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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 6. Spieltag
[Samstag, 17.09.2011] 1.FC Nürnberg – Werder Bremen 1:1 (0:1)

Der 1.FC Nürnberg macht auch in der Saison 2011/2012 über weite Strecken richtig Spaß. Nur eine knappe Woche nach dem spannenden Auswärtssieg beim 1.FC Köln hat die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking auch gegen Werder Bremen ein ereignisreiches Spiel hinter sich gebracht und hoch verdient am Ende zumindest noch einen Punkt ergattert. Und nicht erst seit den beiden Spielen nach der Länderspielpause zieht DER DISORDER seinen Hut vor Dieter Hecking und seiner Arbeit. Als der in Castrop-Rauxel geborene Fußballlehrer im Winter 2009 den 1.FC Nürnberg von Vorgänger Michael Oenning übernommen hatte, war der Club auf dem besten Weg zurück in die zweite Liga. der eingeschlagene Weg der Nachwuchs- und Talentförderung schien mit dem Klassenerhalt unvereinbar. Ganze 12 Punkte hatte man nach den 17 Spielen der Hinrunde sammeln können, war zuletzt gegen Borussia Dortmund, den Hamburger SV und den 1.FC Köln mächtig unter die Räder gekommen. Unter Hecking wurden es in der Rückrunde dann 19 Punkte – man schaffte mit Ach und Krach den Relegationsplatz und konnte die Bundesligazugehörigkeit erst im Nachsitzen gegen den FC Augsburg sichern.
Hat man nun den Auftritt der Nürnberger Mannschaft am Samstag gegen Werder Bremen gesehen, scheinen diese Zeiten des Existenzkampfes in der Bundesliga lange her zu sein. Da kommt eine Mannschaft wie Werder Bremen – immerhin vor nicht allzu vielen Jahren noch Deutscher Meister –  nach Nürnberg und igelt sich in der eigenen Spielhälfte ein als gelte es von Anfang an, bei einem Meisterschaftsfavoriten einen glücklichen Punkt zu entführen. Nun, sicherlich hat auch der Spielverlauf zu dieser tiefstehenden Defensivtaktik der Bremer beigetragen, mussten die Männer von Thomas Schaaf doch bereits ab der 16. Minute in Unterzahl agieren. Werder-Keeper Tim Wiese hatte sich mal wieder als Vollpfosten erwiesen und konnte einen eigenen Fehler nur noch ausbügeln, indem er Christian Eigler von den Beinen holt. Schiedsrichter Dr. Jochen Drees zeigte Wiese nach dem Foul die rote Karte, übersah in der Spielsituation jedoch leider den Vorteil für den Club. Nach dem Foul von Wiese an Eigler war der Ball Markus Mendler vor die Füsse gesprungen und der U21-Nationalspieler brachte den Ball im leeren Bremer Tor unter. Schiedsrichter Dr. dress hatte das Spiel nur leider bereits unterbrochen, so dass das Tor für den Club nicht zählte.
Der vom Platz gestellte Wiese hatte jedoch bereits vor seinem Platzverweis die Möglichkeit sich auszuzeichnen. In der 12. Minute wehrte der Bremer Keeper einen direkten Freistoß von Markus Feulner in letzter Sekunde zur Ecke. Überhaupt zeigte sich der Club von Beginn an als besseres, wacheres Team und übernahm nicht erst mit dem Platzverweis die Kontrolle im Max-Morlock-Stadion. Umso überraschender dann in der 24. Minute die Führung für die Gäste. Mehmet Ekici schloss einen sehenswerten Spielzug der Bremer über Claudio Pizarro mit einem trockenen Schuss ins lange, rechte Toreck ab. Vorausgegangen war dem Angriff ein unnötiger Fehlpass von FCN-Keeper Alexander Stephan.
