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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Fußballspiele an einem Freitagabend sind ja so eine zweischneidige Sache. Für Auswärtsfans sind sie mit Sicherheit nicht die ideale Lösung, denn selbst wenn man den Hinweg zum Spiel durch einen halben Tag Urlaub, einen knappen Zeitplan und schließlich ordentlich Gasfuß auf der Autobahn gerade noch bis zum Anpfiff gemeistert hat, muss man irgendwann in der Nacht ja auch noch wieder zurück und wer da das Pech hatte, morgens um sieben Uhr in der Fabrik stehen zu müssen, für den wird dann so ein Freitag rund ums Fußballspiel gerne auch mal zur 22-Stundenschicht.
Doch was tut man nicht alles für seinen Verein und so ein Flutlichtspiel kann ja letztlich auch für viele Entbehrungen entschädigen – zumal DER DISORDER spätestens seit letztem Freitag auch wieder ganz genau weiß, wie er ein Fußballspiel seines Clubs definitiv nicht jede Woche aushalten würde. Da hat der arme Kerl nämlich allein zu Hause auf dem Sofa gelegen, noch geschwächt von einem heimtückischen Magen-Darm-Virus. Und als hätte ihn der Virus in der Woche zuvor nicht schon genug leiden lassen, musste sich DER DISORDER nun also auch noch ein Spiel seines Clubs ganz allein ansehen. Das hatte es das letzte Mal in der Gruppenphase des UEFA-Cups gegeben, damals in der Saison 2007/2008 als der Club beim AE Larissa gespielt hat. Und schon damals hatte sich DER DISORDER geschworen, dass er sich so ein Clubspiel nie wieder allein vor dem Fernseher gibt.
Letztes Endes ist ja aber dann doch alles gut gegangen am Freitag. Julian Schieber packt mal eben im genau richtigen Moment den Hammer aus, Robert Mak braucht ein paar Versuche, ehe er weiß, wie man einem Aleksandar Vasoski den Ball abnimmt und die Lederkugel mit einem sehenswerten Lupfer ins Tor bugsiert und  Almog Cohen schließlich zeigt die zuvor von Trainer Dieter Hecking immer wieder beschworene Geduld in einer derartigen Perfektion, dass er erst drei Minuten nach dem eigentlichen Ende der Partie den Leuten im Stadion mal zeigt, wie weit (Dieter Hecking – sic!) und vor allem wie genau er schießen kann. Auf alle Fälle ist DER DISORDER dann am Ende mindestens ebenso durch seine Wohnung gehüpft, wie es ihm die rot-schwarzen Spieler dort auf dem Bildschirm so vorgemacht haben. Frage an das verehrte Publikum: Gibt es eine bessere Kur?
Denjenigen, die sich nun jedenfalls überlegen, wie sie dem Autor dieser Zeilen einen kurzen Genesungswunsch zukommen lassen können, sei versichert: DER DISORDER ist inzwischen wieder wieder ziemlich obenauf. Drei Tore bedeuten dreifach schnellere Genesung – jedenfalls ist das im Universum vom Disorder so. Und so hat er dann am Samstag in vollen Zügen auch einen weiteren Vorteil von Freitagsspielen genießen können: Eine Samstagskonferenz auf Sky ohne den geringsten Anflug von Aufregung. Fast schon lethargisch lag der DER DISORDER am Samstagnachmittag auf seinem Sofa – das genaue Gegenteil zum Abend vorher. Fünf Spiele, überall in Deutschland verteilt, hier fällt ein Tor, dort gibt es eine rote Karte, in Freiburg wird ein Handspiel nicht gesehen, im Hamburg fabriziert Per Mertesacker seinen dritten und vierten groben Abwehrschnitzer und am Ende braucht Hannover 96 mal wieder nur einen Torschuss, um drei Buden zu machen. Und DER DISORDER? Liegt da, lächelt in sich hinein und kriegt das Grinsen des Vortagssieges nicht aus seinem Gesicht. Also auch in dieser Hinsicht können Spiele an einem Freitag durchaus ihr Schönes haben. Mit einem Sieg im Rücken geht man den Rest des Wochenendes jedenfalls sehr viel entspannter an. Vor allem, wenn man Clubfan ist und eigentlich gar nicht weiß, was Entspannung überhaupt ist.
Und ganz ehrlich: So schön ein Clubsieg am Freitag auch ist – mindestens genauso schön ist er an einem Samstag oder an einem Sonntag. Die Hauptsache ist doch, dass der Club überhaupt gewinnt und viel mehr als die Frage nach dem Wochentag treibt den DISORDER inzwischen längst wieder die Frage um: Wie lange geht das noch so? Gewinnt der Club auch am kommenden Samstag auf Schalke? Zeigen die Rot-Schwarzen den Königsblauen, dass es keineswegs ungestraft bleibt, wenn da nach 119 Minuten plötzlich ein Julian Draxler aus dem Nichts erscheint und die Lederkugel einfach mal ins Tor hämmert?
Das sind die Fragen, die doch letztlich wirklich wichtig sind. Denn so ungern DER DISORDER das auch zugibt… er könnte sich an die Gewinnerei des Clubs sehr wohl und sehr schnell gewöhnen – und nach einer gewissen Zeit der Umgewöhnung wäre es ihm am Ende wahrscheinlich sogar völlig egal, ob die Siege in der nächsten Saison evtl. sogar an einem Dienstag oder an einem Mittwoch eingefahren werden….