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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Also, um ganz ehrlich zu sein: Daran könnte sich DER DISORDER gewöhnen. Alle paar Tage ein Clubspiel – eins unter der Woche, eins am Wochenende; langweilig wird es so jedenfalls nicht. Und wenn dann auch noch Heimsiege wie am Samstag gegen den HSV dabei herausspringen: Umso besser.
Doch halt! Hat DER DISORDER jetzt gerade wirklich gesagt, er könne sich an englische Clubwochen gewöhnen? Wie, bitte schön, will er das auf längere Sicht überleben? Vom Herzrasen zur Leberüberbelastung – gesund ist das nicht! Auch, wenn dann am Ende noch Heimsiege wie am Samstag gegen den HSV dabei herausspringen.
Denn eins hat vor allem der letzte Dienstag überdeutlich gezeigt: Als Clubfan kann man auch innerhalb von 118 Minuten schnell mal um Jahre altern. Umso mehr, wenn man dann am Mittwoch noch mitbekommt, dass der Weg nach Europa (die Champions-League-Qualifikation der Bauern mal vorausgesetzt) über zwei Zweitligisten führt. Ja, ja, ich weiß: Hochmut kommt vor dem Fall und ähnlich mögen Hoffenheim und Kaiserslautern am Mittwoch auch gedacht haben, doch man wird sich ja wohl noch mal ärgern dürfen. Zumal uns das Los wahrscheinlich sowieso genau das Auswärtsspiel beschert hätte, das die Schalker nun Anfang März bestreiten dürfen.
Und damit wären wir dann auch schon am springenden Punkt: Gegentore irgendwelcher 17-jährigen One-Hit-Wunder mögen weh tun und die Phrase mit dem „Mund abwischen“ mag man nach einer solchen Niederlage auch nicht unbedingt hören, doch die Art und Weise, wie die Mannschaft von Dieter Hecking eben dieses mit dem Mund und dem Ärmel hinbekommen hat, davor zieht DER DISORDER seinen Hut.
Der Hamburger SV war am Samstag mit Sicherheit nicht einfach zu spielen. Die Hanseaten kamen mit der Empfehlung von zwei Siegen im Jahr 2011 nach Nürnberg und streben bekanntlich immer nach Höherem. Trotzdem ließ sich die junge Truppe um Anführer Timmy Simons nie wirklich verrückt machen, spielte betont entspannt ihren Stiefel runter und zeigte den Gästen aus dem hohen Norden, wo in Franken der Hammer hängt.
Das mag nun vielleicht ein wenig zu euphorisch klingen und gerade in der ersten Halbzeit war da auf dem grünen Rasen im Max-Morlock-Stadion nur wenig zu sehen, was wirklich mit Fußball zu tun hat – und trotzdem: Das muss man erst einmal bringen. DER DISORDER nennt das: Taktisch versiert. Um die eigene Müdigkeit wissend, den Gegner mindestens ebenso einzulullen, um dann in den entscheidenden Momenten zuzuschlagen? Respekt!
Und seien wir ehrlich: Fußballerischen Hochgenuss konnten wir Clubfans allein schon aufgrund der fehlenden Mehmet Ekici und Ilkay Gündogan gar nicht erwarten. „Schuster bleib bei deinen Leisten“ heißt es da dann gerne und nichts Anderes hat der FCN am Samstag perfekt umgesetzt. Konzetriert und sachlich haben die Clubberer die Gäste mit den Waffen geschlagen, die Armin Veh sich mit der Einwechselung von Mladen Petric zur Halbzeit erhofft hatte. Doch Mladen Petric ist eben ein Einzelspieler, der neben anderen Einzelspielern wie Ruud van Nistelroy oder auch David Jarolim durchaus eine höhere individuelle Klasse als so mancher Clubspieler besitzen mag. Am Ende heißt ein Einzelspieler jedoch genau deshalb Einzelspieler, weil er als solcher allein auf verlorenem Posten steht, wenn der Gegner das bessere Team ist.
Schon nach dem Auswärtssieg bei Werder Bremen in der Hinrunde hatte Ilkay Gündogan in die Mikrofone der Reporter gesagt: „Der beste Spieler bei uns war heute die Mannschaft.“ Der Samstag hat gezeigt, dass unser kreativer Mittelfeldmann Recht hat. Und wenn dann eben ein Julian Schieber mal nicht trifft, dann steht ein Almog Cohen plötzlich mutterseelenallein vor dem Tor. Und wenn ein Javier Pinola einen Elfmeter verschießt, dann tritt eben das nächste Mal ein Timmy Simons an – und Pinola freut sich am anderen Ende des Platzes wie eine Hupfdole über den Führungstreffer.
Der Club steht mit 26 Punkten auf Platz zehn der Tabelle – nach 20 Spieltagen eine mehr als beachtliche Zwischenbilanz. Und jetzt hauen wir doch einfach mal auf den Tisch: Bei den punktgleichen Frankfurtern spricht doch auch niemand von Abstieg! Echte Probleme haben in der Bundesliga momentan ganz andere Mannschaften. Bei Werder Bremen brennt es unter dem Dach, der VfB Stuttgart hat gegen Freiburg eindrucksvoll bewiesen, dass man in der Rückrunde keineswegs den Durchmarsch nach oben machen will, Schalke findet gegen harmlose Hoffenheimer kein Mittel und Wolfsburg muss feststellen, dass Dortmund – Zitat Arne Friedrich – „in der Bundesliga in einer ganz anderen Liga spielt.“
Mögen die Wege also noch so steinig und auch in der Gewissheit, dass der ein oder andere Rückschlag in den verbleibenen Saisonspielen noch kommen wird: DER DISORDER hält es ab sofort mit den Worten von HSV-Trainer Armin Veh, die dieser in fast prophetischer Voraussicht vor dem Spiel gegen den Club gesagt hat: „Der Club ist in der Lage gegen jeden Gegner zu gewinnen.“ Also auch gegen Leverkusen am kommenden Wochenende!