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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Da ist sie nun also ganz plötzlich wieder: Die clublose Zeit. Wochenenden, an denen das Herz nicht schon Freitagabend auf Puls 180 schlägt, Samstage, an denen man nicht um 6.30 Uhr aufstehen muss, um nach Nürnberg zu fahren und Sonntage, deren Erträglichkeit nicht davon abhängt, ob der Club tags zuvor gewonnen oder verloren hat. Es folgen auch Montage, an denen auf Arbeit die Gesprächsthemen fehlen, Dienstage, an denen man sich so langsam vom Wochenende erholt hat, Mittwoche, an denen die Vorfreude auf das kommende Wochenende aufkommt und Donnerstage, die man gerne mitnimmt, weil man ja nur noch einen Tag arbeiten muss, ehe der Club wieder spielt.
Auf gut Deutsch: Es folgen triste Wochen.  Knappe zwölf an der Zahl, elf sind es zumindest bis zur ersten DFB-Pokalrunde. Dazwischen gibt es ein paar Relegationsspiele (ausnahmsweise ohne den Club!), das ein oder andere Europacupfinale, ein DFB-Pokalfinale und eine Frauen-WM… wirklicher Trost? Nicht in Sicht! Und dementsprechend regnet es in Berlin am heutigen Montag auch Bindfäden vom Himmel. Das Wetter passt sich der Stimmung an und die anstehenden Freundschaftsspiele des Club sind hier in Berlin auch nicht wirklich ein Trost.
Am Ende einer geilen Saison fällt der Sturz in die Sommerpause doppelt schwer. Auch, wenn der FCN sich am Ende mit drei Niederlagen in den Urlaub verabschiedet hat: Die positiven Erinnerungen an die Saison 2010/2011 überwiegen. Große Spiele haben wir gesehen, knappe Heimsiege gegen Stuttgart, Schalke und Wolfsburg in der Hinrunde, einen Auswärtssieg in Bremen, mit dem Niemand gerechnet hat. Dann eine unglaubliche Serie zu Beginn der Rückrunde: Der Club in der Bundesliga acht Spiele ungeschlagen – darunter Heimsiege gegen Bayer Leverkusen und Hamburger SV, ein 5:0-Kantersieg über St.Pauli, ein 4:1 in Stuttgart, ein Last-Minute-2:1 in Wolfsburg und und und… Noch am 26. Spieltag war der Club mit 20 Punkten aus neun Spielen das beste Rückrundenteam – noch vor Bayer Leverkusen und dem späteren Meister aus Dortmund. Bis drei Spieltage vor Saisonschluss hat der Club ans Tor nach Europa angeklopft, sorgte am 31. Spieltag für ein wahres Endspiel um die internationalen Plätze.
Dass es am Ende dann nicht gereicht hat – geschenkt. Und für den Club wahrscheinlich sogar gesünder. Denn so toll diese Saison auch war – am 5. August starten alle Teams wieder bei Null. Bei null Punkten und ohne einen Julian Schieber, ohne Ilkay Gündogan und vor allem ohne Mehmet Ekici, der durch seine gefährlichen Standards immer wieder für außergewöhnliche Gefahr vor dem gegnerischen Tor gesorgt hat. Ob der Abgang der drei Leistungsträger kompensiert werden kann, wird in aller Klarheit dann natürlich erst die nächste Saison zeigen. Sicher ist nur: Einfach wird es nicht und unmöglich wird es auch nicht.
Der FCN wird auch in der nächsten Saison zu den Mannschaften gehören, deren Name im Vorfeld immer wieder mal fallt wird, wenn es um den Abstieg geht. Doch das war vor dieser Saison auch so und wer im Juli 2010 auf die EuropaLeague-Teilnehmer Hannover 96 und FSV Mainz 05 sein Geld gesetzt hat, dürfte sich je nach Einsatz nun auf die Ausschüttung einer hohen Gewinnsumme freuen.
Lieber Club, Du hast in der abgelaufenen Saison richtig viel Spaß gemacht und gerne nimmt DER DISORDER die nun kommende, graue und clublose Zeit in Kauf, wenn Du mir dafür eins versprichst: Dass die nächste Saison – gerade weil wieder niemand damit rechnet – mindestens ebenso geil wird und dass dann Wolfsburg und Stuttgart endlich absteigen….

In diesem Sinne wünscht DER DISORDER eine schöne, erholsame Sommerpause – schaut doch auch mal bei den Frauen rein, wenn die ihre WM spielen – sie haben es sich verdient. Und die schönen Sommermonate – so lang sie im Moment noch scheinen mögen – sind am Ende dann auch viel schneller wieder vorbei als man gedacht hätte.