Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 2. Spieltag
[Samstag, 13.08.2011] 1.FC Nürnberg – Hannover 96 1:2 (0:2)

Auch ein großes Aufgebot an Clubberern 04 beim ersten Heimspiel in Nürnberg hat dem Club nicht zum perfekten Saisonstart verhelfen können. Die Mannschaft von Dieter Hecking trat eine Woche nach dem Auswärtssieg bei Hertha BSC Berlin mit einer 1:2 (0:2)-Niederlage gegen Hannover 96 ordentlich auf die Euphoriebremse.
Dabei begann der Club vor 37.212 Zuschauern zunächst recht ansprechend. Gegen abwartende Gäste aus Niedersachsen kam Tomas Pekhart in der zwölften Minute zur ersten Torchance. Nach sehenswertem Flankenlauf von Alexander Esswein bekam der Tscheche im Sturmzentrum den Ball aus 13 Metern jedoch nicht im Tor von Ron-Robert Ziegler unter. Esswein feierte gegen Hannover 96 sein Startelfdebüt und verdrängte Christian Eigler auf die Bank. Auch Markus Mendler musste zunächst am Spielfeldrand Platz nehmen. Für den Youngster rückte Robert Mak in die Angangself.
Beide Mannschaften waren am ersten Spieltag mit einem Sieg in die neue Saison gestartet und so hatte das Duell im Max-Morlock-Stadion schon so etwas wie richtungsweisenden Charakter. Dementsprechend waren beide Seiten zunächst auf die Sicherung des eigenen Tores aus – was auf Clubseite im Gegensatz zum Herthaspiel jedoch nur eine gute Viertelstunde gelang. Denn die Hannoveraner nutzten gleich ihre erste Torchance zur Führung. Sofian Chahed flankte nach Doppelpass im Mittelfeld von der rechten Seite ins Zentrum. Dort war Philipp Wollscheid für einen Moment unaufmerksam und ließ Mohammed Abdellaoue aus den Augen. Der Stürmer hatte somit in der 16. Minute keine Mühe, den Ball aus fünf Metern im Nürnberger Gehäuse unterzubringen.
Das erste Gegentor der neuen Bundesligasaison brachte den Club zunächst aus dem Konzept. Vor allem der Spielaufbau ließ wie schon in der Vorwoche zu wünschen übrig. Markus Feulner mühte sich redlich, blieb im Großen und Ganzen jedoch blass. Schnelle, überraschende Aktionen suchte man bei sommerlichen Temperaturen in Nürnberg vergebens und so war man als Clubfan schnell versucht auf ein Halten des Ergebnisses bis zur Halbzeit zu hoffen. Eine Hoffnung, die jedoch schon in der 26. Minute zerstört wurde. Raphael Schäfer zeigte sich keinesfalls als „Magneto“ als er einen Schuss von Lars Stindl nach vorne abprallen ließ. Abdellaoue war gedanklich schneller als die komplette Nürnberger Hintermannschaft und musste von Schäfer in aller Konsequenz fast folgerichtig von den Beinen geholt werden. Konstantin Rausch verwandelte den fälligen Elfmeter und dem geneigten Clubfan dämmerte allmählich, dass es beim Club noch nicht zur Spitzenmannschaft reicht. Hannover zeigte sich in der Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit als das klar überlegende Team mit reiferer Spielanlage und musste erst kurz vor der Halbzeit noch zweimal um die komfortable Halbzeitführung bangen. Pekhart zwang 96-Keeper Zieler in der 41. Minute mit einem Schuss aus 18 Metern zu einer Parade und nur eine Minute später verpasste Timm Klose mit einem Kopfball nur knapp das Ziel.
Trainer Dieter Hecking reagierte zur Halbzeit und brachte mit Eigler für Mak und Jens Hegeler für Almog Cohen zwei frische Akteure. Und siehe da: Die Umstellungen zeigten Wirkung. Der Club machte nun plötzlich den Dampf nach vorne, den man sich auf den Tribünen von Anfang an gewünscht hatte. Dementsprechend stieg der Lärmpegel auf den Rängen und der Anschlusstreffer wurde mehr und mehr nur eine Frage der Zeit. Klose vergab die erste Chance in der 52. Minute und köpfte knapp über das 96-Gehäuse, Feulner zögerte beim Abschluss in der 54. Minute zu sehr und so musste schließlich Sturmtank Pekhart in der 56. Minute für die Jubelschreie sorgen. Nach mustergültiger Flanke von Timothy Chandler brachte der Tscheche seinen zweiten Saisontreffer per Kopf im Gästenetz unter.
Es folgte ein einziger Sturmlauf in Richtung 96-Tor. Der Ausgleich musste her – vier Punkte sind zwar nicht so gut wie sechs Punkte, aber immerhin besser als drei Punkte. Klose scheiterte in der 59. Minute jedoch zum dritten Mal nur knapp und dieses Mal nur, weil Zieler noch die Fingerspitzen an die Lederkugel bekam. Sechs Minuten später versuchte es mit Philipp Wollscheid dann der andere Innenverteidiger. Seine Direktabnahme wurde in der 65. Minute jedoch noch abgefälscht und landete knapp neben dem Tor.
Mit zunehmender Spieldauer bekam der Gast aus Hannover das eigene Spiel dann jedoch wieder besser in den Griff, stand im Abwehrverbund immer besser und musste schließlich nur in der 82. Minute noch einmal die Luft anhalten. Ein scharf herein gegebener Freistoß von Markus Feulner suchte sich seinen Weg durch die komplette 96-Abwehr und wäre vielleicht sogar direkt im Netz gelandet. Vier Meter vor dem Tor konnte dann jedoch Timm Klose nicht mehr ausweichen, verknotete sich fast noch die Beine, brachte den Ball jedoch wieder nicht im Niedersachsentor unter. Dem emsigen Schweizer hätte man den Torerfolg gegönnt, doch letztlich nahm das Team die drei Punkte mit nach Hause, das eingespielter war. Hannover hatte im Gegensatz zum Club in der Sommerpause keine wesentlichen Abgänge und spielt im Grunde mit dem Vorjahresmodell einer Mannschaft. Beim Club sind gute Ansätze erkennbar und lassen auf bessere Spiele hoffen, wenn die Laufwege nicht mehr steinig, sondern in rot-schwarzes Fleisch und Blut übergegangen sind. Die Mannschaft von Dieter Hecking hat Potenzial – ohne Frage. Ob es jedoch für Punkte in Dortmund am nächsten Wochenende reicht, ist mehr als zu bezweifeln. Die Truppe von Jürgen Klopp ist nach der Niederlage gegen Hoffenheim angefressen und wird vor heimischem Publikum auf Wiedergutmachung pochen.
Der Club indes wird sehen müssen, dass er Punkte gegen andere Mannschaften als gegen die Dortmunds dieser Welt macht. Gegen Hertha ist dies in durchaus beeindruckender Effizienz gelungen. Pech, dass man mit Hannover auf ein Team traf, für das „Effizienz“ ebenfalls alles andere als ein Fremdwort ist. Nun muss man beim Club eben gucken, ob die Dortmunder in der kommenden Woche nicht vielleicht doch verkrampfen und man dann eventuell einen ähnlichen Coup landen kann, wie die Gladbacher letzten Sonntag bei Bayern München. Und dann heißt es ganz klar: Punkte gegen direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt holen. Augsburg darf dann also gerne kommen und die Punkte in Nürnberg lassen. Wirklich wissen, wo man beim FCN steht, wird man sowieso erst, wenn Augsburg wieder abgereist ist.