Nach dem Rückstand folgte in Nürnberg der große Regen und schnell erinnerten die Verhältnisse auf dem grünen Rasen an das berühmte Spiel gegen Wolfsburg in der Saison 2007/2008, das in der Halbzeit damals hatte abgebrochen werden müssen. Schiedsrichter damals wie heute: Dr. Jürgen Drees. Und ebenfalls damals wie heute ließ sich auf dem wasserdurchtränkten Geläuf in den letzten zehn Minuten vor der Pause kaum ein vernünftiger Pass spielen. Bei flachen Bällen blieb die Lederkugel regelmäßig einfach im tiefen Wasser liegen. Gute Aktionen waren auf beiden Seiten nicht mehr möglich, so dass es mit der knappen Bremer Führung in die Pause ging. Diese Pause dauerte dann ungewöhnlich lange. Zwar hatte es in Nürnberg inzwischen aufgehört zu regnen, doch wollte der Schiedsrichter die Bespielbarkeit des Rasens erst wieder herstellen lassen. Die zweite Hälfte begann somit mit rund 20 Minuten Verspätung.
Die lange Pause schien dem Club gut getan zu haben, denn sofort machten die Rot-Schwarzen Druck. Immer wieder wurde der Ball hoch in Richtung Bremer Tor geschlagen, immer wieder war in letzter Sekunden Andreas Wolf oder einer seiner Kollegen am Ball. Dennoch – und das unterscheidet den Club im Jahre 2011 vom FCN früherer Jahre – hatte man nie wirklich Zweifel daran, dass nicht irgendwann zumindest noch ein Tor für den Club fallen würde – zu überlegen zeigte sich der 1.FC Nürnberg in der zweiten Halbzeit. Zehn Bremer verteidigten – zugegeben: meist geschickt – in der eigenen Hälfte, wurden von den Angreifern der Gastgeber jedoch auch nur selten vor echte Probleme gestellt. Das Manko des Clubs der neuen Saison bleibt das kreative Zentrum, die Torgefährlichkeit aus dem Spiel heraus.
So musste dann am Ende wieder eine Standardsituation her:  In der 62. Minute stieg Philipp Wollscheid nach einer Ecke von Markus Feulner im Sturmzentrum am höchsten und köpfte zum Ausgleich ein. Ersatzkeeper Sebastian Mielitz hatte keine Abwehrmöglichkeit.
Es blieb am Ende bei diesem für Werder Bremen sehr schmeichelhaftem Unentschieden. Fast 70% Ballbesitz in der zweiten Halbzeit, ein Eckenverhältnis von 13:0 und 25:2 Torschüsse sprechen an sich eine deutliche Sprache und wenn man dem FCN einen Vorwurf machen kann, dann den, dass aus ein derartigen Überlegenheit nicht mehr Kapital geschlagen wurde. Sagen wir es, wie es ist: Bis zur Spitzenmannschaft fehlt dann eben doch ein Stück und vielleicht einfach nur noch ein paar Jahre weiterer guter Arbeit von Dieter Hecking und seinem Team. So wird es letztlich in diesem Jahr eine Saison werden – und da lehnt sich DER DISORDER jetzt mal weit aus dem Fenster – in der wir weder nach oben noch nach unten schauen müssen. Für oben reicht es noch nicht, doch das Team ist stark genug, um sich die härtesten Konkurrenten vom Leib halten zu können und somit mit dem Abstieg in dieser Saison nichts zu tun zu haben. Die Medien haben dies noch nicht begriffen und nennen den Club in jeder Saison mit als ersten Verein, wenn es um den Gang in die zweite Liga geht. Die Trainer der Bundesliga hingegen, haben die gute Arbeit von Dieter Hecking längst erkannt. Anders jedenfalls ist es nicht zu erklären, warum eine Mannschaft wie Werder Bremen nach Nürnberg kommt und am Ende heilfroh ist, einen Punkt mit an die Weser zu nehmen.
Hoffen wir, dass es noch lange so bleibt, dass die Gegner froh sind, wenn sie gegen uns einen Punkt holen, denn einen weiteren entscheidenden Punkt unterscheidet den 1.FC Nürnberg dieser Spielzeit vom 1.FC Nürnberg von vor drei Jahren: Zu dieser Zeit wäre dem Club nämlich weder gegen Bremen der Treffer noch gelungen, noch hätte man vor Wochenfrist den knappen Vorsprung in Köln über die Zeit gerettet.
Mit diesem Wissen geht es nun am nächsten Wochenende nach Mönchengladbach. Die heimische Borussia ist ebenfalls alles andere als schlecht in die neue Saison gestartet und konnte am Samstag drei Punkte aus Hamburg entführen. Wie desolat der HSV im Moment wirklich ist – und damit, was der Dreier der Gladbacher wirklich wert ist, werden wir am kommenden Samstag um 15.30 Uhr sehen…