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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Das ist jetzt aber nicht fair. Da ist man als Clubfan gerade so schön in Feierlaune, nüchtert nach dem Sieg gegen Hannover 96 gerade wieder aus, um für das Weiterkommen im Pokal fit zu sein und dann das… Schicken die den Club einfach in die Winterpause. Was soll das denn, bitte schön? Was mache ich denn jetzt mit dem freien Abend? Ich will meinen Club! Jetzt, und nicht erst in drei Wochen wieder.
Denn seien wir doch mal ehrlich – bei allem Wehklagen während der Niederlagenserie – im Grunde hat der Club doch während der Hinrunde 2010/2011 richtig Spaß gemacht. Mit allem hätte DER DISORDER gerechnet, aber doch nicht damit, dass nach 17 Spieltagen 22 Punkte zu Buche stehen. Sechs Siege bei sieben Niederlagen – da kann man ja fast schon von Bundesliga-Mittelfeld reden. Und man muss schon weit in den Analen der obersten deutschen Spielklasse blättern, bis man eine Mannschaft findet, die nach einer solchen Hinrunden-Bilanz am Ende noch abgestiegen ist.
Sieben Punkte Vorsprung sind es zur Winterpause auf den Relegationsplatz, bis zum direkten Abstiegsplatz 17 sogar neun Punkte. Was soll denn da bitte noch schief gehen? Im Gegenteil: Zu den Plätzen fürs internationale Geschäft sind es schließlich auch nur sieben Punkte Rückstand. Sieben Punkte auf den großen FC Bayern München – wenn wir den Rückstand halten, sind wir am Ende der Saison schön weit vorne mit dabei.
Aber seien wir ehrlich: Ein flaues Gefühl in der Magengegend bleibt irgendwie. Nicht so sehr, weil ein Sieben-Punkte-Vorsprung innerhalb von drei Spieltagen zu einem zwei Punkte Rückstand werden kann. Nicht so sehr, weil der Club es bisher noch immer geschafft, irgendeinen neuen deppischen Rekord aufzustellen und sich in der Rückrunde durchreichen zu lassen. Auch nicht so sehr, weil man das Gefühl hat, dass die Erfolge der Hinrunde nun äußerst glücklich und auf extrem wackligen Beinen gestanden haben. Die Mannschaft von Dieter Hecking wusste in der Hinrunde durchaus zu gefallen, hat des Öfteren Nerven bewiesen und zum Teil wichtige, knappe Spiele mit einem dreifachen Punktgewinn erfolgreich abschließen können. Wer hätte zur Halbzeit in Bremen schon gedacht, dass die Rot-Schwarzen das Spiel noch in derart souveräner Manier drehen?
Trotzdem: Das flaue Gefühl bleibt und Schuld daran ist vor allem eine Bundesliga-Saison, die bisher richtig Spaß macht. Wer am Anfang der Saison diese Halbzeittabelle bei irgendwelchen Buchmachern abgegeben hätte, wäre jetzt ein gemachter Mann. Mainz 05 auf Tabellenplatz zwei, Hannover 96 noch vor den Bauern auf Platz vier und ganz hinten ein Kellerkind aus Stuttgart mit exakt der selben erbärmlichen Punktausbeute, wie sie der Club vor Jahresfrist hatte und die Michael Oenning damals seinen Job gekostet hat. Aber eben genau dort liegt das Problem – geht man davon aus, dass sich eine Tabelle im Laufe einer ganzen Saison wieder gerade zurrt, könnte der FCN vor einer schwierigen Rückrunde stehen. Werder Bremen, der VfL Wolfsburg, der VfB Stuttgart – sicher drei Mannschaften, die man in der Tabelle nicht unbedingt hinter dem Club erwarten durfte.
Die große Frage der Rückrunde wird also sein: Können sich die Namen am Ende durchsetzen?  Kommen Bremen, Wolfsburg und Stuttgart wieder in die Spur? Oder droht z.B. ausgerechnet unserem Gegner im Pokalfinale von 2007 eine ähnliche Seuchensaison, wie wir sie im Jahr nach dem Triumph von Berlin erleben mussten? Auf dem Papier sieht das immer alles so einfach aus, doch steckt man erst einmal im Schlamassel, ist es auch für eine Mannschaft wie Stuttgart nicht einfach, sich wieder zu befreien.
Vieles wird in der Rückrunde vom Start ins neue Jahr abhängen. Der Club empfängt am 15. Januar im heimischen Max-Morlock-Stadion das Tabellenschlusslicht aus Mönchengladbach und DER DISORDER möchte gar nicht erst daran denken müssen, was passiert, wenn das Spiel verloren geht.
Und so hat die Situation, in die sich die Mannschaft von Dieter Hecking in der Hinrunde gespielt hat, gleichzeitig etwas Schönes, aber auch etwas Gefährliches. Das Schöne mag auf den ersten Blick überwiegen und man hat es während der Schwächeperiode in der Hinrunde gesehen: Nicht gleich jede Niederlage führt zu einem Abrutschen auf die Abstiegsplätze. Dennoch – und das haben die vier Niederlagen in Folge eben auch gezeigt – sollte man sich auch keineswegs zu sicher fühlen. In dieser Hinsicht beruhigt dann wieder der Heimsieg gegen Hannover ungemein. Die Männer mit dem FCN-Logo auf der Brust scheinen dies begriffen zu haben, haben eine Mannschaft, die zuvor fünf Spiele in Folge gewonnen hatte, mit 3:1 aus dem Stadion gefegt. Und DER DISORDER spricht bewusst von „fegen“, denn ohne die tatkräftige Unterstützung von Schiedsrichter Guido Winkmann wären die Niedersachsen nie und nimmer zu ihrem Tor gekommen.
Von daher ist es jetzt doppelt schade, dass die Witterung das Spiel bei den Offenbacher Kickers verhindert. Nicht umsonst betont auch Dieter Hecking, dass man den Schwung vom Samstag gerne mit auf den Bieberer Berg genommen hätte. So aber bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft den Schwung des letzten Hinrundenspiels über die kurze Schneepause rettet, Borussia Mönchengladbach gleich im ersten Spiel zeigt, dass auch die Rückrunde für das Team vom Niederrhein nicht angenehmer wird und dass man dann im Januar für ein weiteres Novum im deutschen Fußball sorgt – nämlich innerhalb einer Woche sowohl das Achtel- als auch das Viertelfinale im DFB-Pokal erfolgreich zu überstehen.
In diesem Sinne verabschiedet sich nun auch DER DISORDER in die Weihnachtspause, wünscht allen Clubfans ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Mögen wir uns auch im neuen Jahr über eine erfolgreiche Zeit mit unserem Club freuen können.