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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 5. Spieltag
[Sonntag, 11.09.2011] 1.FC Köln – 1.FC Nürnberg 1:2 (1:2)

Gute Nachwuchsarbeit zahlt sich aus. Das weiß man beim Club nicht erst seit dem Auswärtssieg am Sonntag beim 1.FC Köln und wie man auf dem leicht verwackelten Handybild gerade noch erkennen kann, wird auch bei den Clubberern 04 Berlin die Förderung junger Talente groß geschrieben. Schließlich ist es in der Hauptstadt gerade als Kind und Jugendlicher nicht immer leicht, sich gegen seine Hertha- und Bauern-Klassenkameraden durchzusetzen und so helfen 2:1-Auswärtssiege doppelt und dreifach, am Montag mit erhobenem Haupte in die Schule zu marschieren. Erst recht, wenn an einem Spieltag wie diesem die Hertha in Dortmund gewinnt und die Bauern gegen überforderte Freiburger einen 7:0-Kantersieg feiern.
Umso schöner, wenn der Club dann am Sonntag nachlegt und sich nach ansprechender Leistung weder hinter dem Aufsteiger aus der Hauptstadt, noch hinter dem Rekordmeister verstecken muss. Im Gegenteil: Noch hat man auf die Hertha einen Punkt Vorsprung und selbst auf die Bauern beträgt der Rückstand nach fünf Spielen gerade mal lächerliche drei Punkte. Champions-League, wir kommen…
Glücklicherweise ist man beim 1.FC Nürnberg jedoch keineswegs so vermessen, den letzten Satz mit den drei Punkten am Ende, für bare Münze zu nehmen. Dieter Hecking und Martin Bader wissen ganz genau, welches Potenzial in der jungen Mannschaft steckt und welches nicht. Und so konzentriert man sich in Nürnberg in angenehmer Weise darauf, die Punkte gegen die Mannschaften zu holen, die man für eine erfolgreiche Saison hinter sich lassen muss. Das war schon am ersten Spieltag in Berlin so, das war vor der Länderspielpause gegen Augsburg so und auch in Köln hat man mit diesem Anspruch genau ins Schwarze getroffen.
Denn der Club – und das merkte man von der ersten Minute an – war keinesfalls an den Rhein gefahren, um vielleicht einen kleinen Punkt gegen den Abstieg zu sammeln. Nein, der Club machte Dampf, wollte zeigen, dass man auch in dieser Saison in der Endabrechnung wieder vor dem Effzeh landen wird. Alexander Esswein sorgte mit einem Pfostenschuss nach 41 Sekunden für ein erstes Ausrufezeichen und schien die Gastgeber damit derart beeindruckt zu haben, dass die Geißböcke ihren Gästen in der ersten halben Stunde des Spiels stets in gehörigem Sicherheitsabstand hinterher liefen. Nürnberg kontrollierte das Spiel und kam in der 17. Minute zur nächsten Großchance. Markus Mendler hatte den Ball genau in die Nahtstelle der Kölner Viererkette gespielt und Sturmtank Tomas Pekhart steil geschickt. Der Slowake macht eigentlich alles richtig, zielt nur etwas zu genau. Das runde Leder knallt ans Lattenkreuz. Bayern-Keeper Michael Rensing im Kölner Tor hätte nicht den Hauch einer Abwehrchance gehabt.
Diese Abwehrchance hatte der Effzeh-Keeper dann auch in der 31. und 36. Minute nicht. Beide Male hatte Kölns Kapitän Pedro Geromel (Zitat aus dem „Max und Marek“ in Berlin: „Der hat einen rot-schwarzen Nachmittag erwischt.“) einen Clubspieler elfmeterreif von den Beinen geholt. Bei seinem ersten Versuch war es Markus Feulner, der zu Boden ging, beim zweiten Mal Tomas Pekhart. Die beiden fälligen Strafstöße verwandelte Timmy Simons sicher – beide unerreichbar ins linke, untere Eck. Eine verdiente Führung für den Club, der dann jedoch noch vor der Pause zwei Rückschläge hinnehmen musste. Erst erzielte der 1.FC Köln mit seiner ersten Chance des Spiels durch Adil Chihi (39. Minute) den Anschlusstreffer und dann wurde Tomas Pekhart durch Schiedsrichter Michael Weiner in der 42. Minute mit Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen geschickt. Eine harte Entscheidung, denn bei beiden gelben Karten hatte Pekhart zwar den Fuß eindeutig zu hoch, gleichzeitig jedoch auch beide Male mit dem Rücken zum Gegner gestanden. Und was kann der Pekhart dafür, wenn die Kölner ihre Köpfe nicht hoch kriegen…
Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre ein Spiel wie das am Sonntag in Köln letztlich gegen den Club gekippt. Die beiden Rückschläge kurz vor der Pause, das Wissen, nun mit einem Mann weniger auf dem Platz zu stehen – wie oft hatte das in der Vergangenheit zu zitternden Knien und weiteren Gegentoren geführt. Nicht so beim 1.FCN unter Dieter Hecking. Die Mannschaft gab nach dem Seitenwechsel die exakt richtige Antwort und war in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit dem 3:1 stets näher, als die Domstädter dem Ausgleich. Alexander Esswein und Javier Pinola sorgten in der 55. und 56. Minute mit guten Chancen dafür, dass dem Anhang der Rheinländer, dem man sonst eine gewisse Frohnatur nachsagt, das Herz in die Hose rutschte. Vor allem Esswein hätte mit seinem Schuss aus kurzer Distanz freistehend für die Vorentscheidung sorgen können.
