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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Auf bundesliga.de, der offiziellen Homepage der DFL, gibt es in der Rubrik Tabelle eine schöne statistische Spielerei. Unter dem Reiter „Form“ kann man sich eine Tabelle der Bundesliga anzeigen lassen, in der nur die letzten fünf Begegnungen gewertet werden. Das ideale Spielzeug also, wenn das eigene Team einen Lauf hat und man als Fan, der die Tabelle normalerweise von unten liest, die eigene Mannschaft auch mal weit oben sehen möchte. Was macht man also als Clubfan, wenn nacheinander der HSV und Bayer Leverkusen punktlos wieder nach Hause geschickt werden? Man sieht sich eben genau diese Tabelle mal an und findet den FCN plötzlich auf einem Champions-League-Platz wieder. Stören eigentlich nur die Bauern auf Platz eins, die – man mag es kaum glauben – trotz des trostlosen Spiels in Köln in den letzten fünf Spielen die meisten Punkte in der Bundesliga geholt haben.
Nun ja, leider eben nur eine Spielerei. Eine Spielerei jedoch, die auch eins ganz deutlich zeigt: Nämlich, wie eng es in der Bundesliga momentan zugeht. Gerade mal sechs Punkte sind es in dieser Formkurven-Tabelle zwischen dem Tabellenführer und dem Tabellenletzten (übrigens Werder Bremen). Und auch in der Gesamtstatistik geht es eng zu: So haben an diesem 21. Spieltag die ersten vier Mannschaften der Gesamttabelle zusammen gerade mal zwei Punkte geholt – und das, obwohl zwei dieser vier Mannschaften zu Hause spielten. In jeder anderen Saison hätte man sich mit 29 Punkten nach 21 Spielen ein wenig zurücklehnen können, hätte sagen können – ok, die letzten paar Heimspiele noch gewonnen und das war’s. Nicht so jedoch in dieser Saison: Der Club steht nach 21 Runden mit ausgeglichenem Punktekonto auf Platz neun der Gesamttabelle – und was ist? Es sind trotzdem nur sieben Punkte bis zum Relegationsplatz. Normal ist das nicht. Und da hilft es eben auch nicht, wenn rein statistisch bisher noch keine Mannschaft abgestiegen ist, die nach 21 Spieltagen eben bereits 29 Punkte hatte.
Das Ganze klingt nun jedoch auch sehr viel pessimistischer als es eigentlich gemeint ist. Schließlich hat DER DISORDER sich ja bereits vor einer Woche weit aus dem Fenster gelehnt und die steile These vom Nichtabstieg aufgestellt. Und dabei bleibt es auch. Sieben Punkte auf den 1.FC Köln mögen mit Sicherheit kein Ruhepolster sein, auf dem man sich ausruhen sollte. Doch sehen wir das Ganze doch mal realistisch: Selbst, wenn Podolski & Co. nun eine Serie starten sollten und in fünf Spieltagen die Formtabelle auf bundesliga.de mit sattem Vorsprung anführen sollten – irgendjemandem müssen die Domstädter diese Punkte schließlich auch abnehmen. Und dann sind es eben genau diese Mannschaften, die am Ende in die Röhre schauen.
Und überhaupt: Wer spricht beim Club denn von „Ausruhen“? Werfen wir den Blick doch mal von der anderen Seite auf den Stand der Dinge. Die nächsten Gegner der Kölner heißen Mainz 05, Hoffenheim, Freiburg, Dortmund und Hannover. Klammern wir die Dortmunder mal aus, haben wir in dieser Auflistung ausschließlich Mannschaften, die zwar vor dem Club stehen, aber durchaus auch noch in Schlagdistanz liegen. Mainz 05 hat als Dritter auch erst 37 Punkte, liegt also gerade mal einen Zähler entfernter vom Club als der Club vom Relegationsplatz. Der Weg nach oben ist für den Club also keinesfalls viel länger als der Weg nach unten und auch wenn in dieser Konstellation durchaus eine Gefahr liegt, muss man sich doch eigentlich nur mal die letzten beiden Heimspiele ansehen. Spiele wie gegen den HSV und die Pillendreher aus Leverkusen hätte der Club früher dumm und deppisch noch irgendwie verloren. Oder man hätte einen Zähler über die Zeit gerettet und sich hinterher wie ein Eichhörnchen gefreut.
Nicht so der Club der Saison 2010/2011: Da muss dann eben auch mal ein Sonntagsschuss her, um die drei Punkte zu Hause zu behalten. Da muss man dann auch mal die Schimpftirade von Osram Heynckes abkönnen und genüsslich hinnehmen, dass man spielstarken Gästen derart den Schneid abgekauft hat, dass der gegnerische Trainer nicht mehr weiß, wohin mit seinem Frust.
Der Club hat in dieser Saison noch sechs Heimspiele und da wir gerade so schön bei Rechenspielen und Statistiken sind: Bis auf die Wundertüte Bayern München, bei denen man einfach hoffen muss, dass Arjen Robben den Weg ins Frankenland aus irgendeinem Grund nicht antreten kann, sind die kommenden Gegner durchaus schlagbar. Wären also ohne Arjen Robben im Frankenland schon 18 Punkte – damit wäre man dann auf insgesamt 47 Zählern. Eine Punktzahl, die bis auf einen Zähler an die Pokalsiegersaison heran käme und seit Menschengedenken am Saisonende immer für einen einstelligen Tabellenplatz gereicht hat.
Zu schön, um wahr zu sein, mag man nun denken und Statistiken haben letztlich noch nie gehalten, was sie versprochen haben…. Stimmt, sagt DER DISORDER in diesem Falle. Die ganze Rechnung mit den 18 Punkten für den Rest der Saison ist nämlich schon in der kommenden Woche Makulatur, wenn die Mannschaft von Dieter Hecking drei Punkte aus dem Schwabenland entführt. Denn – und auch das sagt die Statistik – der VfB Stuttgart hat in dieser Bundesligasaison nach einem Auswärtssieg das folgende Heimspiel noch nie gewinnen können. Feinde der Statistik mögen nun anbringen wollen, dass der Last-Minute-Sieg in Mönchengladbach ja schließlich auch der erste Stuttgarter Sieg auf fremdem Platz gewesen sei, doch genau das ist dem DISORDER völlig egal…