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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 4. Spieltag
[Samstag, 27.08.2011] 1.FC Nürnberg – FC Augsburg 1:0 (0:0)

Die Kräfteverhältnisse im schwäbisch-fränkischen Raum bleiben auch nach dem vierten Spieltag der noch jungen Bundesliga-Saison erhalten. Der FC Augsburg gewinnt gegen den Club auch im ersten Bundesligaduell der beiden Mannschaften keinen Blumentopf und wird nach einem Arbeitssieg des Clubs ohne Punkte nach Hause geschickt. Hatte in der Relegation vor einem guten Jahr Christian Eigler für den 1:0-Endstand gesorgt, besiegelte an diesem Nachmittag der eingewechselte Alexander Esswein das Schicksal der Gäste. Einen sehenswerten Sololauf schloss der Neuzugang von Dynamo Dresden in der 76. Minute mit dem hochverdienten Tor des Tages ab. Wie schon im Hinspiel der Relegation nach der Saison 2009/2010 bekleckerte sich der siegreiche FCN nicht unbedingt mit Ruhm, ging in aller Konsequenz jedoch trotzdem als verdienter Sieger vom Platz. Die Gäste aus Augsburg ließen jeden Beweis ihrer Bundesligatauglichkeit vermissen und beschränkten sich von Beginn an auf Schadensbegrenzung. Gegen weit zurück gezogene Gäste tat sich der Gastgeber über die gesamte Spielzeit sehr schwer und brauchte bis zur 18. Minute, um zu einer ersten Torchance zu kommen. Der Ex-Augsburger Jens Hegeler setzte nach einer Standardsituation zu einem Kopfball an, traf jedoch nicht in Schwarze. In der 26. Minute war es erneut Hegeler, der mit einem strammen Rechtsschuss FCA-Keeper Simon Jentzsch zum Eingreifen zwang. Ein weiterer Schuss in der 33. Minute – dieses Mal durch Julian Wießmeier – und schon war es das mit den Torchancen im ersten Durchgang.
Beim Club zeigte sich in diesen ersten 45 Minuten erneut, woran es dem 1.FC Nürnberg in der Saison 2011/2011 am meisten fehlt: An der Kreativität im Spiel nach vorne. Immer wieder wurden die Angriffe über die rechte Seite durchgeführt, wo sich Timothy Chandler redlich mühte, im Großen und Ganzen jedoch zumindest darin glücklos blieb, für echte Torgefahr in Richtung Augsburger Tor zu sorgen. Markus Feulner hatte sich beim Aufwärmen verletzt und musste kurz vor dem Spiel noch durch Youngster Wießmeier ersetzt werden – eine Personalie, die dem kreativen Spiel der Clubberer mit Sicherheit nicht zuträglich war.
Und so suchte man auch im zweiten Spielabschnitt lange vergeblich nach dem roten Faden im Nürnberger Spiel. Die Mannschaft von Dieter Hecking suchte erfolglos nach geeigneten Mitteln, die Augsburger Hintermannschaft erfolgreich aus den Angeln zu heben. Die Innenverteidiger Timm Klose und Philipp Wollscheid hatten bei wohlwollender Betrachtung in der 58. bzw. 63. Minute noch die besten Chancen, den Club endlich in Führung zu bringen und so wuchs bei den meisten der 43.071 Zuschauer im Max-Morlock-Stadion die Befürchtung, einem typischen 0:0-Spiel beizuwohnen. Ein Ergebnis, mit dem man – angesichts des Spielverlaufes – früher vielleicht auch zufrieden gewesen wäre, wenn nur nicht kurz vor Schluss in typischer Clubmanier der Glückstreffer für den Gegner fällt. Doch die Ansprüche beim 1.FC Nürnberg haben sich, auch aufgrund der guten Vorsaison, langsam, aber doch kontinuierlich gesteigert. Und so sorgte Trainer Dieter Hecking zum wiederholten Male durch einen guten Wechsel für die nötigen Reizpunkte im Spiel der eigenen Mannschaft. Für den schwachen Christian Eigler brachte Hecking in der 60. Minute Alexander Esswein und belebte somit das Spiel seiner Mannschaft über die linke Seite. Dem Coach war das rechtslastige Spiel seiner Mannschaft über Chandler offensichtlich zu einseitig und vom Gegner zu leicht zu durchschauen. Oma-Liebling Esswein bedankte sich für seine Einsatzzeit mit dem besten Geschenk, das er den Fans im Stadion machen konnte. Er suchte den Doppelpass mit Tomas Pekhart, narrte FCA-Innenverteidiger Gibril Sankoh und ließ schließlich mit einem sehenswerten Abschluss auch Keeper Jentzsch noch älter aussehen, als er ohnehin schon ist.
