Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 10. Spieltag
[Samstag, 22.10.2011] 1.FC Nürnberg – VfB Stuttgart 2:2 (1:0)

Es ist doch im Grunde jedes Wochenende dasselbe und zeigt, warum die Berichterstattung über Fußball so sehr anfällig für irgendwelche Floskeln ist. Die 90 Minuten auf dem grünen Rasen sind vorbei und an und für sich ist man nach dem Spiel genauso schlau wie vorher. Man analysiert den Kampf um den Ball, regt sich über unberechtigte Elfmeter auf, trauert den Großchancen der eigenen Mannschaft hinterher und muss das Ergebnis schließlich doch so akzeptieren, wie es ist. Das Problem bei der Sache: Man weiß erst in der Endabrechnung nach 34 Spieltagen, was so ein Punkt im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart wert ist. Kann man zufrieden sein, weil man gegen den Tabellendritten nicht verloren hat? Oder soll man den zwei liegen gelassenen Punkten gegen den Abstieg nachtrauern? Viel mehr: Sind es überhaupt zwei liegen gelassene Punkte gegen den Abstieg? Oder sind es zwei verlorene Punkte im Kampf um den Anschluss ans Mittelfeld der Liga?
Das Spiel im Max-Morlock-Stadion begann für die Clubberer mehr als ordentlich. Schon in der zehnten Minute herrschte nach einem Eckball großes Chaos in der Stuttgarter Hintermannschaft. Philipp Wollscheid köpfte nicht zum letzten Mal in dem Spiel aufs Schwabentor, der VfB kriegt den Ball nicht aus dem Gefahrenbereich und „Oldie“ Timmy Simons bleibt cool und schiebt aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung ein. Auftakt nach Maß nennt man so etwas und den Gästen fiel in der Folgezeit nicht wirklich viel ein, den Rückstand wieder aufzuholen. Der Club hatte die Partie im Griff und ließ erst in der 26. Minute ein Lebenszeichen der Gäste zu. Nach Flanke von Arthur Boka legt Martin Harnik den Ball am Elfmeterpunkt auf Shinji Okazaki ab. Dessen Schuss fliegt jedoch meilenweit über das Clubtor. In der 40. Minute verfehlt dann Tamas Hajnal mit einem Kopfball nur knapp das Nürnberger Tor – doch ansonsten kam da nichts von den Gästen. Leider fehlten – wie schon so häufig in dieser Saison – auch auf unserer Seite die wirklich guten Chancen. Einzig in der 45. Minute musste Gäste-Keeper Sven Ulreich sein ganzes Können aufbieten, um einen Freistoß von Jens Hegeler gerade noch über die Querlatte zu lenken. Ansonsten hatte man im Nürnberger Achteck eher den Eindruck, der Club hat die Sache im Griff, wartet auf den entscheidenden Konter, um auf 2:0 zu erhöhen und das war’s dann. Drei Punkte einsacken – fertig.
Zu allem Unglück lief da jedoch auf dem grünen Rasen neben den 22 Akteuren auch noch ein gewisser Herr Wingenbach herum und bekleidete das Amt des Schiedsrichters. Und dieser Herr Wingenbach hatte nach dem Seitenwechsel in der 60. Minute offensichtlich schlechte Laune. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, warum der Mann plötzlich mit einem einzigen Pfiff das gesamte Nürnberger Spiel zunichte machte. Wahrscheinlich hatte es ihm nicht gefallen, dass der Club auch nach der Pause die erste gute Gelegenheit hatte und Jens Hegeler nach Flanke von Marvin Plattenhardt aus kurzer Distanz in der 47. Minute nur knapp verzog. Und die Chance von Alexander Esswein in der 59. Minute, als dieser bis zur Grundlinie durchzog, Khalid Boularouz narrte und Sedar Tasci erst in höchster Not retten konnte, muss Herrn Wingenbach zur Weißglut gebracht haben. In dieser Weißglut jedenfalls nutzte der Schiedsrichter die erste sich bietende Gelegenheit, um den Stuttgartern einen Elfmeter zu schenken. FCN-Trainer Dieter Hecking fand nach dem Spiel die passenden Worte: „Philipp Wollscheid blockt den Schuss mit der Hand, aber er befindet sich in der Bewegung. Was soll der Junge denn machen? Wo soll er denn hin mit seiner Hand? Wo? Das ist eine Frechheit, dass er das pfeift!“ Und Philipp Wollscheid selbst fügt hinzu: „Irgendwo muss ich den Arm ja haben, ich kann ihn mir ja nicht auf den Rücken tackern“ Nur der Vollständigkeit halber: Zdravko Kuzmanovic verwandelte das Geschenk in der 61. Minute.
Zehn Minuten später schien der Fußballgott dann doch ein Einsehen zu haben. Unglücksrabe Wollscheid höchstpersönlich sorgte nach einer Freistoß-Flanke von Plattenhardt in der 71. Minute mit einem Kopfball für die erneute Nürnberger Führung. Gäste-Torhüter Ulreich hatte in der Situation mit Sicherheit nicht den stärksten Augenblick des Spiels. Als Clubfan indes wusste man, dass nun lange 19 Minuten bis zum Abpfiff folgen würden – man gewinnt ja schließlich mit der Zeit auch an Erfahrung. Diese Erfahrung hilft jedoch wenig dabei, das Endergebnis vom Samstag nun einzuordnen. Denn fast könnte man sagen: Natürlich machte der VfB Stuttgart noch den Ausgleich. Bis zur 84. Minute ging alles gut, dann legt Hajnal auf der rechten Seite auf William Kvist ab, der aufs lange Fünfereck flankt, wo Maza genau richtig steht, um zum Ausgleich einzuköpfen.
Wieder war es nichts mit dem Dreier für den Club und vor allem angesichts der Tatsache, dass die Elf von Dieter Hecking nächste Woche in München antreten muss, darf/kann/sollte der Blick inzwischen in der Tabelle auch nach unten gehen. Verletzungspech und Unerfahrenheit haben den Club in den ersten zehn Spielen dieser Saison so manchen Punkt gekostet. Trotzdem steht man im Vergleich zur Vorsaison gerade mal drei Punkte schlechter da. Ein Sieg bei den Bayern… aber glaubt da wirklich jemand dran? Viel wichtiger wird der Blick auf die nächsten beiden Heimspiele gegen den SC Freiburg und den 1.FC Kaiserslautern. Das sind die Gegner, die man schlagen muss – die Gegner gegen die ein Punkt im Heimspiel nicht reicht.
Doch wozu schon allzu sehr in die ferne Zukunft schweifen? DER DISORDER ist davon überzeugt, dass die Mannschaft auch in dieser Saison stark genug ist, mindestens drei Mannschaften hinter sich zu lassen. Und genau für dieses Vorhaben ist der eine Punkt gegen Stuttgart besser als gar kein Punkt gegen Stuttgart. Natürlich wären drei Punkte gegen Stuttgart noch besser gewesen, doch eben genau solche Überlegungen führen früher oder später unweigerlich zur oben beschriebenen Phrasendrescherei. Lassen wir das also und freuen wir uns lieber auf das Spiel am Mittwoch bei Erzgebirge Aue. Denn dort wird ein Weiterkommen im DFB-Pokal schwierig genug. Das Schöne an Pokalspielen ist jedoch: Man weiß am Ende des Spiels immer, woran man ist. Weiter auf dem Weg nach Berlin oder eben raus die Maus!