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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 9. Spieltag
[Samstag, 15.10.2011] VfL Wolfsburg – 1.FC Nürnberg 2:1 (1:0)

Club-Niederlagen tun weh – manchmal mehr, manchmal weniger. Die Niederlage am Samstag in Wolfsburg gehört da jedoch mit Sicherheit in die erste Kategorie, denn das 1:2 beim VfL Wolfsburg war mindestens ebenso unnötig wie es die Existenz des VW-Dorfes an einem ungern angefahrenen ICE-Bahnhof ist. Kein Mensch braucht Wolfsburg – und kein Mensch braucht Niederlagen. Da hilft es auch nicht, wenn die VfL-Verantwortlichen am Ende dem Irrglauben verfallen, dass der Sieg ihrer Mannschaft hochverdient war. Es war wieder ein Elfmeter, der – wie schon beim letzten Auswärtsspiel des Clubs in Mönchengladbach – letztlich zur Entscheidung führte.
Vorher hatte es auf beiden Seiten gute Tormöglichkeiten gegeben, von denen letztlich auf jeder Seite je eine Chance auch zum Torjubel geführt hatte. Hatte der Gastgeber aus Wolfsburg in der ersten Halbzeit Feldvorteile, war es nach der Pause der FCN, der das Spiel kontrollierte und es letztlich nur verpasste, den verdienten Ausgleich über die Zeit zu bringen oder gar einen Dreier aus Wolfsburg zu entführen.
Die erste Torchance des Spiel hatte Srdjan Lakic in der 22. Minute, doch Keeper Alexander Stephan bewies zunächst einmal mehr, dass er ein würdiger Vertreter für Raphael Schäfer ist, der in dieser Woche nach seiner Verletzung wieder ins Training eingestiegen war. Ein weiterer, prominenter Ausfall hatte im Vorfeld des Spiels dafür gesorgt, dass vor Torhüter Stephan die jüngste Abwehrreihe der Club-Geschichte stand. Durch den Ausfall von Javier Pinola brachten es Marvin Plattenhardt, Timm Klose, Philipp Wollscheid und Timothy Chandler auf einen Altersschnitt von gerade mal 21,8 Jahren. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass die Viererkette über die gesamten 90 Minuten nur ein einziges Mal entscheidend ausgespielt werden konnte. In der 24. Minute startete Ashkan Dejagah auf der rechten Seite durch, flankte in die Mitte, wo Alexander Stephan keine glückliche Figur machte und unter dem Ball durchsegelte, so dass Mario Mandzukic am langen Pfosten nur noch den Kopf hinzuhalten brauchte, um die Gastgeber in Führung zu bringen.
Durch den Rückstand schienen die Clubberer jedoch endlich aufgewacht. Das Team von Dieter Hecking zeigte sich wenig geschockt und erarbeitete sich noch vor der Pause zwei gute Möglichkeiten: In der 31. Minute fischte Diego Benaglio in höchster Not einen Kopfball von Tomas Pekhart von der Linie. Eine Minute später wäre auch der Schweizer Nationalkeeper machtlos gewesen. Alexander Esswein umkurvte auf der linken Seite Hassan Salihamidic und hob den Ball Richtung rechte Ecke. Der Schuss ging an den Pfosten und klatschte von dort ins Feld zurück (32.).
Nach dem Seitenwechsel intensivierte der Club dann die Bemühungen um den Ausgleich. Markus Feulner prüfte in der 54. Minute Benaglio mit einem strammen Schuss aus der zweiten Reihe, den der Keeper gerade noch um den Pfosten lenken konnte. Zwei Minuten später wäre es dann allerdings auf der anderen Deite fast passiert: Thomas Hitzlsperger tauchte in der 56. Minute völlig frei vor Alexander Stephan auf, scheiterte jedoch an den Reflexen des FCN-Keepers.
Erst in der 70. Minute wurden die Bemühungen des Clubs dann endlich belohnt. Dieter Hecking hatte in der 58. Minute Christian Eigler für den glücklosen Robert Mak eingewechselt und genau dieser stand nach schönem Pass von Timmy Simons plötzlich allein vor dem Wolfsburger Tor. Ein Schuss ins lange Eck und es stand endlich 1:1. Dumm nur, dass sich der Torschütze bei seinem Ausgleich verletzt hat und das Spielfeld gleich wieder verlassen musste. Wilson Kamavuaka kam in der 72. Minute für Eigler.
Der Gastgeber brach nun vollends auseinander und einzig Diego Benaglio im Wolfsburger Tor konnte eine Nürnberger Führung nun verhindern. In der 74. Minute startete Alexander Esswein allein auf den Schweizer zu und hätte den Ball nur ins Tor schieben müssen. Benaglio reagierte und Esswein scheiterte an den eigenen Nerven. Umso ärgerlicher, dass dem Nürnberger Stürmer nur zwei Minuten später das selbe Ungeschick noch einmal passierte. Wieder gewann der Schweizer Keeper das Duell Mann gegen Mann. Und wie es dann im Fußball leider oft so ist: Wenn man vorne die Dinger nicht macht, rächt sich das leider nur zu oft auf der anderen Seite. Bezeichnend ist allein, dass Wolfsburg einen Elfmeter brauchte, um zum Torerfolg zu kommen. Nach Foulspiel von Mike Frantz an Dejagah, ließ sich Mandzukic die Gelegenheit nicht entgehen und verwandelte in der 82. Minute. Alle Arbeit der zweiten Halbzeit war dahin und Simons hatte zwar in der Nachspielzeit noch einmal den Ausgleich auf dem Fuß, doch letztlich blieb es bei der schmerzlichen, weil völlig unnötigen Niederlage. Und da man sich im Fußball-Business letztlich nur für Punkte etwas kaufen kann, muss der FCN nun doch wieder aufpassen, in der Tabelle nicht zu sehr abzurutschen. Mit 11 Zählern steht man Ende des neunten Spieltags auf Tabellenplatz Dreizehn. Nach zuletzt nur einem Punkt aus drei Spielen sollte am kommenden Wochenende gegen den VfB Stuttgart dann auch mal wieder ein Dreier drin sein.