Der Rest war dann noch ein viertelstündiges Zittern, für das es letztlich jedoch kaum einen Anlass gab. Augsburg fand auch in den verbleibenden Restminuten den Weg in Richtung Nürnberger Tor nicht und überließ den Franken damit die drei Punkte. Nach einem ereignisarmen Spiel steht der Club nach vier Spieltagen mit sechs Punkten nun auf Rang zehn der Tabelle. Zwei Siege, zwei Niederlagen auf dem Konto – ein Start in die neue Saison, der sich sehen lassen kann, ohne zur Euphorie zu führen. Die junge Mannschaft von Dieter Hecking scheint ihr Potential zu kennen und im Gegensatz zu unzähligen Spielzeiten vergangener Jahre, macht sie die Punkte bisher gegen die Mannschaften, auf die es ankommt. Hertha und Augsburg werden auch am Ende der Saison eher am südlichen Ende der Tabelle zu finden sein und so hat man in Nürnberg mit den ersten beiden Dreiern schon mal einen Grundstein gelegt, um am Ende eben nicht ganz so südlich dazustehen. Dass man ausgerechnet bei den beiden Siegen alles andere als überzeugend gespielt hat, sei an dieser Stelle mehr als verziehen. Lieber schaut sich DER DISORDER einen Grottenkick an, langweilt sich 80 Minuten und verlässt das Stadion am Ende doch mit einem Siegerlächeln, als ein schönes Spiel wie in Dortmund zu sehen, nach dem Schlusspfiff jedoch ohne Zählbares dazustehen. Und wer weiß: Die Saison ist noch lang und vielleicht gelingt es den Hecking-Schützlingen ja irgendwann in den verbleibenden 30 Spielen auch noch, schön zu spielen und trotzdem zu gewinnen. Dann jedoch sollte dies bitte zu einem Zeitpunkt geschehen, an dem die dann sofort aufkommende Euphorie keinen Schaden mehr anrichten kann. Bis dahin kann dann gerne gelten: Ball flach halten, drei Punkte einfahren und einfach mal vergessen, wie es dazu gekommen ist. Das darf dann auch gerne in zwei Wochen beim 1.FC Köln noch einmal so sein.
Und genauso, wie man sich in Nürnberg über Neuzugang Alexander Esswein und seine Verdienste um den ersten Heimdreier der Saison freute, freuten sich die Clubberer 04 Berlin am Wochenende noch über drei namhafte Neuzugänge in der langen Liste ihrer Mitglieder. Marketing-Experte „Sektion Norditalien“ hatte rund um das Augsburg-Spiel tief in die PR-Trickkiste gegriffen und nicht nur sich selbst, sondern auch gleich Tausendsassa Andreas Haberzettl (auch bekannt als „King Guinness“) und Bangkok-Außenstellenleiter Alexander Schöll von den Vorzügen einer Mitgliedschaft in Berlins größtem FCN-Fanclub überzeugen können. Gerade durch „Schölli“ – der jahrelang selbst in Berlin gelebt hat – gewinnt unsere genaue Namensführung „Clubberer 04 Berlin, Brandenburg und Umgebung“ eine völlig neue Bedeutung. Ein herzliches Willkommen unseren drei neuen Mitgliedern. Drei Punkte und drei neue Mitglieder – mehr geht fast nicht!