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Fußball-Bundesliga 2010/2011, 23. Spieltag
[Freitag, 18.02.2010] 1.FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 3:0 (0:0)

So etwas gab es beim 1.FC Nürnberg das letzte Mal vor über 20 Jahren: Gegen Eintracht Frankfurt konnte am Freitagabend im heimischen Max-Morlock-Stadion das vierte Bundesligaspiel in Folge gewonnen werden. Gegen harmlose Gäste aus Hessen wurde es das befürchtete Geduldsspiel, doch am Ende siegte mit den Gastgebern die klar bessere Mannschaft.
Eintracht Frankfurt war als schlechtestes Rückrundenteam nach Nürnberg gereist. Nach fünf Spielen im Jahr 2011 hatten die Hessen vor dem Gastspiel gerade einen einzigen Punkt ergattern können und warteten auch nach 450 Spielminuten im immer älter werdenden Jahr noch auf den ersten eigenen Treffer. Nun – geändert hat sich an diesen Tatsachen auch nach dem Spiel der Hessen in Nürnberg nichts. Allein, dass es nun bereits 540 Minuten ohne eigenen Treffer sind.
Ganz anders der Club: Mit dem Selbstbewusstsein des 4:1-Auswärtssieges in Stuttgart im Rücken hatte Trainer Dieter Hecking vor dem Spiel gewarnt, dass man gegen Eintracht Frankfurt nun das erste Mal in dieser Saison so etwas wie der Favorit in einer Bundesligapartie sei und dass das Spiel gegen die Mannschaft von Michael Skibbe durchaus zu einem Geduldsspiel werden könnte. Nun, der Dieter sollte Recht behalten – auch, wenn seine Mannschaft im Gegensatz zu den Gästen anfangs durchaus um Spielaufbau und Struktur bemüht war. Äußerst defensiv stehende Gäste machten es Mehmet Ekici und Co. jedoch schwer. Frankfurt stellte die Räume durchaus geschickt eng, suchte über den Kampf ins Spiel und auch wenn bei den Hessen nach vorne nichts ging – hinten standen sie sicher.
Es dauerte also bis zur 27. Minute ehe die Clubfans unter den 40.853 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion den Torschrei erstmals auf den Lippen hatten. Javier Pinola flankte von der halblinken Seite, am ersten Pfosten taucht Almog Cohen auf, bekommt den Kopf an die Flanke und lässt die Lederkugel nur Zentimeter am langen Eck des Frankfurter Gehäuses vorbeistreichen. Endlich eine erste Torchance für den Club, der bis dato im Spiel oft zu lange brauchte, um seine Angriffe vorzutragen und die Eintracht einmal unter Druck zu setzen. Und weil die Franken eben so ihre liebe Mühe und Not hatten, sich in der ersten Halbzeit eigene Chancen zu erarbeiten, halfen die Gäste in Persona Marco Russ in der 41. Minute einfach mal nach. Nach einem Eckball von der rechten Seite von Mehmet Ekici tauchen in der Mitte Julian Schieber und Jens Hegeler unter dem Flankenball durch. Russ kriegt den Kopf nicht mehr runter und köpf aus vollem Lauf in Richtung eigenem Keeper. Doch das Frankfurter Urgestein Oka Nikolov reagierte blitzschnell und konnte abwehren.
Nach der Pause verbesserte sich das Spiel auf dem grünen Rasen merklich – was vor allem an den Gastgebern lag. Es wurde nun schneller gespielt, die Pässe gewannen an Genauigkeit und auch in den Zweikämpfen behielten die Clubberer mehr und mehr die Oberhand. Fast schon logische Konsequenz war in der 51. Minute eine Großchance für den Club, welche die Führung hätte sein müssen. Mehmet Ekici erkämpft sich den Ball im Mittelfeld und schickt mit bester Übersicht Christian Eigler auf der linken Seite in die Spitze. Der Torschütze vom Leverkusenspiel macht alles richtig, geht fast bis zur Grundlinie, passt flach in die Mitte, wo Jens Hegeler den Ball nur einzuschieben braucht. Dem Youngster versagen letztlich jedoch die Nerven und so fliegt die Lederkugel in den Nürnberger Abendhimmel. Schade, Jens, Mund abwischen und weiterspielen.
Dann muss eben ein Treffer her, der nicht so unbedingt auf der Tagesordnung steht und wie Dieter Hecking in einem Interview nach dem Spiel noch zugeben wird, hat er sich in der 67. Minute noch gedacht: Julian, Du wirst doch nicht von dort abziehen… Doch Julian Schieber hat genau das getan – ein Freistoß aus zentraler Position, rund 35 Meter vor dem Frankfurter Tor und Julian Schieber zieht einfach mal ab. Auf dem glitschigen, nassen und seifigen Boden setzt der Ball noch einmal auf, ehe Oko Nikolov hilflos wie ein Käfer auf dem Rücken mit ansehen muss, wie die Granate von Julian Schieber hinter ihm im Netz einschlägt. Endlich das 1:0 für den Club! Die Geduld hat sich ausgezahlt.
Eintracht-Trainer Michael Skibbe reagierte auf den Rückstand sofort, brachte Ioannis Amanatidis und Martin Fenin für die schwachen Halil Altintop und Patrick Ochs. Am Spiel seiner Hessen änderte dies jedoch nichts. Der Akzent lag viel zu sehr auf Spiel zerstören, denn auf gezielten Aktionen nach vorne. Diese hatte nun mit zunehmender Dauer mehr und mehr der Club. Vor allem der eingewechselte Robert Mak, der in der 66. Minute für den Grippe geschwächten Jens Hegeler gekommen war, fand nun immer besser ins Spiel hinein und wurde dementsprechend noch zurecht belohnt. In der 87. Minute erkämpft sich der Slowake im Zweikampf mit dem Frankfurter Aleksandar Vasoski an der Außenlinie den Ball, sieht, dass Keeper Nikolov zu weit vor dem eigenen Gehäuse steht und überwindet den Eintracht-Torhüter schließlich mit einem ebenso sehenswerten wie gefühlvollen Heber zur 2:0-Vorentscheidung.
Die Gäste aus Frankfurt brachen nun vollends auseinander und so durfte sich in der Nachspielzeit schließlich auch der überragende Almog Cohen noch selbst belohnen. Der Israeli hatte während der gesamten 90 Minuten wieder nicht eine Verschnaufpause eingelegt, war gerannt, hatte gekämpft, gespielt, gerettet und durfte nun mit einem herrlichen Schlenzer aus 25 Metern für den 3:0-Endstand sorgen.
Beim Club haben sich also am Freitagabend sozusagen alle selbst belohnt: Für die Geduld, die sie bewiesen haben und für die Kaltschnäuzigkeit, im richtigen Moment dann doch zuzuschlagen. Die drei Punkte gegen Frankfurt sind mehr als verdient und mit nunmehr 35 Punkten aus 23 Spielen rutschte man mit 10 Siegen, fünf Unentschieden und acht Niederlagen zumindest bis zum Samstag bis auf Platz sechs der Tabelle vor. Am kommenden Wochenende können sich die Clubspieler direkt wieder selbst belohnen – nämlich in dem sie auf Schalke Rache für das unglückliche Aus im DFB-Pokal-Viertelfinale vor einem Monat nehmen.