keeper Oliver Baumann die Sicht genommen haben soll, war selbst im Fernsehen auch nach 30 Wiederholungen nicht zu erkennen. Es wird das ewige Geheimnis des Schiedsrichters und seines Assistenten bleiben. Wer allerdings aus der pfälzischen Provinz kommt, ist auch gut und gerne und nicht selten auch mal Anhänger des 1.FC Kaiserslautern – und als Fan des Betztenberg-Vereins wünscht man sich zwischen Nürnberg und Freiburg natürlich am liebsten ein Unentschieden.
Wie dumm nur, dass es letztlich dann der Club selbst war (-> Der Club = Der Depp), der dem Schiedsrichter diesen Wunsch nach einem Unentschieden nicht erfüllen wollte. Zunächst ließ man nach einer Flanke den als immens torgefährlich bekannten Papiss Demba Cissé in der 76. Minute aus kurzer Distanz völlig frei zum Kopfball kommen. Und als man merkte, dass der Senegalese das Geschenk nicht annimmt, offerierte man in der dritten Minute der Nachspielzeit eben einen Steilpass. Timm Klose köpft den Ball derart sanft zurück in Richtung Alexander Stephan, dass man das Gefühl haben musste, der Schweizer habe Angst, der Lederkugel weh zu tun. Rosenthal spritzt dazwischen, Stephan packt die Grätsche aus und Cissé verwandelt eine Minute später den fälligen Elfmeter.
Schlusspfiff, Licht aus, Abstiegskampf. Freiburg entwickelt sich immer mehr zum Arminia Bielefeld des neuen Jahrtausends – dumme Niederlagen gegen eine Mannschaft auf Augenhöhe, das hat es früher in dieser Perfektion nur gegen die Ostwestfalen gegeben. Hoffen wir also, dass Freiburg es der Arminia irgendwann gleich tut und in den Niederungen der dritten Liga verschwindet, während der Club weiterhin im Fußball-Oberhaus auf Punktejagd geht. Damit dieser Wunsch zum Ende der Saison jedoch nicht wie eine Seifenblase zerplatzt, muss der Club nun aufwachen. Dieter Hecking hatte stets betont, dass es für den Club auch in dieser Saison um kein anderes Ziel als den Klassenerhalt geht. Glaubt man den unzähligen Kommentaren in diversen Internet-Foren, ist der Abstiegskampf nun auch bei den Fans angekommen. Der Ton gegenüber der Mannschaft und auch gegenüber Dieter Hecking wird rauer, die Anhänger wollen Erfolge. Und genau das ist es, was der Elf des 1.FC Nürnberg im Moment fehlt: Ein Erfolgserlebnis. Weder Dieter Hecking noch seine Mannschaft können etwas dafür, dass der Schiedsrichter ihnen das – im wahrsten Sinne des Wortes – erarbeitete Erfolgserlebnis durch einen Pfiff aberkennt. Denn bei aller fehlenden, spielerischen Klasse – eins kann man dem Team nicht vorwerfen: Dass es am Samstag nicht gearbeitet hätte. Die Mannschaft hat gekämpft, sie hat gearbeitet und sich dafür in der 67. Minute eigentlich auch belohnt. Und natürlich machen solche Rückschläge die Beine nur noch schwerer und lassen dann eben auch solche Aussetzer zu, wie sie einem Timm Klose in der 93. Minute passiert sind. Der arme Kerl hat bisher eine ziemliche gute Saison gespielt, hat sich aus der Schweizer Provinz in die Stammelf eines Bundesligisten gespielt, doch wo gearbeitet wird, passieren eben auch Fehler. Ein Fehler, der Timm Klose in seiner Entwicklung langfristig hoffentlich nach vorne bringt. Drücken wir ihm und der Mannschaft die Daumen. Auf die Spieler einzuhauen, wäre in dieser Situation das Falscheste, was man tun könnte. Die Mannschaft braucht jetzt Unterstützung. Durch den späten Gegentreffer ist sie an einem Tiefpunkt angekommen. Helfen wir ihr, damit es möglichst bald wieder nach oben geht und sie sich nicht im Netz des niedrigen Niveaus verfängt. Hoffen wir, dass das dringend benötigte Erfolgserlebnis sich möglichst schnell einstellt. Denn dass die Mannschaft zwar nicht zu den Top Five der Liga gehört, gleichzeitig jedoch auch besser ist, als das, was sie im Moment zusammenspielt, das wissen wir alle. Ziehen wir nun an einem Strang und zeigen wir es den Schiedsrichtern dieser Welt, dass der Club auch ohne ihre Unterstützung die Liga halten kann. Und seien wir zum ersten Mal seit langer Zeit froh, dass nun eine Länderspielpause folgt, in der sich die Mannschaft sammeln kann und sich die Rückkehrer aus dem Lazarett wieder einspielen können.