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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Wer kennt das nicht? Umso größer die Vorfreude, desto größer ist die Enttäuschung im Nachhinein oft, wenn das Ereignis, auf das man sich freut, nicht die Erwartungen erfüllt. Fällt das Derby gegen die Bauern am Samstag nun unter diese Kategorie?
Was das Ergebnis angeht: Mit Sicherheit! Da zappelt der Ball in der Nachspielzeit im Netz der Besatzertruppe und dann kommt da so ein Knut Kircher dahergelaufen und traut sich nicht, den Treffer anzuerkennen. Die Aufregung ist groß und am Ende überwiegt bei vielen Clubfans die Enttäuschung über den verpassten Sieg. Für den Kampf um einen Platz in der EuropaLeague ist das 1:1 jedenfalls weder Fisch noch Fleisch und da tröstet es auch wenig, wenn Dieter Hecking nach dem Spiel eben jenen Platz in der EuropaLeague nun doch auch offiziell zum neuen Saisonziel ausgerufen hat. Machbar ist das bei zwei Punkten Rückstand zum Tabellenfünften Mainz 05 mit Sicherheit – aber ist es auch so schön, wie es ein Derbysieg gegen die Bauern gewesen wäre?
Selten jedenfalls hat DER DISORDER so viel Not und Elend auf einem Haufen gesehen, wie am letzten Samstag in Nürnberg. Selten hat er so viele Menschen an einem Fleck gesehen, in deren Jugend irgendetwas falsch gelaufen ist, wie am Samstag rund ums Max-Morlock-Stadion. Was sind das für Eltern, die ihre Kinder nicht davon abhalten, in einem Bayern-Trikot rumzulaufen? Wie herzlos muss man sein, wenn man dem eigenen Nachwuchs tatenlos dabei zusieht, wenn dieser sich über ein Bayern-Tor freut?
Nun gut, zumindest, was die Zuschauer angeht, die auf der richtigen Seite des Lebens stehen, war das Derby dann doch gelungen. Allein die Choreographie der Ultras in der Nordkurve war am Samstag das Eintrittsgeld wert. Und als der Club in den letzten Minuten des Spiels zur Schlussoffensive blies und sich die Zuschauer im Max-Morlock-Stadion in seltener Einigkeit von ihren Plätzen erhoben, um die Mannschaft mit Gesang und rhythmischem Klatschen nach vorne zu treiben, liessen sich sogar die stets bemühten Vorsänger am vorderen Zaun zu einem anerkennenden Nicken hinreißen.
Es war also keineswegs alles schlecht beim Derby. Das Wetter stimmte genauso wie die Stimmung im Stadion, die Mannschaft hat gekämpft, hat das weiße Ballett an sich selbst verzweifeln lassen und einen Arjen Robben sogar derart zur Weißglut gebracht, dass dieser sich entschloss, sich vor dem Gang in die Kabine unbedingt noch den roten Karton vom Schiedsrichter abzuholen – allein aus dem Grund, weil er sich diese Mitspieler in den nächsten Spielen nicht mehr antun wollte.
Allerdings konnte der holländischste aller Niederländer zu dem Zeitpunkt ja auch noch nicht wissen, dass der Wurstverkäufer mit dem hochroten Kopf noch am selben Abend endgültig die Schnauze voll hat und den niederländischsten aller holländischen Trainer vor die Tür setzt. Über die Begründung des Uli H. aus M. müsste man dann allerdings doch noch einmal sprechen – würde man den Bauern nicht lieber ans Auto pissen als mit ihnen zu reden. Was – bitte schön – soll das denn heißen? Nach dem enttäuschenden Unentschieden beim 1.FC Nürnberg? Reicht Euch arroganten Norditalienern jetzt nicht mal mehr ein Punkt im Frankenland? Habt Ihr in Eurem goldenen Käfig immer noch nicht bemerkt, dass der Club in der nächsten Saison im selben internationalen Wettbewerb antreten wird wie Ihr?
Und so hat das Derby dann am Ende des Tages – mit ein wenig Nachdenken und bei aller fehlenden spielerischen Klasse  auf dem grünen Rasen – doch noch sein Gutes gehabt. Die Bauern zerfleischen sich weiter selbst und werden auch mit ihrem holländischen Holländer als Interimstrainer keine Freude haben.
Denn schließlich haben sie bei den Bauern inzwischen auch einen Mann, der mit zunehmendem Alter mehr und mehr in Michael A. Roth’sche Verhaltensmuster verfällt und am liebsten Trainerstuhlbeine zersägt. Und schließlich ist der Mann, der bei der EM 1976 den entscheidenen Elfmeter in den Belgrader Abendhimmel drosch, nicht die einzige Glühbirne der Liga. Und bei aller Liebe zu seinem zukünftigen Arbeitsgeber will der Osram auf der Leverkusener Bank nun nämlich doch noch deutscher Meister werden. Und deshalb hat er den Arjen Robben letzte Woche auch angerufen und gesagt: „Wenn Du nächstes Jahr regelmäßig spielen willst, spielst Du gegen uns besser nicht.“
Doch bevor wir hier ausschweifen und viel zu viel Zeit mit dem Pack aus der Landeshauptstadt verbringen: Noch einmal über das Wochenende nachgedacht, ist DER DISORDER vor allem froh darüber, dass der Club nach zwei Niederlagen in Folge den Abwärtstrend erst einmal gestoppt hat. Kein Clubfan dieser Welt braucht nämlich eine ähnliche Niederlagenserie wie es sie in etwa zur selben Zeit der Hinrunde gegeben hat. Ja, lieber Club, gerade gegen Kaiserslautern habt Ihr – auch im Hinblick auf die Hinrunde – noch einiges wieder gut zu machen. Denn schließlich hat es der Dieter Hecking ja selbst gesagt: „Wir haben einen Punkt und zwei Tore auf Mainz gut gemacht. In zwei Wochen kommt der FSV zu uns, danach wollen wir vor ihnen stehen.“
Denn auf die Frage von oben, ob der Einzug in die EuropaLeague am Ende genauso schön ist, wie es ein Sieg gegen die Bauern gewesen wäre, gibt es nach dem Unentschieden im Derby selbstverständlich nur eine Antwort: Ja!

P.S. Für Louis van Gaal jedenfalls ist Nürnberg definitiv kein gutes Pflaster. Vor knapp vier Jahren kam der Holländer als Trainer des AZ Alkmaar schon einmal ins Frankenland – und musste als amtierender holländischer Meister am Ende die Segel streichen. Nun die Entlassung nach dem Derby. Louis – wo immer Du in der nächsten Saison Trainer bist: In der EuropaLeague darfst Du gerne mit Deiner Mannschaft wieder in Nürnberg vorbeischauen.