Mit zunehmender Spieldauer wurden die Kölner dann zusehend nervöser und bei aller Ratlosigkeit suchten sie die Chance auf den Ausgleich schließlich über ein selten blödes Mittel, in dem sie sich einfach fallen ließen, kaum dass sie in den Strafraum der Nürnberger eingedrungen waren. Sascha Riether sah für eine solche Schwalbe in der 56. Minute die gelbe Karte, doch auch Lukas Podolski versuchte es danach noch zwei Mal recht offensichtlich als sterbender Schwan. Ein echtes und faires Mittel fiel der Mannschaft von Trainer Stale Solbakken nicht ein, um die erneut sichere Nürnberger Hintermannschaft ernsthaft in Gefahr zu bringen und so muss man das, was sich Miso Brecko in der 75. Minute leistete, wohl eindeutig unter der Kategorie Frustfoul verbuchen. Der Slowake holte Markus Feulner im Mittelfeld völlig unnötig von hinten von den Beinen und sah dafür zurecht von Schiedsrichter Weiner die rote Karte. Das Gleichgewicht auf dem Platz war also wieder hergestellt und prompt hatten die frisch dezimierten Gastgeber so etwas wie einen Geistesblitz. Glück für den Club, dass Lukas Podolski bei seinem Tor in der 78. Minute hauchdünn im Abseits stand. Glück, dass sich der Club jedoch auch erarbeitet hatte und das er auch in der 61. Minute bereits einmal in Anspruch genommen hatte, als Martin Lanig den Ball von der rechten Seite scharf nach innen gegeben hatte und in der Mitte Slawomir Peszko das Spielgerät nur deshalb um Haaresbreite verpasste, weil Keeper Alexander Stephan mit den Fingerspitzen noch an der Lederkugel war. Überhaupt machte der Ersatz des Ersatzkeepers einen recht sicheren Eindruck und freute sich so gut eineinhalb Jahre nach seinem letzten Einsatz als Nummer eins im Nürnberger Tor (übrigens auch in Köln) am Ende mit der Mannschaft über verdiente drei Punkte.
Mit neun Punkten aus fünf Spielen klettert der 1.FC Nürnberg auf den siebten Tabellenplatz, während Köln mit vier Punkten auf Platz 15 des Tableaus stagniert. Wie es scheint, hat Dieter Hecking auch in dieser Saison wieder die richtige Mischung in seiner Mannschaft gefunden, um sich erfolgreich von den Abstiegsrängen der Liga fernhalten zu können. Letztlich – so war man in die Saison gegangen – muss man „nur“ drei Mannschaften finden, die am Ende der Saison hinter dem Club stehen. Mit den drei Siegen gegen Hertha, Augsburg und Köln hat man nun zumindest schon mal drei Gegner gefunden, die man schlagen konnte. Noch sind es 31 Punkte bis zur ominösen 40-Punkte-Marke und von dieser war man in der Vorsaison nach fünf Spieltagen noch 34 Punkte entfernt.
Am kommenden Samstag kommt nun Werder Bremen ins Max-Morlock-Stadion nach Nürnberg und bringt mit Andreas Wolf und Mehmet Ekici zwei Gesichter mit, die man beim FCN nur zu gut kennt. Die Mannschaft von der Weser ist mit 12 Punkten noch ein bisschen besser in die Saison gestartet als der Club. Doch wie hat DER DISORDER schon am Anfang dieses Artikels geschrieben: In Nürnberg weiß man inzwischen ganz genau um das Potenzial der Mannschaft und Dieter Hecking wird fünf Tage nach seinem 47. Geburtstag wissen, wie man den Fischköppen die zweite Saisonniederlage beibringt… schließlich will unser Clubberer 04-Nachwuchs auch am kommenden Montag wieder erhobenen Hauptes in die Schule gehen können.