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Fußball-Bundesliga 2010/2011, 22.Spieltag
[Samstag, 12.02.2011] VfB Stuttgart – 1.FC Nürnberg 1:4 (1:2)

Der 1.FC Nürnberg bleibt auch nach dem Spiel in Stuttgart in der Erfolgsspur und klettert durch einen eindrucksvollen Sieg beim Tabellenvorletzten VfB Stuttgart nun schon auf Rang zwei der Rückrundentabelle. Gegen schwache Schwaben präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking in bester Spiellaune und hätte das Spiel sogar noch höher gewinnen können. Bei den Gastgebern gehen in Sachen Klassenerhalt so langsam die Lichter aus.
Dabei waren die Stuttgarter mit dem Selbstbewusstsein des Auswärtssiegs bei Borussia Mönchengladbach vor wochenfrist ins Spiel gegangen und zeigten in den ersten Minuten durchaus, dass sie keineswegs gewillt waren, dem Gast aus Franken kampflos das Feld zu überlassen. Der Club brauchte ein paar Minuten, ehe er sich geordnet hatte, ließ jedoch bei aller Feldüberlegenheit der Gastgeber in den ersten zehn Minuten keine wirkliche Torchance der Schwaben zu. In der 11. Minute war es dann an der Zeit, ein erstes Ausrufezeichen zu setzen. Javier Pinola schnappte sich den Ball zu einem weiten Einwurf von der linken Seite bis direkt ins Abwehrzentrum der Schwaben. Cristian Molinari gewinnt dort zwar das Kopfduell gegen Jens Hegeler, kann den Ball jedoch nicht weit genug abwehren und köpft ihn genau vor die Füsse von Timmy Simons. Der Belgier zeiht überlegt aus der zweiten Reihe ab und trifft zum 1:0 für den Club.
Beim VfB Stuttgart löste der frühe Rückstand die von Clubseite erhoffte Schockstarre aus. Den Schwaben gelang fortan nur noch wenig, während sich der FCN nun sicher in die Abwehr stellte und durch schnelle Gegenstöße zu weiteren Chancen kam. VfB-Leihgabe Julian Schieber versuchte es in der 25. Minute ebenfalls mit einem Distanzschuss, setzte seinen Hammer jedoch zu zentral an, so dass VfB-Keeper Sven Ulreich noch die Fäuste an das Geschoss bekam und zur Ecke klären konnte. Drei Minuten später machte es der Nürnberger Stürmer dann besser. Almog Cohen bringt durch einen Seitenwechsel Startelf-Debütant Timothy Chandler in Position. Der Youngster hat alle Zeit der Welt, um seine Flanke in die Mitte zu bringen, wo Schieber seinen Gegenspieler Serdar Tasci alt aussehen lässt und den Ball mit einem sehenswerten Flugkopfball in der 28. Minute zum 2:0 in den Maschen unterbringt. Aus Respekt vor der Situation bei seinem eigentlichen Arbeitgeber verkneift sich Julian Schieber jeden Jubel über das Tor.
Mit dem sicheren Vorsprung im Rücken ließen die Clubspieler Ball und Gegner nun fast nach Belieben laufen und hätten in der 41. Minute fast zum 3:0 erhöht. Nach einer Ecke von der rechten Seite kommt Andreas Wolf aus etwa acht Metern völlig frei zum Kopfball, setzt die Lederkugel jedoch knapp über das Stuttgarter Gehäuse. Und nur wenige Minuten später fast eine Duplizität der Ereignisse: Wieder ein Eckball von der rechten Seite, wieder kommt Kapitän Wolf zum Kopfball, doch dieses Mal kann Sven Ulreich den Ball mit einer Glanztat von der Linie kratzen. Das wäre in der 45. Minute der endgültige Genickbruch für die Stuttgarter gewesen.
Statt dessen gab es in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit auf der anderen Seite noch einmal eine Ecke für die Hausherren. Den Ball von der rechten Seite können die Clubberer zunächst klären, doch aus der zweiten Reihe zieht Patrick Funk aus reiner Verzweiflung einfach mal ab – und hat Glück! Der Ball wird von Juri Judt unglücklich abgefälscht und landet praktisch mit dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Manuel Gräfe zum 1:2 im Nürnberger Tor.
