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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2011/2012, 1. Spieltag
[Samstag, 06.08.2011] Hertha BSC Berlin – 1.FC Nürnberg 0:1 (0:0)

Endlich wieder Bundesliga! Und zumindest was die Punkteausbeute angeht, startet der Club mit optimalem Ergebnis in die neue Saison. In einem eher mäßigen Bundesligaspiel gelingt der Mannschaft von Dieter Hecking zehn Minuten vor Ende der entscheidende Nackenschlag, um am Ende drei Punkte aus dem Berliner Olympiastadion zu entführen. Dem tschechischen Neuzugang Tomas Pekhart gelang nach Vorarbeit des erst kurz zuvor eingewechselten Jens Hegeler das goldene Tor des späten Nachmittags.
Bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein hielt das Topsspiel des ersten Spieltages nur selten, was der Name versprach. Sowohl die Hertha als auch der Gast aus Franken wurden in der Abwehr selten gefordert, standen dementsprechend sicher und hatten auf der anderen Seite erhebliche Schwierigkeiten, sich gefährlich dem gegnerischen Tor zu nähern. Bei beiden Mannschaften fehlte das kreative Element. Markus Feulner, der noch vor Wochenfrist fast im Alleingang die Bielefelder Arminia aus dem Pokal geschossen hatte, tauchte im grauen Mittelfeld der Ideenlosigkeit unter. Neben Feulner standen mit Tomas Pekhart und Timm Klose zwei weitere Neuzugänge in der Anfangself vom Club. Ebenfalls erstmals in der Startelf: Markus Mendler, der durch eine starke Vorbereitung überzeugt hatte und Jens Hegeler dadurch auf die Bank verdrängt hat. Mendler gehörte im Spiel gegen die Hertha zu den stärkeren Club-Akteuren und darf nun gerne zu einem ähnlichen Höhenflug ansetzen, wie es Philipp Wollscheid in der letzten Saison getan hat. Der Innenverteidiger aus dem Saarland deutete beim Saisonauftakt bereits an, dass seine sehr guten Leistungen der Vorsaison keineswegs ein Strohfeuer waren. Der Youngster zeigte sich über die gesamten neunzig Minuten als Ruhepol in der Hintermannschaft und verlieh der Deckung die notwendige Sicherheit. Torchancen gab es von Seiten der Hertha jedenfalls in der ersten Halbzeit nicht eine einzige. Und da sich auch der Gast aus Franken vornehm zurückhielt, mussten eben Andere für die Höhepunkte im Olympiastadion sorgen. Zum einen sorgte in der 27. Minute ein Flitzer für eine kurze Spielunterbrechung und zum anderen sackte Linienrichter Anklam in der 33. Minute kurz zusammen, nachdem er aus kürzester Distanz einen Ball ins Gesicht bekommen hatte.
Ähnlich arm an Höhepunkten zeigte sich das Spiel auch in der zweiten Halbzeit. Der Club kam nun zwar besser ins Spiel, hatte ein Plus bei Ballbesitz, Zweikämpfen und Torschüssen, doch echte Torgefahr kam auch im zweiten Spielabschnitt auf beiden Seiten nicht auf. Markus Mendler scheiterte in der 53. Minute mit einem Schuss an Thomas Kraft, genauso wie wenig später Markus Feulner (58.). Die Hertha stand bei ihrer größten Möglichkeit in der 60. Minute im Abseits – ein Tor hätte also nicht gezählt.
Das Spiel plätscherte also über weite Strecken nur so dahin. Das Stadion pfiff, wenn Raphael „Magneto“ Schäfer am Ball war, Ex-Bayern-Keeper Thomas Kraft hatte über die gesamte Spielzeit ein Gegentor aus der letzten Saison im Sinn und war froh, wenn Christian Eigler nicht am Ball war (was aus Kraft-Sicht zum Glück ziemlich häufig vorkam) und auf den Rängen stellten sich die meisten der 61.118 Zuschauer bereits auf ein torloses Untentschieden ein. Dann jedoch holte Trainer Dieter Hecking in der 79. Minute Markus Feulner vom Feld und brachte für ihn Jens Hegeler. Der frisch Eingewechselte düpierte schon mit seiner ersten Aktion fast die gesamte Hintermannschaft der Hertha und passte den Ball von der Grundlinie in Richtung Tomas Pekhart. Der ließ seinen Gegenspieler Andre Mijatovic im Antritt wie eine alte Dame aussehen und spitzelte den Ball an Thomas Kraft vorbei ins Berliner Tor.
Der Rest war Freude auf Seite der Clubberer. Hertha schaffte es auch in den verbleibenden zehn Minuten nicht, sich noch eine Torchance zu erarbeiten und so gehen die drei Punkte am Ende verdient in Richtung Frankenland. In der Hauptstadt weiß man nun wieder, wo man steht. Markus Babbel hatte in einen Interview in der Vorbereitung gesagt, er wolle mit seiner Mannschaft 10 Punkte aus den ersten vier Spielen holen – gegen Gegner wie Hamburg, Hannover, Stuttgart oder eben Nürnberg. Der Disorder jedenfalls wünscht ihm nun viel Spaß bei der Umsetzung dieses Vorhabens… Satz mit X, Herr Babbel, war wohl nix! Mit Überheblichkeit kann man vielleicht Zweitligameister werden, in der Bundesliga sollte man schnellstmöglichst den Countdown auf der eigenen Webseite wieder einführen und die Zeit bis zum nächsten Abstieg runterzählen.
Auf Clubseite hat man aus Fehlern inzwischen gelernt. Es werden lieber kleinere, dafür umso erfolgreichere Brötchen gebacken. Man kann die eigene Arbeit inzwischen gut einschätzen und deshalb sagte Trainer Dieter Hecking nach dem Spiel auch kurz und treffend: „Erster Spieltag, drei Punkte, der Rest ist mir sch…egal.“
Genau so ist es und jetzt bitte, lieber Club: Nachlegen am kommenden Samstag gegen Hannover. Auf dass unser Trainer nach dem Spiel dann sagen kann: „Zweiter Spieltag, sechs Punkte, der Rest ist mir sch…egal.“