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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

War’s das nun mit Europa in der nächsten Saison? Egal, in wie viele Clubfan-Gesichter man am Samstag nach dem Abpfiff in Dortmund auch geschaut hat – die Frage schien sich schon gar nicht mehr zu stellen. Vielmehr konnte man aus jedem einzelnen Gesicht der Clubberer um einen herum die Antwort schon lesen: Ja, das war’s! Die EuropaLeague findet in der nächsten Saison ohne den Club statt.
Zumindest für die erste Viertelstunde nach dem Spiel beherrschte die Enttäuschung über die verpasste Chance die Stimmung im Berliner Bumerang (und sicher nicht nur dort). Denn auch, wenn es vorher vielleicht sogar zu erwarten war: Wenn nach dem Abpfiff die andere Mannschaft jubelt und man selbst so gar keinen Anlass zur Freude hat, dann tut das trotz aller Anerkennung für die sportliche Leistung des Gegners weh. Da kann man sich noch sehr freuen, dass der Deutsche Fußballmeister 2011 nicht Bayern München heißt, man muss der Realität als Clubfan nun ins Auge schauen und auch noch den Mainzern zur Qualifikation für die EuropaLeague gratulieren. Am Ende wird es für den Club wohl nicht zu Platz fünf reichen. Bei noch zwei ausstehenden Spielen gegen Hoffenheim und Hannover müsste der FCN schon die maximale Ausbeute holen und gleichzeitig auf zwei Ausrutscher der Rheinhessen hoffen.
Nimmt man es genau haben wir Clubfans nun in den letzten zwei Spielen der Saison genau die Situation, die wir uns vor der Saison so sehr erhofft hatten: Den Saisonabschluss mit möglichst vielen sorgenfreien Spielen. Diese sorgenfreien Spiele haben wir nun. Gegen Hoffenheim und Hannover kann die Mannschaft von Dieter Hecking völlig befreit aufspielen und der einzige Grund, warum man sich als Clubfan am Samstag nicht so recht darüber freuen mochte, war die Art und Weise, wie diese Sorgenfreiheit letztlich zustande kam. Mit den Erfolgen wachsen die Ansprüche und unter den gegebenen Umständen, die zu Beginn der Saison selbst die Kühnsten der Kühnen nicht ahnen konnten, hätte man sich dann doch eine Spannung bis zur letzten Minute der Saison gewünscht. Schade, dass der FCN auf eine außergewöhnliche Saison nicht noch das entscheidende i-Tüpfelchen setzen konnte.
Doch bei allem aufkommenden Realismus sei natürlich trotzdem die Frage erlaubt: Wäre man wirklich Clubfan, wenn man sich mit einem realistischen Blick auf die Dinge begnügen würde? Wenn man trotz fünf Punkten Rückstand auf Mainz 05 die EuropaLeague einfach so herschenken würde? Würde man sich nicht viel mehr in den Allerwertesten beißen, wenn sich die Rheinhessen in den letzten beiden Saisonspielen ihrer Sache plötzlich zu sicher wären und die Spiele auf Schalke und gegen St. Pauli aus unerfindlichen Gründen einfach so herschenken?
Das Ganze mag nach „Pfeifen im Walde“ klingen, doch wie heißt es so schön: Man hat auch schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. Und schon allein deshalb muss es bei aller tabellarisch vorgegaukelten Aussichtslosigkeit heißen: Vorwärts FCN! Gebt alles für den Sieg! Denn abgerechnet wird bekanntlich nach 34 Spieltagen und gerade Mönchengladbach hat an diesem Wochenende gezeigt, dass auch Hannover zu Hause nicht unschlagbar ist. Und ähnlich wie die Borussia vom Niederrhein haben auch Mehmet Ekici & Co. – wenn auch unter anderen Vorzeichen – nun für den Rest der Saison nichts mehr zu verlieren. Einfach mal locker aufspielen, die sorgenfreie Stimmung der Fans genießen und am Ende der Saison mit 53 Punkten dastehen – das wäre doch was, oder nicht?
Denn auch, wenn es dann am Ende mit diesen 53 Punkten vielleicht doch nicht reicht, kann der Club nach 34 Spieltagen zumindest behaupten, noch einmal alles versucht zu haben. Nicht umsonst geht ein WM-Dritter oft glücklicher aus dem Turnier als der Vize-Weltmeister – eben, weil das letzte Spiel gewonnen wurde und man das Turnier mit einem positiven Ergebnis abschließt. Und wenn eben genau dies gelingen würde, dass der Club die Saison mit dem positiven Ergebnis von zwei Siegen abschließen könnte, wäre einer außergewöhnlichen Saison am Ende dann doch noch so etwas wie das i-Tüpfelchen der Glückseligkeit aufgesetzt.