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DER DISORDER – Der aktuelle Montagskommentar

Es war doch alles bereitet für einen festlichen Abend. Das Bumerang war bis auf den letzten Platz gefüllt, der Club hatte in den letzten Wochen streckenweise fantastischen Fußball gespielt und die Erwartungen waren dementsprechend hoch. Nun gut, nach 90 Minuten im Arroganz-Schlauchboot muss man dann aber doch leider zu dem Schluss kommen: Ausgeträumt. Zumindest vorerst. Um die Bauern an einem guten Tag im eigenen Stadion schlagen zu können, reicht es dann doch noch nicht ganz. Und leider waren die Münchener mindestens ebenso heiß auf das Derby wie der Club und sein Anhang. Für die Bauern haben spätestens nach dem Unentschieden in Mönchengladbach vor Wochenfrist die Wochen der Wahrheit begonnen. Das Ziel der Millionarios von der Isar muss heißen: Bis zur Winterpause kein Spiel mehr verlieren – besser noch: Bis zur Winterpause alle Spiele gewinnen. Dumm nur und schade, dass sie ausgerechnet gegen den Club damit angefangen haben. Wäre doch zu schön gewesen, wenn die Bauern gestern alle Meisterschaftsträume hätten begraben müssen.
Aber eben: Hätte, wäre, wenn… das hilft im Fußball leider wenig bis gar nichts. Am Ende zählen die Tore und die Punkte. Es zählt nicht, dass Julian Schieber in der 53. und 54. Minute zwei Mal innerhalb einer Minute den zwischenzeitlichen Ausgleich auf dem Fuß hatte. Es zählt auch nicht, dass die Bauern mit Ottl und Breno sogar die Hilfe zweier Ex-Clubberer benötigten, um zu gewinnen. Aber ach, der Ottl war wahrscheinlich nie wirklich ein Clubberer. Letztlich ist es auch egal. Unter dem Strich steht ein 3:0 für die Telekom-Kicker des Wurstfabrikanten. In der Tabelle steht die Besatzertruppe wieder einen Punkt vor dem Club und schnuppert erstmals in dieser Saison an einem Europapokalplatz. Das Schöne an der Situation ist jedoch: Schon nächste Woche kann die bayrisch-fränkische Tabellenkonstellation schon wieder ganz anders aussehen. Die Bauern kriegen in Leverkusen ihre Grenzen aufgezeigt und der Club putzt zu Hause den FCK… und schon steht es punktemäßig wieder 21:19 für den Club.
Niederlagen haben nur äußerst selten etwas Gutes an sich und natürlich würde der Club – wenn es nach mir ginge – am Ende der Saison mit 34 Siegen an der Tabellenspitze stehen. Doch das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert und man stelle sich doch nur mal vor, was in Nürnberg los gewesen wäre, wenn es gestern den erhofften Auswärtssieg gegeben hätte. Man hätte wahrscheinlich so manchen Clubfan erst in Nürnberg wieder eingefangen. Eine Niederlage bei den Bauern tut zwar doppelt weh, man ist sie jedoch als Clubfan inzwischen fast gewöhnt. Und dem bisher mehr als passablen Saisonverlauf tut dieses Zwischentief auch nicht wirklich weh. Im Gegenteil: Hätte man am Sonntag in München gewonnen, wäre es in den Vorab-Diskussion über das Kaiserslautern-Spiel am kommenden Wochenende wahrscheinlich nur noch um die Höhe des Heimsieges gegangen. So aber sind die Männer von Dieter Hecking wachsam, wissen, dass die Pfälzer am Samstag schlagen müssen, um das wunderbare Polster in Richtung Süden der Tabelle noch ein wenig dicker werden zu lassen.
Bleibt am Ende die Frage, ob Javier Pinola im Spiel am kommenden Wochenende dabei sein wird. Der Argentinier hat sich gegen die Bauern eine Dummheit geleistet und Bastian Schweinsteiger angespuckt. Das Pech von Pinola ist nun, dass das Spiel gegen die Bauern selbst so wenig hergibt, dass die BLÖD-Zeitung sich nun auf unseren Verteidiger stürzt und obwohl sich Pinola inzwischen längst bei seinem Gegenspieler entschuldigt hat und dieser die Entschuldigung auch angenommen hat, lässt das dünne Blättchen mit den großen Buchstaben online gleich mal die User abstimmen, ob Pinola gesperrt werden soll oder nicht. Das Ganze dann noch mit großen Lettern und Bildchen auf die Startseite, damit es die Herren vom DFB auch ja mitkriegen, dass da in München gestern Majestätsbeleidigung begangen wurde. Die Hauspostille der Bauern leistet also mal wieder ganze Arbeit und als Clubfan bleibt nur die leise Hoffnung, dass sich der DFB von dieser Art der Meinungsmache nicht beeinflussen lässt.