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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

So etwas nennt man dann wohl Duplizität der Ereignisse. Wie schon in der Vorsaison macht sich auch in diesem Jahr wieder eine größere Gruppe Clubberer 04 Berlin auf den kurzen Weg aus der Hauptstadt ins VW-Dorf. Es ist wieder der Intercity nach Amsterdam, Abfahrt am Berliner Hauptbahnhof um 10.37 Uhr, unsere beiden Sonnenscheine aus Spandau steigen um 10.51 Uhr zu, in Stendal gibt es zehn Minuten Aufenthalt für eine Raucherpause und Ankunft in der „schönsten Stadt der Welt“ ist dann schließlich um 12.03 Uhr. Und weil sich die Security an der Zwecklos-Arena etwas auf ihr VW-Logo einbildet, gibt es wie immer lange Schlangen am Einlass, eine intensive Ganzkörperuntersuchung, bei der eigentlich nur noch fehlt, dass man am Ende nur noch in Unterhose dasteht.
Letztlich jedoch sind dann irgendwann alle im Block, die Stimmung ist gut, denn der Club spielt und pünktlich um 15.30 Uhr pfeift der Schiedsrichter die Partie auch an. Es folgen 88 Minuten Fußball, Fangesänge, Bier, Zigaretten und das ein oder andere Tor. Nach den 88 Minuten steht es dann unentschieden – in der Vorsaison genau wie in diesem Jahr. Wolfsburg drückt auf den Siegtreffer, alle im Block sind aufgeregt, klatschen erleichtert, wenn „Magneto“ Schäfer den Ball letztlich wieder unter sich begraben kann und blicken immer wieder fingernägelkauend in Richtung Uhr. Irgendwann zeigt die Stadionuhr dann 90 Minuten, der vierte Schiedsrichter hält eine Tafel mit Leuchtdioden in die Luft und DER DISORDER dreht sich zu seinem Nebenmann Willi. „Jetzt kommt der Genickschlag.“, sagt DER DISORDER, kann aber auch verstehen, dass Dieter Hecking zur Sicherung des Auswärtspunktes Per Nilsson in die Mannschaft bringt.
Was dann passiert, ist letztes Jahr auch schon passiert. Der Club trifft, im Block herrscht Ausnahmezustand, alle Menschen um einen herum schreien das letzte bisschen Stimme, das sie noch haben, auch noch heraus und am Ende schaut man nur noch in ungläubige, über beide Ohren grinsende Gesichter. „Same procedure as every year“ konnte man in Wolfsburg schon fast sagen und nur damit hier jetzt keine Missverständnisse aufkommen: Nein, es wird nicht langweilig! Nicht im zweiten Jahr nacheinander, auch nicht, wenn es im nächsten Jahr wieder genau so passiert und auch dann nicht, wenn wir in acht oder zehn Jahren noch durch ein Tor in der Nachspielzeit in Wolfsburg gewinnen. Im Gegenteil: Last-Minute-Siege sind doppelt schön und könnten bei wohlwollender Betrachtung schon fast als Orgasmusersatz durchgehen.  Last-Minute-Siege sind sogar dann noch schön, wenn man nur eine Woche vorher St. Pauli aus dem Stadion geprügelt hat und auch da schon in ungläubige, grinsende Gesichter blicken musste (durfte / konnte – je nach Betrachtungsweise). Last-Minute-Siege zeigen, dass man auf die Minute alles richtig gemacht hat, sie zeugen von Moral in der Mannschaft, von dem manchmal nötigen Quäntchen Glück, das man sich erarbeitet hat. Und Last-Minute-Siege zeigen, dass die Mannschaft das Vertrauen, dass man noch vor Wochenfrist im eigenen Kommentar ausgesprochen hat, auch verdient hat. Sie zeigen vor allem, dass die Mannschaft im Moment an sich glaubt, dass sie – wie Dieter Hecking richtig sagte – auch dreckige Siege gerne mal mitnimmt und vor allem: Dreckige Siege auch mal mitnehmen kann.
DER DISORDER jedenfalls freut sich über jeden Sieg des FCN und sei er noch so dreckig zustande gekommen. Er freut sich über die 42 Punkte, die erreicht wurden. Er freut sich darüber, dass es auf Platz sieben der Tabelle inzwischen fünf Punkte Vorsprung sind und er freut sich darüber, dass die Überflieger der Vorrunde aus Mainz inzwischen nur noch einen mickrigen Zähler vor dem Club stehen. Er freut sich über jeden weiteren Sieg in den letzten acht Spielen der Saison und er würde sich auch freuen, wenn er in der nächsten Saison auch mal wieder im Ausland Urlaub machen dürfte. Kurzum: DER DISORDER freut sich und seine Leber verrichtet jedes Wochenende Schwerstarbeit.
Und apropos freuen und wo wir ganz am Anfang schon bei Duplizität der Ereignisse waren: DER DISORDER hätte auch mal rein gar nichts dagegen, wenn sich am nächsten Wochenende – in Memoriam der auch keinesfalls schlechten Hinrunde dieser Saison – gegen Werder Bremen zumindest ergebnistechnisch so etwas wie die Duplizität der Ereignisse ergibt. Das 3:1 gegen die Fischköppe war jedenfalls einer (vorsichtig ausgedrückt) schöneren Samstage der Hinrunde. Und die DISORDER-Leber hat sich bisher auch noch keineswegs beschwert…