Auf Clubseite war man also gewarnt – Stuttgart hatte auch in der letzten Woche bei Borussia Mönchengladbach die erste Halbzeit komplett verschlafen, bog dann jedoch einen 0:2-Rückstand noch zu einem 3:2-Sieg um. Und dass die Mannschaft von Bruno Labadia gewillt war, dieses Erlebnis zu wiederholen, zeigte sich direkt nach dem Wiederanpfiff. Stuttgart war nun wesentlich aggressiver in den Zweikämpfen, wirkte ballsicherer und  sehr viel engagierter als in Durchgang eins. Umso bemerkenswerter war es, dass sich der FCN dadurch nicht aus der Ruhe bringen ließ. Die Mannschaft von Dieter Hecking wartete keinesfalls ab, ehe irgendwann das 2:2 fallen würde, sondern nahm den Gastgebern nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff jeglichen Wind wieder aus den Segeln. Julian Schieber ließ auf der linken Seiten seinen Gegenspieler Serdar Tasci wie das Mitglied einer Schülermannschaft aussehen und rannte dem Nationalspieler einfach davon. Dann die scharfe, flache Hereingabe in die Mitte, wo Timothy Chandler in der 51. Minute zum 3:1 vollenden kann. Für Chandler war es das erste Bundeligator seiner Karriere.
Die Gastgeber wirkten nun vollends gelähmt und schenkten die Partie früh her. Der Club hingegen wirbelte weiter und wenn Julian Schieber bei seiner Direktabnahme einer Flanke von Chandler in der 59. Minute den Ball richtig getroffen hätte, wäre die Lederkugel wahrscheinlich auch vom Tornetz des VfB-Gehäuses nicht aufzuhalten gewesen. Der Clubstürmer traf den Ball jedoch nur mit dem Schienbein und drosch seinen Schuss irgendwo auf die Baustelle hinter dem VfB-Kasten.
Mit sehr viel mehr Gefühl machte es Mehmet Ekici in der 63. Minute dann genau richtig. Andreas Wolf hatte den Ball im Mittelfeld erobert, stürmte nach vorne und spielte im richtigen Moment auf seinen Mannschaftskameraden ab. Ekici umkurvte drei Gegenspieler wie Slalomstangen, zog aus halbrechter Position ins lange Eck ab und traf  zum 4:1.
Die Chancen zum 5:1 für den Club folgten nun im Minutentakt. Julian Schieber scheiterte in der 67. und 68. Minute, Ekici traf in der 74. Minute nur den Pfosten und Cohen verzog nach mustergültigem Konter in der 75. Minute. Gegenwehr der Stuttgarter gab es in dieser Phase des Spiels nicht und lediglich ein Pfostenschuss durch Elson in der 81. Minute ließ die Clubfans noch einmal kurz die Luft anhalten. Es war übrigens neun Minuten vor Schluss der erste Stuttgarter Torschuss, den die Schwaben innerhalb des Strafraums abgaben.
Am Ende blieb es beim 4:1 für den Club, der sich damit in dieser Saison den 32. Punkt sichert und nun bereits nach 22 Spieltagen einen Zähler mehr auf dem Konto hat als nach der gesamten letzten Spielzeit. In der Tabelle konnte man Platz neun festigen und wird auch nach den Sonntagsspielen nun mindestens neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz haben. Gleichzeitig konnte der Rückstand auf die Plätze, die in der nächsten Saison die Startberechtigung im Europapokal bedeuten, auf fünf Punkte verkürzt werden. Am kommenden Freitag ist Eintracht Frankfurt zu Gast im Max-Morlock-Stadion. Die Mannschaft von Trainer Michael Skibbe wartet im Kalenderjahr 2011 noch immer auf den ersten eigenen Treffer und konnte in den fünf Rückrundenpartien bisher gerade einen einzigen Punkt ergattern.