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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Abgekämpft, müde und enttäuscht sitzt DER DISORDER an Ostermontag im ICE von Nürnberg nach Berlin. Mit allem hatte er für den Sonntag gerechnet – mit einem klaren Sieg für den Club, auch mit einem knappen Sieg. Ja, selbst eine knappe Niederlage gegen die auswärtsstarken Mainzer hatte er in Betracht gezogen. Auf die Idee, dass bei herrlichstem Fußballwetter im Max-Morlock-Stadion gar keine Tore fallen würden, war er indes nicht gekommen.
Jetzt sitzt er also im Zug und denkt darüber nach, was dieses torlose Unentschieden wert ist und kommt ziemlich schnell zu dem Schluss: Gar nichts. Denn abgesehen davon, dass torlose Unentschieden als solches sowieso abgeschafft gehören, ist eigentlich nichts passiert. Der Rückstand auf Mainz bleibt bei zwei Punkten, der Club bleibt auf Platz sechs und trotzdem liegt die Betonung bei „eigentlich nichts passiert“ auf dem Wort „eigentlich“. Denn letztlich sind ja schließlich genau 90 Minuten passiert. 90 Minuten, in denen nicht wirklich passiert ist, die dem Club jetzt allerdings nur noch 270 Minuten Zeit lassen, die Mainzer doch noch abzufangen.
Doch seien wir ehrlich: Glaubt da nach dem gestrigen Spiel noch jemand ernsthaft dran? Denn schließlich werden wir 180 der 270 Minuten in Dortmund und Hannover verbringen. Dortmund will Meister werden, Hannover (sic!) will in die Champions-League. Da muss dann ein bescheidener Wunsch wie die Qualifikation zur EuropaLeague vielleicht auch mal hinten anstehen.
Blicken wir also mal realistisch auf die letzten drei Spieltage dieser geilen Saison. Der Club hat nach 31 Spieltagen 47 Punkte auf dem Konto. So viele waren zum selben Zeitpunkt der Saison noch nicht einmal unter Trainergott Hans Meier in der Pokalsiegersaison. Den Heimsieg gegen Hoffenheim noch mit eingerechnet, wären es am Ende 50 Punkte. Und das wären dann exakt so viele Punkte wie zu Eckstein-, Reuter-, Grahammer-Zeiten in der Saison 1987/1988 – wenn es damals die Drei-Punkte-Regel schon gegeben hätte.
So oder so geht die Saison 2010/2011 also als eine der besten Club-Spielzeiten im deutschen Fußball-Oberhaus in die Analen ein. Und dass, nachdem wir als Abstiegskandidat im Sommer 2010 gestartet sind.
Die Qualifikation zur EuropaLeague wäre sicherlich ein schönes i-Tüpfelchen auf die letzten zehn Monate Fußball gewesen, doch DER DISORDER wäre natürlich nicht DER DISORDER, wenn er nach der Nullnummer gegen Mainz einfach den Kopf in den Sand stecken würde. So, nicht Ihr Mainzer. Nicht nach dem Spiel gestern. Denn schließlich – wie oben beschrieben – rechnet ja nun eigentlich niemand mehr so richtig mit dem Club. Wer sagt denn, dass die Dortmund nächste Woche nicht doch noch nervös werden? Und wer sagt denn, dass Hannover nicht am letzten Spieltag die Qualifikation zur Champions-League schon in der Tasche hat? Und wer sagt eigentlich, dass die heimschwachen Mainzer ihre Heimspiele gegen Frankfurt und St. Pauli wirklich gewinnen? Frankfurt kommt mit einem (Fast)-Sieg gegen die Bauern zum Nachbarschaftsderby und braucht letztlich genau wie St. Pauli noch jeden einzelnen Punkt.
Die letzten 270 Minuten dieser geilen Saison bleiben also spannend und nicht selten hat der Verfolger den Verfolgten am Ende noch überholt – schließlich kommt unverhofft ja oft.