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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Natürlich darf es an einem Montag nach dem letzten Heimspiel von Marek Mintal kein anderes Thema im Kommentar geben, als eben diesen Abschied. Wobei es an dieser Stelle gar nicht so sehr um den Abschied selbst gehen soll, denn was am Wochenende nach dem Abpfiff gegen Hoffenheim im Max-Morlock-Stadion passiert ist, kann man mit Worten sowieso nicht auch nur annähernd beschreiben. Harte Kerle, die sonst bei -5°C mit freiem Oberkörper in der Kurve stehen, wischen sich plötzlich die Tränen aus den Augen. Ein ganzes Stadion steht, klatsch und singt für einen Mann. Das Max-Morlock-Stadion heißt an diesem Nachmittag Marek-Mintal-Stadion.
Und es trägt diesen Namen zu Recht, denn Legenden wie Marek Mintal sind im modernen Fußball selten geworden. In Zeiten, in denen junge Spieler schon nach drei oder vier guten Spielen in die Nationalmannschaft gelobt werden, in Zeiten, in denen der hochdotierte Vertrag mehr zählt als jede langjährige Verbundenheit, tut ein Typ wie Marek Mintal richtig gut.
Der Slowake hat beim 1.FC Nürnberg Geschichte geschrieben. Als er 2003 beim Club anheuerte war er außerhalb seiner Heimat noch ein fast unbeschriebenes Blatt. Und das, obwohl er in der Slowakei bereits zwei Mal in Folge die Torschützenkrone geholt hatte. Auch in Franken ließ sich Marek Mintal nicht lange bitten und schloss bereits die erste Saison mit 18 Treffern als Torschützenkönig der Zweiten Bundesliga ab. Er war damit der erste Torschützenkönig, den der Club in der zweiten Liga hatte – und wiederholte dieses Kunststück in der Folgesaison prompt in der Ersten Bundesliga. Mit 24 Treffern wurde „Das Phantom“ nicht nur erster Bundesliga-Torschützenkönig des 1.FC Nürnberg, sondern nach Rudi Völler auch erst der zweite Spieler, der ein Jahr nach der Zweitliga-Krone auch die Torjäger-Kanone in der ersten Liga holte.
Die Art und Weise, wie Marek Mintal mit diesen persönlichen Erfolgen umging, ließen ihn schnell zum Publikumsliebling beim FCN werden. Wo andere Spieler sich keine 60 Sekunden nach dem Abpfiff vor jeder verfügbaren Kamera produzieren und sich selbst ins Rampenlicht stellen, bleibt der Slowake stets bescheiden und stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Marek Mintal hat es begriffen und verinnerlicht: Fußball ist ein Mannschaftssport! Und Marek Mintal hat noch etwas begriffen und dies am Samstag auch in aller Deutlichkeit gesagt: Der Club ist der beste Verein der Welt mit den besten Fans weltweit.
Auch als ihm nach der Torjägerkanone die gesamte Fußballwelt offen stand, als ihn Vereine gelockt haben, mit denen er hätte Titel holen können, hat sich Marek Mintal stets für den 1.FC Nürnberg entschieden. Ein gutes Umfeld war dem Slowaken immer wichtiger als das schnelle Geld. Und dass es 2007 dann doch noch zu einem Titel mit dem Club reichen würde, konnte 2005 noch niemand ahnen.
Marek Mintal hat mit dem Club alle Höhen und Tiefen des Fußballgeschäfts kennengelernt. Er war Torschützenkönig in der ersten und zweiten Bundesliga, er war Pokalsieger 2007 und erzielte im Endspiel in Berlin den eminent wichtigen 1:1-Ausgleich, spielte mit dem Club in Europa, sorgte mit zwei späten Toren im Alleingang für den Sieg gegen AZ Alkmaar  und musste dennoch auch immer wieder durch tiefe Täler. Ein Mittelfußbruch hat ihn letztlich fast zwei Jahre seiner Karriere gekostet und nachdem er im ersten Jahr beim Club gleich den Aufstieg in die Bundesliga miterleben durfte, ging es nur ein Jahr nach dem Pokaltriumph und während man in Europa für Furore sorgte, auch wieder nach unten.
Doch was auch geschah, Marek Mintal war stets ein Clubberer, kämpfte sich wieder heran, wenn es mal nicht so lief und war in der Saison 2007/2008 auch wieder zur Stelle, als man in der Rückrunde aus den Tiefen der zweiten Liga den Endspurt zum direkten Wiederaufstieg anzog. Marek Mintal, das Phantom, war wieder da und holte sich in der Aufstiegssaison zum zweiten Mal die Torjägerkanone der Zweiten Bundesliga.
Marek Mintal war, ist und wird es beim Club stets bleiben: Unantastbar. Hätte es die Bezeichnung nicht vorher schon gegeben, das Wort „Fußballgott“ hätte für ihn erfunden werden müssen. Die Nummer elf war immer da, wenn man sie brauchte und als Clubfan ist es nur schwer nachvollziehbar, warum man beim FCN keine Lösung für eine weitere Zusammenarbeit finden konnte. Marek Mintal fühlt sich zu jung für das Altenteil, will noch zwei Jahre Fußballspielen und fand in den Plänen von Dieter Hecking und Martin Bader keine Berücksichtigung mehr.
Wir als Fans, lieber Marek, können nur hoffen, dass sich Dein Wunsch erfüllt, dass Du einen Verein findest, bei dem Du in den nächsten zwei bis drei Spielzeiten noch viele Erfolge feiern kannst. Wir können und wollen hoffen und sind uns sogar ziemlich sicher, dass Du uns nicht vergisst und eines Tages zum Club zurückkehren wirst. Zunächst, um Dein versprochenes Abschiedsspiel zu machen, um dann als Identifikationsfigur junge Fußballer an den Club heranzuführen.
Lieber Marek, wir wünschen Dir alles erdenklich Gute und sagen: Auf Wiedersehen und bis bald!